Ein Unfall mit schrecklichen Folgen für einen im Jahr 1965 geborenen Motorradfahrer aus dem Maintal hatte sich im August 2016 auf der Staatsstraße Haßfurt-Ebern an der Einmündung Weißenbrunn ereignet. Ein 20-jähriger Autofahrer aus dem östlichen Landkreis, der aus Richtung Ebern kam und an der Einmündung nach links abbiegen wollte, übersah wegen der tief stehenden Sonne den entgegenkommenden Motorradfahrer, der gegen den rechten vorderen Kotflügel des Autos prallte. Der 51-jährige Motorradfahrer erlitt so schwere Verletzungen, dass er eine Querschnittlähmung davontrug, wie beim Strafprozess wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den 20-Jährigen vor dem Jugendgericht des Amtsgerichts in Haßfurt zur Sprache kam. Zwei weitere Personen, die im Auto des Angeklagten mitfuhren, wurden ferner leicht verletzt.


Kein Kontakt

Der Angeklagte, der ohne Verteidiger erschienen war, erklärte, dass er zum Weißfichtensee fahren wollte. Als er an der Einmündung in Richtung Weißenbrunn ankam, habe die Sonne sehr tief gestanden, so dass er geblendet war und er deshalb nicht sehen konnte, ob etwas entgegenkam. "Ich habe vor dem Abbiegen noch das Fenster runtergelassen, um eventuell Fahrzeuggeräusche wahrnehmen zu können, habe nichts gehört und bin dann abgebogen", sagte der junge Mann, der bedauerte, dass es zu diesem schlimmen Unfall gekommen ist. Mit dem Opfer habe er bisher noch keinen Kontakt gehabt, erklärte er auf Frage von Richter Martin Kober.
Wie das Gericht feststellte, ist der Angeklagte im Bundeszentralregister einmal wegen Diebstahls eingetragen. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe erläuterte ausführlich den bisherigen Werdegang des Angeklagten und dessen familiäre Verhältnisse. So habe er drei Mal eine Lehre abgebrochen und sei derzeit als Leiharbeiter in einem Unternehmen beschäftigt. "Ich meine, er hat die Dimension mit den schweren Folgen für den Motorradfahrer noch gar nicht richtig begriffen, empfindet aber eine tiefe Traurigkeit für das, was geschehen ist", sagte die Jugendgerichtshelferin. Auch Reifedefizite nahm sie für den Angeklagten an, der insgesamt mit der Bewältigung des Geschehens überfordert sei.


Leichtfertigkeit vorgeworfen

Die Staatsanwältin sagte in ihrem Plädoyer, dass der Angeklagte leichtfertig abgebogen sei in der für ihn schwierigen Verkehrssituation. Sie beantragte, ihn nach Jugendstrafrecht zu einer Geldauflage von 2200 Euro zu verurteilen und zu einem Fahrverbot von drei Monaten.
Das Gericht urteilte nach Erwachsenenstrafrecht und verurteilte den 20-Jährigen zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 45 Euro (1350 Euro) sowie einem Fahrverbot von drei Monaten. "Ich meine, Sie haben sich mit den Folgen noch nicht so richtig auseinandergesetzt, auch wenn ich hier Reue erkannt habe", sagte der Richter. Martin Kober machte klar, dass man nicht auf gut Glück abbiegen dürfe, wenn man nicht sehen könne, ob etwas entgegenkomme. "Die schlimmen Folgen des Unfalls wiegen schwer; der 51-jährige Motorradfahrer wird sein Leben im Rollstuhl verbringen", so der Vorsitzende.
Seinen Führerschein gab der Verurteilte sogleich im Gericht ab. Der Richter meinte, dass es der Anstand gebiete, mit dem Verletzten Kontakt zu suchen und sich zu entschuldigen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.