HaßfurtBei Kämmerern gilt die Regel: Das Glas ist eher halb leer als halb voll. Soll heißen: Die Finanzverwalter der Städte und Gemeinden neigen eher zur Vorsicht und zu pessimistischen Einschätzungen der Kassenlage. Optimismus nach dem Motto "Geld ist da, es kann ausgegeben werden" ist die Ausnahme.

Mehr Schulden als Rücklagen

Insofern ist Wolfgang Hömer ein sehr typischer Vertreter seiner Zunft. Der Kämmerer der Stadt Haßfurt mahnte bei der Haushaltssitzung des Haßfurter Stadtrates am Montagabend im Rathaus zu Sparsamkeit, "um die Stadt weiterhin finanziell auf Kurs zu halten".
Detailliert erläuterte er das umfangreiche Zahlenwerk. Das Haushaltsjahr 2014 stellt laut Hömer "eine Zäsur" dar, denn erstmals übersteigen die Schulden die Rücklagen der Stadt. Die Einnahmen bleiben in Haßfurt annähernd gleich. Das Problem ist die Ausgabenseite: "Die Kosten laufen uns davon", betonte der Kämmerer.

Kritische Jahre folgen

Wolfgang Hömer bezifferte den aktuellen Schuldenstand der Stadt Haßfurt auf 7,7 Millionen Euro. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 392 Euro. Das ist im Vergleich mit anderen Kommunen ähnlicher Größenordnung in Bayern ein eher niedriger Wert. Zählt man noch die Verbindlichkeiten des Zweckverbandes Schulzentrum Haßfurt hinzu, den die Stadt gemeinsam mit dem Landkreis Haßberge bildet, dann hat die Stadt Haßfurt eine Pro-Kopf-Verschuldung von 549 Euro.
Und das ist laut Hömer nicht das Ende der Fahnenstange. Die Schuldensituation werde sich vor allem in den Jahren 2016 und 2017 weiter verschärfen, kündigte der Kämmerer an. "Vorsicht ist geboten", mahnte Hömer und wies darauf hin, dass es der Stadtrat selbst in der Hand habe, wie sich die künftige finanzielle Situation darstelle.

Der neue Stadtrat, der am 1. Mai seine Arbeit aufnimmt, könne sich den Spielraum verschaffen, den er braucht, griff Bürgermeister Rudi Eck (parteilos) den Gedanken Hömers auf. "Wir haben keine Verschuldung, die besorgniserregend ist", relativierte er die Ausführungen des Kämmerers. Seinem Mitarbeiter in der Stadtverwaltung gestand Eck aber ausdrücklich zu, dass er auf Entwicklungen und Tendenzen aufmerksam macht, die in Zukunft wichtig werden können, und dazu gehört vor allem die Haushaltslage.
Rudi Eck plädierte für einen "goldenen Mittelweg" zwischen Sparen und Ausgeben. Entscheidend beim Einsatz der Mittel sind für ihn die Fragen: "Was ist wirklich wichtig? Was bringt die Stadt weiter?"

Die Investitionen

Weiter bringen die Stadt sicherlich die Projekte, in die sie heuer investiert. Insgesamt rund 11,5 Millionen Euro stehen 2014 auf dem Haßfurter Investitionsplan (bei einem Gesamtvolumen des Haushalts von 34 Millionen Euro). Das meiste Geld fließt 2014 in den weiteren Bau des neuen Kindergartens im Osterfeld, in die Errichtung eines Dokumentationszentrums im alten Beinhaus (Michaelskapelle) neben der Ritterkapelle sowie in die Erschließung des neuen Baugebietes Osterfeld II im Westen der Stadt.

Was kommt danach?

Auch einige Aufgaben für 2015 und folgende Jahre sind bereits vorgegeben. Rudi Eck nannte die weitere Dorferneuerung in Wülflingen, die Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes und den geplanten Sportpark des Haßfurter Turnvereins.
Für den Bürgermeister war es der 18. und letzte Haushalt, den er im Stadtrat eingebracht hat. Rudi Eck nutzte die Sitzung am Montagabend, um eine Art Bilanz seit 1997 zu ziehen, als er erstmals einen Etat im Stadtrat präsentierte. Damals habe das Gesamtvolumen des Haßfurter Etats 38 Millionen Mark betragen (rund 19 Millionen Euro). Inzwischen liege die Stadt bei 34 Millionen Euro. Allein aus diesen Zahlen könne man herauslesen, sagte der Bürgermeister, welche Entwicklung die Stadt Haßfurt genommen habe.

Einstimmiger Beschluss

In teilweise sehr ausführlichen Stellungnahmen beleuchteten die Fraktionen die Haushaltslage aus ihrer Sicht. Sie stimmten mit dem Kämmerer in der Ansicht überein, dass Sparen nötig ist. Dieses Ziel umzusetzen ist allerdings Aufgabe des neuen Stadtrates und des neuen Bürgermeisters. Einstimmig billigte der Stadtrat den Etat mit einem Volumen von 34 Millionen Euro.