Bürgermeister Thomas Stadelmann hat es in einem Brief an den Landtagsabgeordneten Steffen Vogel ausführlich dargestellt: Der Stadtrat Zeil hat für das Zeiler Hallenbad einen Investitionsstopp beschlossen. Die Schließung bis Mitte 2019 ist so gut wie sicher. Jetzt kann die Stadt nur noch auf ein Förderprogramm des Freistaates hoffen. Und auch auf Unterstützung beim laufenden Betrieb. Denn heute steht die Stadt anders da als vor über 40 Jahren, als ein Möbelwerk und die Zuckerfabrik sowie weitere Firmen der Kommune volle Kassen bescherten.

Generalsanierung oder Neubau wären millionenschwer. Die Stadt rechnet mit einem Eigenanteil von fast vier Millionen Euro und hat derzeit jährliche Unterhaltskosten von 250 000 Euro - nach aktuellem Stand der Dinge nicht zu machen.


Hallenbadbesucher sind die Leidtragenden

Eine Umfragevon infranken.de im Hallenbad zeichnete ein deutliches Bild: Viele Besucher kommen nicht nur aus Zeil, sondern aus der weiteren Umgebung genau hierher, weil dieses Schwimmbad ihnen Ruhe und Raum gibt, sich zu rekonvaleszieren. Das Zeiler Hallenbad ist ein "Gesundheitsbrunnen", in dem sich besonders Menschen mit Gelenk- oder Hüftproblemen bei Wassergymnastik sehr wohl fühlen.


Kinderschwimmen

Auch das Kinder- und Schülerschwimmen ist ein wichtiger Faktor. Bademeister Alfred Junker schaut auf 28 erfolgreiche Jahre, in denen die Zeiler und Sander Schüler-Wettkampfjugend sich bis in die bayernweite Spitze emporgearbeitet hat.

44 Jahre Betrieb, seit 2010 jährlich immer zwischen 40 000 und 45 000 Besucher. Das sind stolze Zahlen, die durchaus für den Erhalt der städtischen Einrichtung sprechen. Die sich auch in das kollektive Gedächtnis gegraben haben.

Julian Müller, Sander Schwimmer und Vorsitzender des Schwimmclubs Haßberge, hat in diesem Bad das Schwimmen gelernt, wie er erzählt, so wie die meisten Zeiler Kinder und viele Kinder aus der Umgebung. Als er Mitte April von dem Beschluss des Zeiler Stadtrates erfuhr, war für ihn klar, dass er sich für den Erhalt der Einrichtung einsetzt. "Das ist ein persönliches Anliegen für mich". In der Zwischenzeit hat der 23-Jährige, der sich auch bei der Jungen Union im Landkreis engagiert, einiges an Freizeit in sein Anliegen gesteckt, wie er erzählt. Er kontaktierte CSU-Landtagsabgeordneten Steffen Vogel, telefonierte mit einigen Bürgermeistern und erhielt beispielsweise auch vom Zeiler Bürgermeister Thomas Stadelmann Zuspruch.

Seit Donnerstag läuft eine Unterschriftensammlung über Openpetition, die Julian Müller in die Wege geleitet hat. Kernaussage: "Das Zeiler Schwimmbad soll in seinem aktuellen Umfang erhalten bleiben. Entweder durch eine umfassende Generalsanierung oder einen kompletten Neubau. Diese Petition soll den Verantwortlichen in der Politik zeigen, wie groß das öffentliche Interesse an dem Bad ist."

Auf der Petitionsplattform ist Raum für Diskussionen, der rege genutzt wird. Neben Pro-Argumenten (auch die drei Kinder von Dorothee Bär haben hier das Schwimmen gelernt), gibt es Contra: "Es besteht schon eine Überversorgung mit Hallenbädern im Landkreis Haßberge. Derzeit gibt es sechs Hallenbäder für 84 000 Einwohner! Die Hälfte davon würde ausreichen. Wenn man noch die Freibäder dazurechnet, kann sich keiner beklagen. Auch im Haßfurter Freizeitbad kann man dank geheizter Becken noch bis zum Winteranfang schwimmen. Wenn Zeil das Geld hat, ist es in Ordnung. Ich sehe aber nicht ein, dass diesen Luxus der Landkreis bezahlen soll."

Julian Müller ist trotzdem zufrieden: "Wir hatten in den ersten Stunden stündlich mindestens 100 neue Unterschriften, am Abend waren wir dann schon bei 1000 Unterschriften." Am Freitagmittag stand der Zähler bei 1384 Unterstützerunterschriften. Julian Müller kündigte an, dass in der nächsten Woche schriftliche Listenaktionen in Städten und Gemeinden starten für Unterstützer, die keinen Internetzugang haben.

Für die Hallenbad-Vereinsvorsitzende Petra Hohenberger war es Ehrensache, gleich zu unterschreiben. Sie würde sofort alle weiteren Ideen und Vorschläge unterstützen, die dem Erhalt des Bades dienen. Denn das Hallenbad bedeutet für Zeil nicht nur eine hohe Wohnqualität, es ist ein Plus für den ländlichen Raum. Der Hallenbadverein war einst als Förderverein für das Hallenbad auf Initiative des früheren Landtagsabgeordneten Heiner Schneier gegründet worden.

Als Leiterin der Zeiler Volkshochschulstelle ist ihr bewusst, wie wichtig das Bad für die Kurse unter der Woche im Semester der Erwachsenenbildungseinrichtung ist. "Unsere Kurse sind nonstop ausgebucht. Ich bin bestürzt darüber, wie man so ein Bad schließen kann, das von so vielen Gruppen und Vereinen genutzt wird." Sieben Gesundheitskurse laufen im VHS-Semester wöchentlich im Zeiler Hallenbad, nicht dazugerechnet die vielen anderen Gruppierungen wie Rheumaliga, VdK oder Wasserwacht. Und: "Wir haben es all die Jahre geschafft, dass alle Kinder, die in Zeil und Sand eingeschult wurden, schwimmen können. Das ist wichtig für die Motorik, das ist lebensnotwendig."

Petra Hohenberger wünscht sich sehr, dass die Bemühungen um das Bad von Erfolg gekrönt werden, "dass es hoffentlich keine heiße Luft von Landtagsabgeordnetem Steffen Vogel ist, sondern die Bemühungen auch nach der Landtagswahl weiter verfolgt werden."


Junger Politiker wird aktiv

Zur Finanzierung hat zumindest Julian Müller schon einige Ideen zusammengetragen. "Ich denke wenn man mehrere Möglichkeiten kombiniert, gibt es die Chance, das Bad zu retten."

Müller zählt auf eine Förderung durch die Staatsregierung. Er kann sich eine Förderung durch den Bayerischen Landessportverband (BLSV) vorstellen. Dazu müsste allerdings der Schwimmclub Haßberge (wie bei der Haßfurter "Welle") und die Wasserwacht Miteigentümer am Bad werden. Denkbar schließlich auch: Finanzierungshilfen durch umliegende Gemeinden wie Eltmann, Ebelsbach, Sand.

Und warum sollte man im Falle Zeils nicht auch einmal etwas komplett Neues ausprobieren? Crowdfounding war schon bei anderen Projekten eine erfolgreiche Basis. Müller: "Sowohl Privatleute als auch Firmen könnten spenden und einen Beitrag zum Bad leisten."

Müller ist ferner dabei, einen Runden Tisch einzuberufen. Als Vorsitzender des Schwimmclubs Haßberge, Mitglied in der Wasserwacht und Vorstandsmitglied in der Jungen Union und der CSU, hat er inzwischen einige Kontakte geknüpft. "Die Zusage der örtlichen Politik und Vereine habe ich bereits."