Unerwartete Aktualität erfuhr der Bürgerstammtisch durch den von einem Investor geplanten und im Knetzgauer Bauausschuss bereits vorbehandelten Photovoltaik-Streifen entlang der A 70.

Gemeinderat Peter Werner und Kreisrat Matthias Lewin von den Grünen sowie der Hainerter Ortssprecher Florian Klug (Junge Liste) bekamen dabei trotz der grundsätzlichen Bekenntnis zu Erneuerbaren Energien auch Argumente gegen dieses Projekt zu hören.

Die geplante Photovoltaikanlage auf Hainerter Gebiet würde vor allem landwirtschaftliche Flächen verkleinern, die nur eine geringe Entfernung zu den jeweiligen Höfen der Pächter und Besitzer aufweisen, hieß es. Damit brächte dieses Projekt einen wirtschaftlichen Verlust für die Landwirte, die diese Flächen als Pächter bewirtschaften.
Und der sei durch die Abfindung für die Auflösung des Pachtvertrages nicht aufzufangen.

Für die erneuerbaren Energien

Die Grünen, wie es in ihrer Pressemitteilung zu dem Abend heißt, von Natur aus grundsätzlich für die Erzeugung Erneuerbarer Energien, erinnerten allerdings daran, dass dieses Projekt nicht von der Kommune aus gesteuert wird, sondern ein privates "Geschäft" zwischen den Grundstücksbesitzern und einem Investor darstellt. Insofern hätte die Politik, abgesehen von der Nutzungsänderung und Bebauungsplanänderung, wohl nur geringen Einfluss auf die Planungen.

Werner und Lewin, die beide davon ausgehen, dass das Projekt wohl weiter fortgeschritten ist als bekannt, empfahlen den Betroffenen daher, die Grundstücksbesitzer, Pächter sowie den Investor rasch - am besten noch vor der Bürgerversammlung zu diesem Thema - an einen Tisch zubringen, um eine Energie-Genossenschaft ins Leben zu rufen, mit der die finanziellen Verluste für die Pächter zumindest teilweise über Genossenschaftsanteile ausgeglichen werden könnten.

Mit dieser Genossenschaft könnte später auch die angedachte Wärmeversorgung des Dorfes über die bestehende Biogasanlage realisiert werden.

Wie sehr die Thematik die Gemüter in Hainert bewegt, verdeutlichte die Tatsache, dass die Diskussion bis kurz vor Mitternacht geführt wurde. In Hainert herrscht Angst, dass dieses Projekt das "Dorf spaltet", weil einige wenige finanziell davon profitieren könnten, während andere "leer ausgehen, aber mit der Anlage leben müssen", wie es hieß.

Bürgerbeteiligung wäre doch eine gute Sache?

"Umso mehr wäre die Gründung einer Genossenschaft mit Bürgerbeteiligung, aber auch die Teilnahme der Gemeinde Knetzgau als Anteilshalter wichtig. Somit bliebe wenigstens ein Teil der Wertschöpfung in unserer Kommune", regte Peter Werner an.

Einig waren sich allerdings alle Anwesenden, dass Photovoltaikanlagen am besten auf Hausdächer installiert werden sollten. "Diese Flächen sind bereits versiegelt und bieten genügend Platz, damit sich die Hausbesitzer mit ihrem erzeugten Strom zumindest selbst versorgen können", appellierte Peter Werner, kritisierte aber auch, dass die Dreiberg-Schule in Knetzgau nach ihrer Sanierung weiterhin auf Photovoltaik verzichten muss.
Dass grundsätzlich mehr in die Forschung zur Stromspeicherung investiert werden muss, auch wenn sich auf diesem Gebiet schon einiges getan hat, war für alle Anwesenden ein absolutes notwendiges Zukunftsprojekt, um die Grundversorgung mit Energie zu garantieren.

Lewin setzt dabei große Hoffnung in das "Power-to-Gas-Projekt". Hierbei wird überschüssiger Strom aus Windrädern in Methan umgewandelt, ins bereits vorhandene Gasnetz eingespeist und bei Bedarf vor Ort über Gasturbinen verstromt. Ein solches Projekt ist in Haßfurt geplant.

Abschließend ging Peter Werner noch auf die Asylproblematik ein, die mittlerweile auch die Gemeinde Knetzgau erreicht hat. Er warb um Unterstützung für die Flüchtlinge sowie für die von der CWG (Christliche Wählergemeisnchaft) Knetzgau initiierte Gründung eines "Freundeskreises Asyl" in Knetzgau. Bürger, die mithelfen wollen, den Flüchtlingen im Gemeindebereich das Leben ein wenig zu erleichtern, sind am Mittwoch, 4. März, ab 19 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Knetzgauer Rathauses willkommen. red