Bei Christiane Rüttinger rattert es gewaltig. Naht für Naht kaut sich ihre Nähmaschine durch weiße Tüllberge. Abgenutzte Gummibänder austauschen oder neue Stoffstreifen einsetzen - bisher hat sie immer eine Lösung gefunden, damit keines der Mädchen ohne Kleid auf die Bühne musste.

Die Hobbyschneiderin kümmert sich in jeder Faschingssaison um alle Änderungsarbeiten, die an den Kleidern der Gardetänzerinnen anfallen. Pünktlich zu den Büttensitzungen der "Stabacher Pölsterer" müssen sie perfekt sitzen. Arme fliegen hoch und runter, dazu ein beherztes Zupfen am Rockbündchen: Christiane Rüttinger kontrolliert, ob die Mädchen noch genügend Bewegungsfreiheit haben. Ein lautes "Ratsch" vor Publikum wäre schließlich fatal.

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Im Dezember fand die erste Anprobe statt. "Als ich das Kleid angezogen habe, war ich sofort in Faschingslaune", schwärmt Ana Tevzadze den anderen Tänzerinnen vor, während ihr Christiane Rüttinger mit geübtem Blick den Rock abmisst. Gemeinsam mit Trainerin Katja Hauck treffen sich die Mädchen in Christiane Rüttingers Wintergarten, den sie zu Kostümfundus und Änderungsschneiderei umfunktioniert hat. Ein gelbes Maßband schlängelt sich zwischen bauschigem Tüllstoff, Stecknadelkissen und Stoffschere hindurch. Die notwendigen Änderungen notiert die Steinbacherin auf Zetteln und heftet diese mit Nadeln jeweils an Rock oder Jacke fest.

Gardekleider: Beim Schneidern mitgedacht

Auch Dirndl oder schwingende Polkadot-Röcke haben die "Pölsterer" schon getragen. In dieser Saison passen die klassischen Gardekleider aber perfekt zur Farbe des Bühnenbildes. Und Klassiker sind es tatsächlich: Vor 15 Jahren hat Hiltrud Fuchs die Kleider den damaligen Gardemitgliedern auf den Tänzerleib geschneidert. "Sie hatte in weiser Voraussicht die Naht etwas breiter gemacht", erzählt Christiane Rüttinger. Das Ändern fällt nun leichter.

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"Mittlerweile kaufen wir alle Kostüme online und nähen sie dann um", sagt Rüttinger. Ein Gardekostüm vom Gummibund bis zur Paillettenborte selbst zu schneidern sei schlichtweg zu teuer und zu zeitaufwendig. Auf 60 bis 70 Euro schätzt Christiane Rüttinger den Wert der 15 Jahre alten Kleider. So günstig sei mittlerweile keine Sonderanfertigung mehr zu bekommen, besonders der Stoff sei in den vergangenen Jahren teurer geworden. Ab und zu ist ein extra eingenähter Streifen aber einfach notwendig - so wie bei Katja Hauck. Die tanzte sogar mit Babybauch auf der Bühne.

Die "Stabacher" Gardekleider in Aktion

Termin Die zweite Büttensitzung der "Stabacher Pölsterer" findet am 23. Februar (Samstag) um 19.20 Uhr im Ebelsbacher Bürgersaal statt.