Einen besonderen Erntedankgottesdienst leiteten am Sonntagvormittag Pfarrer Peter Hohlweg und Prädikant Alfred Austel in der Marienkirche in Königsberg. Neben dem Erntedank bildete er auch die Auftaktveranstaltung für die neue Orgel in diesem Gotteshaus. Diese soll im Herbst 2019 eingebaut werden und zum Weihnachtsfest 2019 zum ersten Mal erklingen. Und es ging um die Ehrung von Dirigent Wolfgang Fischer, der den Posaunenchor nunmehr seit 50 Jahren leitet.

Dafür dankte ihm Pfarrer Peter Hohlweg im Namen der evangelischen Kirchengemeinde und überreichte ihm den wieder ins Leben gerufenen "Orden der Agelblume", der bereits im Mittelalter vergeben wurde. Die dazu gehörende silberne Anstecknadel hat die Form einer Akelei. Bezirksposaunenchorleiter Jürgen Koch bedankte sich bei Fischer für die Leistung in diesen fünf Jahrzehnten mit der Urkunde des Bayerischen Posaunenchorverbandes, Manfred Barfuß überreichte im Auftrag der Bläser des Posaunenchores den goldenen Dirigentenstab.

Last und Frust

Seit August 1968 steht Fischer dem Königsberger Posaunenchor vor, den er von Gründungschorleiter Werner Weismann übernommen hatte. Der Anfang war damals nicht leicht. Gerade die ersten zwei Jahre gestalteten sich für ihn schwierig. Denn so jung und ohne große Erfahrung als Dirigent vor einem Chor zu stehen, dessen Hälfte der Musiker älter war, brachten für ihn eine große Belastung. In dieser Zeit war Fischer einige Male so frustriert, dass er überlegte, die Verantwortung wieder abzulegen, verriet er anlässlich seines Jubiläums in diesem Jahr.

Aber nach diesen zwei Jahren "Lehrzeit" hatte er sich ein gutes Selbstbewusstsein und auch dirigentisches Können entwickelt, so dass er für die kommenden 48 Jahre gerüstet war. Vieles hat sich, so Fischer, in diesen 50 Jahren verändert. So war in der Anfangszeit das Repertoire der Posaunenchöre sehr begrenzt. Lediglich einige Bücher und Notenblätter standen zur Verfügung und Fischer begann deshalb, dem Chor neue Notenausgaben außerhalb des Bayerischen Posaunenchorverbandes zu beschaffen. Und wenn bei einzelnen Stücken gar nichts zu finden war, startete er selbst die ersten "Kompositionsversuche.

Neue Stücke, neue Richtungen

In den 80er Jahren setzte dann in der Posaunenchorbewegung ein radikaler Wandel ein. Es erschienen die ersten Notenhefte mit Gospels und Spirituals, mit neuen freien Bläserstücken und die Posaunenchöre fingen an zu "swingen". Das war eine Entwicklung ganz in Fischers Sinn, die der Chor aufnahm und umsetzte.

In all den Jahren hat Wolfgang Fischer etwa 2500 Proben gehalten, rund 1400 Auftritte geleitet, weit über 400 Übungsprogramme und mehr als 300 Rundschreiben erstellt und verteilt - was heute per Mail was wesentlich leichter von Hand geht. Dazu kommt noch die Ausbildung neuer Bläser, seine Mitwirkung im großen Bezirkschor und so mancher Arbeitseinsatz.

Eigene Liederhefte

Außerdem brachte Fischer viele Noten für den Chor zu Papier. Dies geschah in den ersten Jahren noch handschriftlich, seit 1996 mit einem Noteneditierprogramm. Seit den 80er Jahren begann Fischer dann, die Noten in Sammlungen zusammenzustellen, vor allem Volks-, Advents- und Weihnachtslieder. Denn auch hier herrschte in den Anfangsjahren ein erheblicher Bedarf.

In dem von ihm betriebenen Eigenverlag gab er 1996 sein erstes Weihnachtsliederheft "Freuet euch, ihr Menschenkinder" heraus. Ein zweiter Band erschien 2016. Aktuell gibt es seit 2014 eine Sondermappe mit volkstümlichen Stücken und seit letztem Jahr eine "Marsch-Sondermappe". Beide werden laufend ergänzt und verbessert. Notentechnisch scheint die Zukunft des Chores also gesichert.

Der Wunsch: mehr Bläser

Trotzdem hat Wolfgang Fischer für seinen Chor und dessen Zukunft einige besondere Wünsche: "In den 54 Jahren seines Bestehens gab es immer Höhen und Tiefen. Die heutige Zeit bringt es mit sich, dass die Treue zum Chor und die Bereitschaft, stets bei Proben und Auftritten mitzuwirken, nachgelassen hat. So wünsche ich mir, dass die Einsatzfreudigkeit wieder wachsen möge. Auch wird es immer schwieriger, neue Bläserinnen und Bläser für den Chor zu gewinnen. Sicher ist es ein oft mühevoller Weg bis zu einem ausreichenden musikalischen Können, aber der Lohn wartet dann in Form eines beglückenden Musizierens."

Besonders freuen würde er sich, wenn ehemalige Bläser wieder zum Chor kommen. Auch aus der Gemeinde sollte mehr Zuspruch kommen. Sonst werde wohl auch der Königsberger Posaunenchor immer kleiner werden und am Ende sogar die Segel streichen müssen, wie bei so manchen Chören in der Gegend.

Für sich selbst wünscht sich Wolfgang Fischer, dass er noch viele Jahre bei guter Gesundheit dem Chor die Treue halten kann. Denn es mache ihm noch immer große Freude, gemeinsam mit den Bläsern und dem Schlagzeuger zu proben, neue Stücke zu erarbeiten und gelungene Auftritte zu präsentieren.

Ein kleiner Teil seiner Wünsche konnte am Sonntag erfüllt werden. Denn Wolfgang Fischer stellte mit David Eiter aus Knetzgau ein neues junges Mitglied des Posaunenchores vor, verbunden mit der Hoffnung, dass noch einige diesem Beispiel folgen.