Es gibt Momente, die verdienen zu Recht das Prädikat "perfekt". Einen solchen Moment durften die Gäste des Jazz-Frühschoppens im Schloss Hafenpreppach am vergangenen Sonntag erleben. Die Sonne schien, die Temperaturen stimmten, es wehte eine leichte Brise und die Band "Jazz Colors Bamberg" war bestens aufgelegt.

"Wir sind mehr als zufrieden", lautete das Resümee von Veranstalter Henrik Stein, der Miteigentümer des Schlosses und erster Vorsitzender des Vereins Musik und Kunst in Hafenpreppach ist. Dabei stand es noch vor wenigen Wochen nicht fest, ob und wie dieser Jazz-Frühschoppen über die Bühne gehen sollte. Doch mit strikten Hygieneregeln und einer Reglementierung der Teilnehmerzahlen waren alle Vorgaben erfüllt.

"Jazz Colors Bamberg" sind froh über Auftritt

Auch die Musiker waren erleichtert, wieder live vor einem Publikum zu spielen. "Wir sind froh, wieder vor Ihnen auf der Bühne stehen zu können", begrüßte Roland Kocina die Gäste des Jazz-Frühschoppens. Der Saxofonist führte durch das Programm und erläuterte mit wenigen Worten die einzelnen Musikstücke.

In der Formation besteht die Jazz-Combo mit Roland Kocina (Tenor- und Altsaxophon, Klarinette, Querflöte), Matthias Amm (Gitarre, Bass, Gesang), Fabian Killer (E-Bass, Gesang) und Jens Kußmann (Drums) seit 2014. An diesem Vormittag präsentierten sie ein ausgewogenes Potpourri aus Jazz, Soul, Swing, Rock und Fusion. Darunter waren bekannte Songs von Cole Porter, Paul Simon, George Gershwin oder Herbie Hancock.

Wilhelm Schneider und Martin Mittag unter den Gästen

Unter den Gästen waren auch Kommunalpolitiker. Wilhelm Schneider, Landrat des Landkreises Haßberge, zeigte sich begeistert. "Es ist gnadenlos gut, was uns hier geboten wird." Ihn freut es, dass für den Jazz-Frühschoppen mehrere Kräfte aus dem Ort an einem Strang ziehen: Neben den Schlossbesitzern Henrik Stein und Ismail Mukadam, dem Verein Musik und Kunst in Hafenpreppach war auch der Sportverein beteiligt.

Der Landtagsabgeordnete Martin Mittag hielt mit seiner Begeisterung nicht hinter dem Berg. Den früheren Bürgermeister von Seßlach beeindruckte, was in diesem kleinen Ort an kulturellen Veranstaltungen geboten wird. "Wir können auch hier Kultur auf einem hohen Niveau genießen, nicht nur in München", ergänzte Mittag augenzwinkernd.

Henrik Stein geht es nicht nur um Musik

Es ging bei diesem Jazz-Frühschoppen jedoch nicht allein um die Musik. Vielmehr nutzte der Vorstand des Vereins die Gelegenheit, sich selbst und sein Anliegen dem Publikum vorzustellen. "Acht Gleichgesinnte haben sich vor gut einem Jahr zusammen getan und diesen Verein gegründet", erklärte Henrik Stein. "Wir wollen zwischen den Generationen und den Kulturen Brücken bauen. Wir wollen Menschen begeistern, die noch nicht so viel mit Musik und Kunst zu tun haben."

Unterstützt wird der Vorsitzende von Claudia Hafenecker, Zweite Vorsitzende, Michaela Weingartner, Schatzmeisterin, und Ralf Weingartner, Schriftführer. "Die Gründung dieses Vereins ist ein klares Bekenntnis zu dem Ort Hafenpreppach", ist Ralf Weingartner überzeugt. Er und seine Frau Michaela leben in Nürnberg und kennen Henrik Stein seit vielen Jahren. Für beide ist es eine Selbstverständlichkeit den Verein in der Umsetzung der Ziele zu unterstützen.

Im November geht es nach Berlin

Im Mittelpunkt der Vereinsarbeit stehen die Förderung, Organisation und Durchführung von Konzerten und kulturellen Veranstaltungen, die Aus- und Weiterbildung von Musikinteressierten, die Durchführung von Vortragsveranstaltungen, Diskussionsforen und "Arts-in-Residence"-Programmen zur Vermittlung von Wissen aus den genannten Bereichen. Das nächste Projekt ist eine Busreise nach Berlin und Potsdam mit einer Führung durch die Staatsoper "Unter den Linden" sowie der Besuch der Oper "Orfeo ed Euridice" von Christoph Willibald Gluck im November.

Wie geht es mit Schloss Hafenpreppach weiter?

Auftakt Es hatte alles so schön begonnen. Die Reihe "Classic Makes Happy" mit vier Ensembles der Staatskapelle Berlin im Schloss Hafenpreppach hatte bereits ihre ersten Liebhaber gewonnen und sollte mit einem Konzert am 10. Mai dieses Jahres ihren Abschluss mit Werken von Mozart, Schubert und Janacek finden. "Daraus wurde wegen Corona leider nichts", sagt Henrik Stein.

Gemeinsam mit Ismail Mukadam hat er vor wenigen Jahren Schloss Hafenpreppach gekauft, die HIMS-Academy gegründet und eine Konzertreihe mit verschiedenen Ensembles der Staatskapelle Berlin ins Leben gerufen. "Das letzte Konzert im Mai sollte den Durchbruch für diese Reihe darstellen", führt er aus.

Stillstand Seitdem stand vieles still, so die Planungen für den Umbau der Orangerie. Das Gebäude steht nahezu unberührt an seinem Platz und weder Baugerüst oder Baulärm deuten auf die geplanten Veränderungen hin. "Die Bauaktivitäten sind ins Hintertreffen geraten", erzählt Henrik Stein. Wenngleich die Baugenehmigung vorliegt. Doch weder er noch sein Partner wollen unüberlegt loslegen. "Man weiß nie, was noch kommt oder was uns noch erwartet", dämpft er die Erwartungen.

Dennoch sind weder Henrik Stein noch Ismail Mukadam in der Zeit der Ausgehbeschränkungen untätig gewesen. "Wir haben fast 1000 Masken in der alten Schule in Hafenpreppach genäht", erzählt Ismail Mukadam. Mit Frauen aus dem Ort hat er die Produktion der Masken organisiert, die an die Feuerwehr oder an Krankenhäuser gingen. Die Gespräche mit den Musikern in Berlin wurden zudem fortgeführt. "Wir haben schon Pläne, aber die wollen wir noch nicht bekannt geben", äußert sich Henrik Stein zurückhaltend.

Zukunft Wie es nach Corona weitergeht, beschäftigt Henrik Stein und Ismail Mukadam. An Plänen mangelt es nicht, wie der geplante Umbau der Orangerie oder die Neugestaltung des Schlossparks belegen. Auch musikalisch soll es weitergehen. Die Frage stellt sich nur, wann und in welcher Form.