Mit Pauken und Trompeten und viel Gesang wurde am Sonntag Peter M. Hohlweg in der Marienkirche in Königsberg als neuer Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinden Königsberg und Unfinden in sein Amt eingeführt. Denn, neben vielen Worten, gab es in diesem festlichen Gottesdienst auch viel Musik durch ein Vokalensemble, Instrumentalisten, Organisten, den vereinten Posaunenchor Königsberg und Unfinden, den ökumenischen Kirchenchor Königsberg und die Gruppe Bonifaz aus Unfinden zu hören. Wohl auch deswegen, weil Pfarrer Peter Hohlweg selbst viele Jahre Mitgliedes des Windsbacher Knabenchores war und die Musik immer noch eine seiner Leidenschaften ist. Erhalten bis heute hat er sich auch eine hervorragende Singstimme, mit der er in seinem Einführungsgottesdienst das Loblied Gottes bis in den letzten Winkel des Gotteshauses erklingen ließ.
In dieses zog der neue Geistliche in Begleitung von Dekan Blechschmidt, etlichen Amtskollegen, darunter
auch katholische Geistliche, und angeführt von den Kirchenvorständen der Kirchengemeinden aus Königsberg und Unfinden ein, um mit vielen Mitgliedern der beiden für ihn noch neuen Kirchengemeinden, Verwandten, Bekannten und Freunden seine offizielle Installation zu feiern. Die Begrüßung hatte Pfarrerin Claudia Winterstein übernommen, die in der Zeit der Vakanz beide Gemeinden mitgeführt hatte.
Die Einführungshandlung lag in den Händen von Dekan Jürgen Blechschmidt. Zusammen mit den Vertrauensfrauen des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinden Königsberg und Unfinden, Helga Berthel und Helga Koch, sowie Prädikantin Ingrid Friedrich, Kottenbrunn, und Pfarrerin Claudia Winterstein, führte er durch Handauflegen Peter Hohlweg, der die Frage nach der Bereitschaft dieses Amt auszuführen mit einem lauten "Ja, mit Gottes Hilfe" beantwortete in sein Amt ein. Auch die Kirchenvorstände drückten durch ein gemeinsames "Ja, mit Gottes Hilfe!" ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit ihrem neuen Pfarrer aus.
In seiner Predigt, die er unter den Bibeltext des 1. Briefes an die Thessalonischer im Kapitel 5 stellte, ging es zunächst auf das besondere Datum seiner Amtseinführung, den 9. November ein, der zwar für ihn ein besonderer Tag sei, der aber in der Geschichte schon oft eine große Rolle gespielt habe. So sei an diesem Tag vor 25 Jahren nicht nur die Mauer gefallen, am 9. November 1918 wurde auch hoffnungsvoll die erste Deutsche Republik ausgerufen und 20 Jahre später, am 9. November 1938 brannten in der fürchterlichen Reichsprogromnacht in Deutschland Synagogen und Bethäuser.
"Und nun, heute 25 Jahre danach, an einem solchen 9. November, dem sogenannten Schicksalstag der Deutschen stehe ich hier und soll also predigen. Dieser Tag soll nun nicht zum Schicksalstag dieser Gemeinden werden. Gott bewahre, Nein! Aber, dass der 9. November 2014 für mich persönlich ein besonderer Tag ist, das möchte ich nicht leugnen. Und wenn ich mich umschaue und sehe die vielen Gäste aus nah und fern, die Menschen aus Rugendorf, die mich seit meiner Kindheit begleiten, die guten Freunde aus Windsbacher Tagen, die Studienkollegen, mein Mentor aus Neuburg, die Schwestern und Brüder im Amt und ihr meine lieben Dörfliser und Köslauer und freilich auch die vielen noch unbekannten Unfindener und Königsberger Gesichter - Dann zeigt es mir doch, dass es auch in unserem eigenen Leben so etwas wie Schicksalstage, wie Zeiten besonderer Bewährung gibt. Zeiten in denen unser Leben eine Wendung nimmt und wir besonders gefordert sind."
Abschließend meinte er in seiner Ansprache: "Es gibt Zeiten, da klopft das Schicksal an die Tür, da nimmt unser Leben eine Wendung, da fordert der Herr der Kirche etwas von uns ein! Da überfällt er uns wie ein Dieb in der Nacht, wie die Wehen eine schwangere Frau. Da stellt er uns in die Verantwortung. Und da reicht es nicht aus, sich nur alle heilige Zeit am Feuer des Glaubens zu erwärmen. Da muss das Feuer selbst in uns brennen. Müssen wir uns selbst entzünden lassen vom Heiligen Geist. Denn eins ist sicher mein liebes Königsberg, dein Herr Jesus Christus braucht dich, braucht dein Gebet, braucht dein Zeugnis in der Welt! Dazu bist du berufen, dazu bist du da, dazu steht dieses Gotteshaus seit nunmehr 600 Jahren. Er braucht dich, nicht weil er ohne dich nicht sein könnte, sondern weil er ohne dich nicht sein will."
Schon lange nicht mehr hatten so viele Gläubige an einem Abendmahl in der Marienkirche teil genommen, dass Pfarrer Hohlweg nach seiner Predigt zusammen mit Dekan Blechschmidt ausreichte und in Form einer Wandelkommunion ausgegeben wurde. Mit dem Dankgebet, den Fürbitten, dem Segen und dem Tedeum endete der feierliche Gottesdienst, an den sich ein Empfang im Rathaus anschloss.
Das erste Grußwort sprach Landrat Wilhelm Schneider, der seine Freude zum Ausdruck brachte, dass es Pfarrer Hohlweg im Landkreis so gut gefällt, dass er sich für einen Stellenwechsel innerhalb des Dekanats Rügheim entschieden hat: "Das spricht für Sie und für unseren Landkreis - und vor allem auch für die Menschen, die hier leben!"
Für die Zeit in seinen zwei Gemeinden wünschte er ihm eine lange Wirkungszeit, wie es sein Vorgänger Pfarrer Volkmar Botsch mit 35 Jahren auch praktiziert habe und "viel Kraft und Ausdauer, sowie die große Gabe, immer die richtigen Worte zu den Herzen der Menschen zu finden".
Bürgermeister Claus Bittenbrünn hieß Pfarrer Hohlweg im Namen der Stadt des Stadtrates willkommen und versprach ihm ein herzliches Miteinander bei der Bewältigung der auf die ländlich geprägten Gemeinden wie Königsberg zukommenden Aufgaben: Es gebe immer mehr Menschen die sich, durch die steigende Anzahl älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger vereinsamt fühlten,und denen die Zuwendung fehle. "Ihnen müssen Brücken gebaut werden. Aber wir dürfen auch die jungen Familien und überhaupt die Jugend nicht vergessen. Sie sind in der Zukunft immer mehr auf die Unterstützung der Solidargemeinschaft angewiesen. Diese Berührungspunkte müssen auch weiterhin mit Leben erfüllt werden. Ein Miteinander ist hier ganz wichtig".
Dass in Königsberg die Ökumene gut funktioniert, zeigte das gemeinsame Grußwort von Pfarrer Stephan Eschenbacher und Gemeindereferent Markus Fastenmeier für die katholische Christen, die darin ausdrückten, dass die Ökumene Pflicht und nicht nur Beiwerk sein müsse. Hier gebe es viele gemeinsame Räume.
Das Besondere an seiner neuen Stelle für Pfarrer Hohlweg betonte Rektorin Gisela Schott, die als Vertreterin des Dekanats Rügheim sprach: "Ich denke, der Antritt dieser Stelle hat zwei Besonderheiten: Es ist sicher schwer, eine Stelle anzutreten, die der Vorgänger über Jahrzehnte inne hatte. Ich kenne das Totschlagargument: Das war schon immer so! Auf der anderen Seite wird es sicher viele Menschen geben, die sich auf Neuerungen, neue Schwerpunkte und Akzente freuen".
Den Abschluss der Grußworte bildeten Helga Koch und Helga Berthel, die Vertrauensfrauen des Kirchenvorstandes der Kirchengemeinden Unfinden und Königsberg, die Pfarrer Hohlweg mit wenigen Worten aber mit Geschenken, passend für Unfinden ein Korb mit Brot, Bier und Wein, für Königsberg mit verschiedenen Wurstwaren gefüllt, willkommen hießen.
Pfarrer Hohlweg bedankte sich für "den wunderbaren Empfang" mit der Aussage von Pfarrerin Melanie von Truchseß, die ihn in ihrer Predigt zur Dekanatssynode am Tag vorher "als neue Königsberger Hüfte" bezeichnet hatte. Dahingehend fügte er an: "Sie meinte das wohl in der Art wie im menschlichen Körper, wenn dort ein Gelenk in den Ruhestand geht, dann installiert man einfach ein neues und schon geht es weiter." Er gab aber zu bedenken: "Was machen wir nun, wenn unser Gott uns eins auf die neue Königsberger Hüfte gibt?" Auf diese Frage antwortete er mit einem Wort Martin Luthers: "Wir sind es doch nicht, die da die Kirche erhalten könnten, unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen, unsere Nachkommen werden's auch nicht sein, sonder der ist's gewesen, ist's noch, wird"s sein, der da spricht: "Ich bin bei euch bis an der Welt Ende." "Mit dieser Zuversicht frisch ans Werk." beendete er sein Schlusswort, an das sich viele persönliche Gratulationen und Gespräche zur Amtseinführung anschlossen.