Vor wenigen Wochen schien das Ende nahe, von Auflösung war gar die Rede. Seit Dienstagabend ist diese Gefahr gebannt, neuer Schwung zeichnet sich ab. Angeschoben von weiblicher Hand. Im zweiten Anlauf fand sich eine Vorsitzender für die Tourismus- und Werbegemeinschaft (TWG). Christina Seebach-Künzel (51), seit Jahrzehnten im Vorstand aktiv, übernahm den Posten. Ohne Gegenstimme wurde ihr das Vertrauen ausgesprochen.

Doch nicht nur die erledigte Personalie sorgte bei der Versammlung im Streitsgarten für Aufbruchstimmung. Zwei Aspekte lösten Optimismus aus: die angekündigte Behördenverlagerung von Nürnberg und Ebern sowie der Kassensturz nach dem verkaufsoffenen Lätaremarkt am Sonntag.

"Der ist bombig gelaufen. Bei uns waren viele Leute im Laden und haben gut gekauft", zeigte sich der bisherige Vorsitzende Günter Dietz, der auch künftig die Buchhaltung der TWG erledigen wird, ungewohnt überschwänglich übers Markttreiben.

"Da zeigte sich wieder einmal der Erfolg unserer Gemeinschaftswerbung", beschwor Christina Seebach-Künzel den Korpsgeist innerhalb der Interessengemeinschaft, den einige der über 60 Mitgliedsbetriebe leider nicht mittragen würden. Auch Jürgen Stahl bilanzierte für die Gastronomie einen "bemerkenswert guten Marktsonntag".

Zwischen "positivem Signal" "toller Geschichte" und "genialer Entscheidung" lagen die Einschätzungen über die Ansiedelung der Landesbaudirektion. "Diese Leute brauchen Wohnungen, Geschäftsleute und Handwerker", frohlockte Günter Dietz. "So eine Behörde zieht Infrastruktur nach sich. Das sorgt für Impulse auf dem Wohnungsmarkt und zusätzliche Kaufkraft", hegt Dietz "keine Zweifel". Ausschlaggebend sei dabei sicher die gute Zuganbindung gewesen. "So viele pendeln damit aus dem Raum Ebern in Richtung Nürnberg, jetzt geht es halt mal andersrum."

Positive Ansätze machte auch die neue Vorsitzende, Geschäftsführerin bei Künzel - sehen und hören, aus. Sie begrüßte die Vitalisierungs-Kampagne von Stadtverwaltung und Bürgerverein, um leer stehende Schaufenster mit Leben zu erfüllen. "Dabei geht es mir nicht nur um die Schaufenster, sondern um die gesamten Geschäfte."

Als Vorzeigebeispiel für eine positive Weiterentwicklung bezeichnete sie die Übernahme von Raumausstattung Müller durch Heiko Lechner, der nicht nur das gesamte Personal übernommen, sondern sogar noch aufgestockt habe. "Über dieses Vorbild habe ich schon mit anderen Betriebsinhabern gesprochen, wo eine ähnliche Entscheidung ansteht." Zur eigenen Zielsetzung sagte die 51-Jährige: "Ich habe viele Ideen, dazu braucht es aber Personal. Wenn bei über 60 Mitgliedern nur drei die Arbeit machen sollen, wird das nicht funktionieren."