Im Spannungsfeld zwischen Ästhetik, Banalität und Konvention sieht Gerhard Rießbeck sein Kunstprojekt angesiedelt, das in der Christuskirche in Ebern Platz finden soll.

Als Beitrag zum Kirchen-Projekt "12 (W)Orte" wird er unter der Kuppel des Kirchendaches der Christuskirche in einem Kunstwerk Jesu Leiden darstellen, ausgedrückt durch Dornenkrone und Luftballons. In der Kirchengemeinde ist darüber eine hitzige Debatte entstanden. Die Kontroverse beim Mitarbeiterabend der Gemeinde am Freitag, bei der Rießbeck seine Ideen vorstellte, spiegelte das wider.

"Ich finde es schön, dass überhaupt mal über Kunst diskutiert wird", sagte Rießbeck, der die Bibelstelle Lukas 23 mit seinem Kunstwerk in der Christuskirche platzieren soll.

Der Dialog über das geplante Kunstwerk ist ausdrücklich ein wichtiger Bestandteil des von Regionalbischöfin Dorothea Greiner initiierten Kunstprojekts." Denn auch um die Auseinandersetzung mit Jesu Kreuzigung und Tod nach Lukas 23, als Ursprung der Kunstdiskussion in der Kirchengemeinde, soll es gehen.

Im Spannungsfeld
Rießbecks kurzer Streifzug durch die Kunstgeschichte verdeutlichte der versammelten Gemeinde, dass sich Darstellungen von Jesu Tod immer "im Spannungsfeld zwischen Konvention und Ästhetik" befänden. Und so versteht Rießbeck auch seine Mission: Als Künstler muss er Konventionen brechen und Frageprozesse in Gang bringen. Diese Fragen zu beantworten, liege dann allein beim Betrachter.

Deshalb hat er sich für die Verbildlichung des Themas durch einen blauen Himmel, eine Dornenkrone und Luftballons entschieden, eine Darstellung also, in welcher völlig gegensätzliche - banale und konventionelle - Symbole aufeinander stoßen.

Und diese Banalität der Symbole stößt bei vielen an. "Grundsätzlich finde ich die Kirche, so wie sie ist als sehr wohltuend. Die Luftballons - jetzt sollen an der Wand auch noch welche angebracht werden - kann ich mir in dieser Kirche gar nicht vorstellen", so Gemeindemitglied Günter Camphausen.

"Mich stören die Luftballons. Ich denke da an Kindergeburtstag und Jahrmarkt und sie irritieren mich, den Raum der Stille wahrzunehmen", ergänzte Gisela Güthlein.

Willbald Laubender erntete mit seiner Meinung einige Zustimmung: "Mit ihrem Kunstwerk verdecken Sie etwas, was andere auch als Kunst verstanden haben", und bezieht sich dabei auf das strahlenförmig angeordnete Holzgebälk der Decke. "Wir sollten unsere Kirche doch so lassen wie sie ist. Wir haben ein Gebetshaus und keine Kunstausstellung."

"Keine Doppelkreuzigung"
Dem Künstler gehen die Argumente für seine Kombination aus Banalität und Konvention nicht aus: "Es ist ein Zeichen von lebendiger Gemeinde, wenn etwas entwickelt wird, so auch die Gestaltung der Kirche. Man kann nicht stehen bleiben, sonst versteift man irgendwann. Und wenn etwas mal anders gemacht wird, bekommt man die Chance, Dinge neu zu entdecken."

Warum er die Kreuzigung Jesu nicht mit einem Kreuz darstellt, liege in der Tatsache begründet, dass die Christuskirche in Ebern schon eine Kreuzigungsdarstellung aufweist. "Die Dornenkrone ist hierzu ein ergänzendes Element, denn wir brauchen keine Doppelkreuzigung in ihrer Kirche." Ein Kreuz würde nach seiner Ansicht auch nicht zu der Rundung der Kuppel passen.

Das Kunstwerk Gerhard Rießbecks wird, wie die Gemeinde erfuhr, zunächst ein Jahr in der Christuskirche hängen. Danach könne es die Gemeinde für einen Richtwert um 10.000 Euro erwerben oder einfach wieder abhängen.

"Mir gefällt das Bild, da die Ballons durch die unterschiedlichen Farben die Unterschiedlichkeit von uns als Gemeindemitglieder darstellen", meinte die 22-jährige Sabrina Baier und ermutigt damit auch jeden einzelnen, sich darüber Gedanken zu machen, was dieses Bild für das eigene Leben aussagen kann. "Kunst ist nicht wie Mathematik. Kunst regt zum Nachdenken an. Man muss sich damit einfach auseinandersetzen."

Und der Maler und Antarktisforscher Gerhard Rießbeck sei ja auch kein unbekannter, geht aus den Unterhaltungen der Gemeindemitglieder hervor. "Ich sehe das als Chance für uns. Viele Leute werden zu uns in die Kirche kommen, die sonst nicht gekommen wären. Ich denke da an Schulklassen und Jugendliche", schloss Gabi Genslein die Diskussion.

In der Gemeindeversammlung im Februar soll die Diskussion um das Kunstwerk weitergeführt werden, kündigte Pfarrer Bernd Grosser an. Mit dem 31. Oktober 2014 soll dieses fest in der Christuskirche installiert sein. Für ein Jahr stellt Rießbeck sein Werk der Gemeinde kostenlos zur Verfügung.

Erst später muss den Angaben zufolge entschieden werden, ob der blaue Himmel, die Luftballons und eine Dornenkrone für länger die schlichte Ästhetik der Holzdecke in der Christuskirche in Ebern ergänzen sollen.