Zum Naturparkzentrum hat's nicht gereicht - hier kamen die Nachbarn aus Königsberg zum Zug. Aber auf anderem Terrain findet Ebern mit seinem Engagement für die biologische Vielfalt reichlich Anerkennung. Zum fünften Mal ist es der Stadt gelungen, eine Fachjury der Vereinten Nationen (UN) für eines ihrer Projekte zu begeistern. Der "Marktplatz biologischer Vielfalt", in dem die Stadt in den Haßbergen seit zwei Jahren gemeinsam mit neun weiteren Kommunen aus allen Teilen Bayerns zusammenarbeitet, um gemeindespezifische Biodiversitätsstrategien zu entwickeln, darf sich seit einigen Tagen mit dem Titel "Ausgezeichnetes UN-Dekade-Projekt" schmücken.

Lehrreiche UN-Dekade endet

Die Nachricht von der Auszeichnung kam laut Mitteilung von Bürgermeister Jürgen Hennemann als "Highlight zum Schluss", denn zum Jahresende lief die Kampagne "UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011-2020" aus, mit der die Vereinten Nationen möglichst viele Menschen für den Schutz und den Erhalt der Biodiversität begeistern wollen. "Am Ende des Jahrzehnts sollen mehr Menschen wissen, was biologische Vielfalt ist, warum wir sie brauchen und wie jeder etwas dazu beitragen kann, sie zu erhalten", heißt es auf der Dekade-Homepage.

Initiativen, die in herausragender Weise zum Schutz der Lebensraum- und Artenvielfalt beitragen, wurden als vorbildlich in den Blickpunkt gestellt. Vom Erfolg in diesem Wettbewerb kann man sich zwar nichts kaufen, doch werbeträchtig ist die UN-Auszeichnung, mit der sich die Kommune zwei Jahre lang schmücken darf, allemal.

Ebern zum fünften Mal

Zuvor war bereits das Projekt "Rosi" ausgezeichnet worden, das auf Wanderwegen durch den ehemaligen Standortübungsplatz auf die Spur der Natur führt. "Rosi" ist sozusagen die Wander-Führerin, eine Essigrosen-Dickfühlerweichwanze, wie man sie fast nur in Ebern findet.

Zur zweiten Auszeichnung verhalf der Stadt das Friedrich-Rückert-Gymnasium mit seinem aufwendig gestalteten Schulgarten samt großem Teich. "Grüne Praxis, statt grauer Theorie" heißt es dort, wo Biolehrer Martin Wolf aktiv ist.

Dessen früherer Kollege Klaus Mandery stand mit seinem Institut für Biodiversitätsinformation (IfBI) Pate für die dritte Auszeichnung, die dem FFH-Schutzgebiet in Ebern galt. Der Schauplatz der Biodiversität und Forschungs- und Lernort wurde als Vorbild-Projekt anerkannt.

Schließlich überzeugte die Stadt, gemeinsam mit den anderen 20 Kommunen des Landkreises, mit ihrer bunten Vielfalt auf öffentlichen Grünflächen.

Das "Marktplatz"-Projekt

Zwei Jahre lang haben zehn von einer Jury ausgewählte Kommunen, darunter aus Franken die Stadt Lohr, die Gemeinde Rohr und der Markt Nordhalben, in Workshops und Expertengesprächen sowie mit naturschutzfachlichen Analysen an ihren Biodiversitäts-Strategien gearbeitet. Sie wurden bei diesem interkommunalen Modellprojekt gefördert über den Bayerischen Naturschutzfonds aus Zweckerträgen der Glücksspirale und unterstützt von Bayerns Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz sowie vom Bayerischen Gemeindetag.

Für Ebern wurden 37 Ansatzpunkte für mehr "Bio"-Engagement in den Bereichen Wald, Gewässer, Agrarlandschaft, Siedlung, Naturerleben, Bewusstseinsbildung und Wertschöpfung erarbeitet. "Wir sind auf einem guten Weg und haben in Ebern schon einiges geschafft", sagt Jürgen Hennemann. Jetzt geht es an die Praxis.

Wie seine neun Bürgermeisterkollegen will er die Ergebnisse 2021, dem letzten Jahr des Marktplatz-Projekts , in die Tat umsetzen. Fünf Vorhaben sollen Priorität haben: ein Grünflächenplan für das Stadtgebiet, eine Kartierung der Strukturen im Umfeld des FFH-Gebiets "Ehemaliger Standortübungsplatz" als Lieferbiotop, die Ausweitung des Wiesenbrüter-Projekts an der Baunach, der Aufbau eines Biodiversitätszentrums sowie Maßnahmen zum Erhalt und zur Vermarktung von Streuobst.

Für sicherere Lebensgrundlagen

"Die Auszeichnung motiviert uns, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen, denn Kommunen stehen beim Schutz der Biodiversität in besonderer Verantwortung", erklärt Jürgen Hennemann. Der Stadtrat hat das Strategiepapier bereits im Herbst verabschiedet.

Peter Boye, Referent für Biodiversität und Artenschutz im Bayerischen Umweltministerium, sagte bei der Verleihung der Urkunde in München: "Mit ihrem Einsatz tragen Sie maßgeblich zur Sicherung der menschlichen Lebensgrundlagen und zum Erhalt von Bayerns Naturvielfalt bei."

Bereits im Sommer hatte "Marktplatz"-Projektmanager Florian Lang bei einem Besuch in Ebern den Grünordnungsplan der Stadt in hohen Tönen gelobt. "Dass eine Kommune so was macht, ist nicht selbstverständlich. Ebern macht das in einer Detailschärfe, die ich von keiner anderen Kommune kenne", sagte der Oberpfälzer damals. Auch die Mitgliedergemeinden der Baunach-Allianz sollen von den Erkenntnissen der Eberner profitieren. Projektmanager Lang hofft, dass andere Kommunen auf den Zug aufspringen und aus dem ausgezeichneten Modellprojekt eine flächendeckende Erfolgsgeschichte für die Biodiversität wird.