"Was? Die Erna wird schon 90! So alt kann die doch noch nicht sein! Die sieht viel jünger aus!" Das konnte man in den letzten Tagen in Königsberg sehr oft hören, wenn das Gespräch auf Erna Jehnes kommt. Es ist aber wirklich so. Jehnes konnte am gestrigen Donnerstag ihren 90. Geburtstag feiern.

Dass man ihr dieses hohe Alter nicht ansieht, liegt auch daran, dass sie nicht nur in ihrer Jugend eine begeisterte und gute Sportlerin war, sondern auch jetzt noch ständig etwas für ihre Gesundheit tut. So fährt sie seit 35 Jahren einmal in der Woche nach Bad Rodach zum Schwimmen, wobei sie dies - und zwar zu jeder Jahreszeit - im Freien ihre 500 Meter absolviert.

Geboren wurde Erna Jehnes am 5. März 1925 in Neuenmarkt-Wirsberg als einziges Kind von Margarete und Wilhelm Rupprecht.
Als Erna drei Jahre alt war, mussten die Eltern nach Burghausen in Oberbayern umziehen, wo der Vater eine neue Arbeitsstelle bei den Wackerwerken antreten konnte. Dort kam sie auch mit sechs Jahren in eine Klosterschule, wo sie unter 60 katholischen Mädchen fast die einzige Protestantin war.


Ausbildung zur Schaffnerin

Nach dem Schulbesuch ging sie in der Altstadt von Burghausen als Friseurin in die Lehre. Der Zweite Weltkrieg ging auch an ihr nicht so einfach vorbei. So musste sie in Österreich bei einer allein stehenden Bäuerin Arbeitsdienst verrichten und auf dem Feld und im Stall, wie sie sagt, "schwer schuften". Nachdem das Lager kurz vor Ende des Krieges aufgelöst wurde, kam Jehnes nach Salzburg, wo sie als Schaffnerin für Omnibusse ausgebildet wurde. Untergebracht war sie dabei in einem sehr kalten Holzbarackenlager. Arbeitsbeginn war jeweils um fünf Uhr am Morgen. Noch heute sind ihr die Luftangriffe auf Salzburg in schrecklicher Erinnerung, bei denen sie jeweils Schutz in Felsenstollen suchte.

Nach dem unseligen Krieg arbeitete Erna Jehnes zunächst als Friseurin wieder in Burghausen, bis sie bei einer Friseurschau in Nürnberg ihren späteren Mann, Fritz Jehnes, kennen lernte. Eigentlich wollte sie, dass er zu ihr nach Burghausen zieht. Das ging aber nicht, da Fritz Jehnes schon ein Friseurgeschäft in Königsberg hatte. So folgte sie ihrem Fritz nach Königsberg in Bayern, wo die beiden 1954 heirateten. Erna selbst bildete sich im Friseurhandwerk weiter, ging 1958 ein Vierteljahr auf die Friseurfachschule in Forchheim und legte am 5. November 1958 in Bayreuth ihre Meisterprüfung ab.


Der Sohn führt das Friseurgeschäft weiter

1960 kamen ihre Eltern nach Königsberg nach und bauten das Friseurgeschäft in der Regiomontanusstraße in Königsberg, das heute von ihrem jüngsten Sohn Ralf, nach dem Tode ihres Mannes Fritz im Jahr 2004, geführt wird. Zwölf Lehrmädchen wurden in all den Jahren im Geschäft ausgebildet, eine von ihnen, Irene Ott, die im Alter von 14 Jahren hier ihre Lehre begann, arbeitet immer noch - nach fast 50 Jahren - im Friseursalon Jehnes.

Neben vielen Freunden, Bekannten und Verwandten können vier Söhne, alles gute Fußballer genau wie Vater Fritz, der Torwart in der Fußballmannschaft des TV Königsberg und in Wonfurt war, sowie zwei Enkelkinder der Mutter und Oma zu ihrem Geburtstag gratulieren. In die Reihe der Gratulanten reihten sich auch stellvertretender Landrat Michael Ziegler und Bürgermeister Claus Bittenbrünn ein.