Der 78-jährige Bernhard Hering hat seine Tuba aus der Hand gelegt. Damit endet beim Blasorchester eine Musikerkarriere, die immerhin 75 Jahre währte. Beim Konzertereignis "Absolut Musik" hatte er seinen letzten Auftritt.

Mit der Musik aufgewachsen

Bernhard Hering war von klein auf von Musik umgeben. Aufgewachsen ist er in einer Kaserne in Ostpreußen, sein Vater war Militärmusiker. Und der Junge lauschte täglich dem Musikkorps. Mit drei Jahren erbhielt er ersten Unterricht auf der Querflöte, mit vier Jahren stieg er um auf Tenorhorn.

Aber nichts hat den Jungen so beeindruckt wie die Tuba.
"Die schönen runden und satten Töne", liebt er, wie er sagt, "und das große, glänzende Instrument". Die Begeisterung hielt an - bis heute.
Dann machte Bernhard Hering seine Passion zum Beruf: "Mit 15 Jahren", so berichtet er, "habe ich die Schule abgebrochen und ein Jahr lang von morgens bis abends geübt."

Im Südwestfunk-Symphonieorchester

Er spielte so gut, dass er 1952 als Tubist im Südwestfunk-Symphonieorchester in Baden-Baden aufgenommen wurde. Ein großer Erfolg. Am Konservatorium in Mannheim hat er sein Tuba-Studium absolviert. Hering lebte als Berufsmusiker und reiste durch die ganze Welt. Er war dabei, als Ernst Mosch mit seinen Original Egerländer Musikanten als erstes deutsches Orchester am 21. Mai 1966 in der Carnegie Hall in New York auftrat. Sein schönstes Erlebnis in all den Jahren war ein Konzert auf einem französischen Flugzeugträger im Hafen von Toulon.

Als Dozent lehrte er in Mannheim und brachte zig Schülern die Kunst des Tubaspielens bei, bevor er mit 58 Jahren beschlossen hat, seinen Dienst als Berufsmusiker aufzugeben.

Seitdem war er "Hobbymusiker". Er siedelte sich in Franken an und suchte für sich einen Musikverein mit Niveau und guter Kameradschaft. In Ebern fand er das. "Hier fühle ich mich sauwohl", sagt Bernhard Hering.

Die Kraft lässt einfach nach

Gut zehn Jahre hat er die Eberner Tracht bei Konzerten des Musikvereins getragen. Jetzt ist es kein freiwilliger Entschluss gewesen, mit 78 Jahren aufzuhören. "Mein ganzer musikalischer Werdegang bestand nur aus Höchstleistungen, die leider im Alter etwas nachlassen. Und bevor ich total am Boden liege, höre ich lieber jetzt auf", sagt Hering. "Comeback" ausgeschlossen: Das Instrument hat er verkauft, die Noten verschenkt, alles in beste Hände. Dem Ruhestand will er sich ganz widmen.

"Ein Buch könnte ich schreiben, das wäre gar nicht mal dünn", lacht der Musiker aus Ebern, wenn man ihn fragt, wie es weiter geht. Jetzt soll erst einmal Ruhe einkehren. Mit etwas Abstand wird er weitersehen. Und es gibt noch sein Hobby, den Modellbau, und seine Familie, um die er sich nun ausgiebig kümmern wird. Dem Blasorchester will er verbunden bleiben. Seine Disziplin und Erfolge waren Vorbild. "Sein dynamisches und frisches Auftreten im hohen Alter," sagen Jüngere über ihn, "beweisen die zauberhafte und geheimnisvolle Kraft der Musik: Sie verleiht Lebensenergie und hält jung."