So schnell geht's. Plötzlich ist es dunkel, raus nur noch mit Jacke. Am liebsten möchte man nicht mehr runter vom Sofa. Der Wechsel in die Winterzeit wird selten so spürbar wie im November - dem Totenmonat, dem dunklen Monat. In Senioren-, Frauen- und Helferkreisen ist diese dunkle Zeit für die Seele jedes Jahr aufs Neue Thema.

Jutta Sender, Seniorenkreisleiterin in Eltmann, kennt ihre Pappenheimer, "ab 16 Uhr werden sie zappelig", da wird's dunkel, da will jeder heim. Jutta Sender gestaltet mit ihrem Mann Heinrich die Monatszusammenkünfte und achtet bei der Auswahl etwa von Texten darauf, dass es "nach Möglichkeit 'was Heiteres ist". Jetzt ist das Kerzenlicht am Tisch noch wichtiger, als im Sommer, "wenn's da vergessen wird, fällt's nicht auf." Nächstes Mal gibt es eine Eucharistiefeier mit Krankensalbung, erzählt Jutta Sender, da wird für jeden Verstorbenen eine Kerze angezündet.

Einen wichtigen Platz haben zudem kleine Übungseinheiten, die den ganzen Menschen in Schwung bringen: Schüttelanagramme lösen, Sprichwörter erraten, Bewegung. Die Treffen sind für die Besucher, wie Jutta Sender weiß, "überaus wichtig, sie kommen gerne! Es bringt Licht in den Alltag."

Ein Bauarbeiter und eine Gärtnerin haben sich im "Plauderstübla" des Hans-Weinberger-Hauses in Zeil eingefunden. Im Hintergrund Heimbewohner mit einer Batterie von Rollstühlen und Rollatoren. Mancher ist eingenickt.

Auf etlichen Gesichtern malt sich aber ein Lächeln. Sie erkennen, was Ilse Morsbach und Christl Pottler vorstellen. "Und wie hat man den Friseur früher genannt?" fragt Pottler weiter: "Booder!", ruft einer. Am liebsten würde der ein oder andere beim Lied über die fleißigen Handwerker mittanzen. Geht nicht mehr. Eines geht, das Lachen: "Wisst ihr," fragt Christl Pottler, "warum es keine Spitzenköchinnen gibt?" - Gespannte Mienen: "Die werden sofort geheiratet!"

Renate Berchtold, die sich im Seniorenhelferkreis engagiert, erinnert sich, wie sie früher Kaffee und Kuchen aufgetischt haben - "aber das hatten die Senioren ja schon in ihrem Heimalltag". So tüftelten die Helfer etwas Neues aus: Sie schrieben selbst ein Märchen und stellten es vor, nahmen die Senioren auf Weltreise oder zur Modenschau. Das macht nicht nur den Senioren Spaß. Auch die, die sich kümmern, finden ihren Sinn, ihr Licht in der dunklen Zeit.

Fünf Jahre ist es her, Elfriede Kraus winkt mit dem Original, als sie ein Briefchen für alle Limbacher Haushalte verfasste, die den Start einer "neuen Strickrunde" verkündete: Fast auf den Tag trafen sich tatsächlich etliche Frauen in der Dorfmitte. Ihre "Lichtstube" beim Ehepaar Salim gestalten die Limbacherinnen seither derart herzerfrischend, dass selbst im Sommer der Donnerstagabend nur ein Ziel kennt. Wenn die Frau aus dem Haus geht, will der Mann natürlich wissen, was sie treibt: So findet sich auch ein Tisch mit Kartlern im Gasthaus ein, wo fleißig geklopft wird. Keine Frage, dass zwischen den beiden Tischen (der der Frauen ist größer) die Sprüch' nur so hin und her fliegen, aus dem Lachen und Schwatzen kommen sie gar nicht heraus. "Die Stricklieseln" haben sogar ein eigenes Stammtischschild verehrt bekommen. Trotzdem, am Tisch der Frauen, "da dürfen keine Männer her", ruft eine übermütig. Die Jüngste, Gabi, ist 55, die Älteste, Ida, "die Zuverlässigste", ist mit ihren 84 Jahren jeden Donnerstag dabei und strickt Socken. Auch Charlotte lass ihr gegenüber das Nadelspiel klappern. Ein bisschen Lästern muss sein. Hebt die eine stolz ein rosa Babykäppchen in die Runde, so ruft es aus der anderen Ecke: "Na, als Badehaubn kannst sa verkaaaf!". Die Edith, die hat immer ihr Tablet dabei und liest manch Aktuelles vor. Elfriede wiederum hebt stolz ihr Werk ins Licht: "Häkeltaschen statt Plastik!" Für den Termin mit der Zeitung hat sich Agnes heute beeilt: Die Mesnerin ist bei jedem Wetter unterwegs, um die Wallfahrtskirche auf- und zuzuschließen. "Jetzt mit dem E-Bike geht's ratzfatz", lacht sie. Maria aus Eltmann sagt etwas, das sie alle unterstreichen: "Donnerstag sind wir immer jung! Ich freu' mich jede Woche drauf."

Erfahrung mit der Arbeit in Frauenkreisen hat Elfriede Nußbaum. In ihrem Leben haben sich "Mosaiksteine zusammengesetzt." In Oberaurach lebt sie, ihre Vorträge machen sie bekannt. Ihre Impulse zielen auf gegenseitige Inspiration: "Enge gibt zwar Halt," sagt sie, "doch Enge macht auch Angst. Jeder darf auch einmal andere Welten erleben." Der Blick über die Dorfgrenze hinaus, dazu will sie motivieren. Im Schönstattzentrum Marienberg richtet sich sie an junge und alte Frauen mit der Botschaft, dass es nicht schadet, manches über Bord zu werfen und sich neu auszurichten. "Es geht auch um die vertikale Ebene" unterstreicht sie, jeder sollte seine eigene Lebensaufgabe erkennen, seine Berufung. Für Elfriede Nußbaum eine Berufung "vom lieben Gott".

Ihre Berufung gefunden hat auch Ulrike Steigner in Zeil. Seit über zwei Jahrzehnten ist sie im Katholischen Frauenbund engagiert. Diesmal hat sie für den Buß- und Bettag eine "Blaue Stunde" geplant. Am Abend des 21. November, 19 Uhr, brennen auch im Zeiler Pfarrsaal Kerzen, wenn es frei nach Jean Paul darum geht: "Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten aus den Stuben über die Sterne..." Die Frauen sollen ihre Bücher mitnehmen, anderen Frauen Anregungen für das Lesen geben und ansonsten: "Einfach die Seele auftanken für die lange Winterzeit," sagt Steigner. "Wie der Frederick: Die anderen Mäuse haben Vorräte für den Winter angelegt, er hat Farben und Wörter gesammelt. Als die Vorräte weg waren, hat er seine ausgepackt und erzählt...."