Eines der großen Themen bei der unterfränkischen Polizei ist die Personalausstattung. Auch die Frage, wie auf Pensionierungen personell reagiert wird, beschäftigte die Delegierten beim Bezirkskongress der Deutschen Polizeigewerkschaft am Donnerstag im Schüttbau. Gerhard Eck (CSU), Staatssekretär im Staatsministerium des Inneren für Bau und Verkehr, stand als Diskussionspartner zur Verfügung, nachdem die Versammlung vormittags den neuen Bezirksvorstand gewählt hatte. Thomas Lintl vom Bezirksvorstand der Gewerkschaft, sprach die Hoffnung aus, dass Politik und Polizeiführung zusammen mit der Polizeigewerkschaft "zum Wohl aller Polizeibediensteten zusammenarbeiten".

Gespannt waren die Kongressteilnehmer, was ihr Dienstherr, Staatsekretär Gerhard Eck, zu berichten hatte. "Unser Miteinander soll vom gegenseitigen Vertrauen getragen werden", so Eck. Hierzu seien auch Diskussionen mit Polizeigewerkschaften nötig.
Der Innenstaatssekretär machte einen Streifzug durch verschiedene Kriminalitätsdelikte. Bayern weise immer noch eine niedrige Kriminalitätsrate auf und liege bei der Aufklärung ganz vorn.
Eck sprach aber auch unter anderem die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte an. "Fast 2000 unserer Beamtinnen und Beamten wurden im letzten Jahr in Ausübung ihres Dienstes angegriffen und verletzt, das regt zum Nachdenken an."
Deshalb müsse die Polizei und besonders die Kräfte, die in geschlossenen Einsätzen ganz vorn stehen, bestmöglich ausgebildet und ausgerüstet werden. Gegenwärtig werde die Ausrüstung optimiert.

Nur 39 von 174 Fußballspielen in den oberen Ligen seien störungsfrei verlaufen. Auch die grenzüberschreitende- und die Internetkriminalität bereite Probleme.

Die Trenddroge Crystal Meth sei ein Phänomen, das es zu bekämpfen gelte. 35,8 Kilogramm seien 2013 sichergestellt worden, was eine Steigerung um 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeute. "Stellen sie sich vor, das sind 360 000 Konsumeinheiten."

Schließlich ging Eck auf den Polizeinachwuchs ein. Mit 1200 neuen Beamtinnen und Beamten habe man mehr eingestellt als es Abgänge gegeben habe: "Wir wollen ausscheidende Mitarbeiter lückenlos ersetzen."

Die Polizeipräsidentin von Unterfranken, Liliane Matthes (sie wurde von Eck auf der Veranstaltung für 40-jährige Dienstzeit geehrt), führte aus, dass die Polizei durch Flüchtlinge und Asylsuchende sehr stark gefordert sei. Mit Blick auf den Staatssekretär merkte sie an, dass deshalb eine Aufstockung des Personals nötig sei.

Zwischen Gewerkschaften und Polizeiführung solle "immer ein gutes Resultat herauskommen". Von überholten Strukturen müsse Abstand genommen werden. "Die Polizei braucht das nötige Rüstzeug, um ihre Arbeit zum Wohl der Bürger erledigen zu können."


Langfristig denken

Hubert Froesch, Bezirksvorsitzender der Polizeigewerkschaft, erkannte die Bemühungen und Leistungen der Bayer ischen Staatsregierung und des Landtages für Verbesserungen im Polizeibereich an. Nur nachhaltige Personalplanung könne den Personalabbau bei der Bayerischen und Unterfränkischen Polizei stoppen, sagte Froesch.

Es sei eine "Uralt-Forderung unserer Gewerkschaft" gewesden, einen demografischen Faktor bei der Einstellung mit einzuplanen. Berücksichtigt werde dabei, dass die Ausbildung bei der Polizei etwa drei Jahre dauere und der frisch ausgebildete Nachwuchs erst dann für den Einzeldienst zur Verfügung stehe.

"Allerdings ist die Personalausstattung unterfränkischer Dienststellen weiterhin geprägt von einer zu geringen Verwendungsstärke", bemängelte der Vorsitzende.

Er führte gestiegene Anforderungen durch personalintensive Einsätze und ausufernden Verwaltungsaufwand als Ursachen an. "Die härtesten Jahre stehen uns in Unterfranken hier noch bevor, wenn von 2018 bis 2022 jährlich bis zu 150 Bedienstete in den Ruhestand gehen."


Verunsicherung bei den Beamten

In den zurückliegenden zwölf Monaten sei die Beförderungspraxis der Bayerischen Polizei grundlegend verändert worden, kritisierte Froesch: "Zerstört wurde der Glaube bei vielen Kolleginnen und Kollegen an ein bewährtes und als gerecht empfundenes System."

Die Ausführungen des Bezirksvorsitzenden ergänzte Rainer Nachtigall, Stellvertretender Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft in Bayern. Er fordert Verbesserungen, wenn die "bayerische Polizei modern sein will."
18 000 Mitglieder habe die Polizeigewerkschaft in Bayern, und deshalb könne man ein gewichtiges Wort mitsprechen. "Wir loben, aber kritisieren auch", so Nachtigall.

Die Arbeit der Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft rückte deren Vorsitzender Berend Jochem mit einer leidenschaftlichen Rede in den Fokus. Die Stiftung kümmert sich um in Not geratene oder im Dienst verletzte Polizeibeschäftigte. "Wir helfen allen - egal, ob sie bei uns organisiert sind oder nicht. Dafür gehe ich auch gern bettelnd durchs Land", so Jochem.