Die Situation kurz vor Weihnachten letzten Jahres war mehr als brenzlig: Als ein 33-jähriger Mann gegen zwei Polizisten eine Pistole zückte, wäre es um ein Haar dazu gekommen, dass diese scharf zurückgeschossen hätten. Wegen Bedrohung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und des unerlaubten Führens einer Waffe verurteilte ihn das Amtsgericht zu einer noch nicht rechtskräftigen Bewährungsstrafe von neun Monaten.

Die Tat ereignete sich am 17. Dezember 2016. Der Angeklagte aus dem nördlichen Bereich des Haßbergkreises war wieder einmal auf Sauftour unterwegs. Gegen 15 Uhr attackierte er über Whatsapp seine von ihm getrennt lebende Ehefrau unter anderem mit folgendem Text: "Ich habe eine Waffe dabei, die ist geladen und schussbereit." Wegen Streitigkeiten im Zusammenhang mit Unterhalt und Umgang mit den beiden gemeinsamen Kindern drohte er, sich selber und seine Noch-Gattin umzubringen. Um zu zeigen, dass es ihm damit ernst sei, fügte er der Handynachricht das Foto von seiner Schreckschusspistole bei.


Frau reagiert auf die Drohung

Kurz darauf ging die Frau zur Eberner Polizei, zeigte dort die erhaltene Drohung und erstattete Anzeige.
Die Beamten erstellten ein Protokoll, ein Streifenwagen machte sich auf die Suche nach dem Mann, der vor allem wegen seines exorbitanten Alkoholkonsums - nach eigener Angabe zehn bis 18 Bier täglich - polizeibekannt ist. Gegen 18.45 Uhr sahen ein Polizeibeamter und dessen Kollegin den Gesuchten, als er gerade dabei war, zu seinem Wohnanwesen zurückzukehren.

Als dieser unmittelbar vor seiner Haustür stand, sprachen sie ihn von hinten an: "Halt, Polizei". Daraufhin drehte der sich um, zog aus der hinteren Gesäßtasche oder seinem Gürtel eine Pistole und hielt sie in Richtung der drei oder vier Meter entfernt stehenden Uniformierten schräg nach unten auf den Boden. Da es für die Beamten nicht erkennbar war, dass es sich um eine Schreckschusswaffe handelte, rissen sie sofort ihre eigene Schusswaffe aus dem Halfter und schrien: "Waffe weg!"


Brisante Situation

Wie die damals eingesetzten Staatsbeamten übereinstimmend aussagten, mussten sie diese Aufforderung mehrmals wiederholen, bevor der Alkoholisierte seine Pistole fallen ließ. Die Uniformierten ließen keinen Zweifel daran, dass sie sofort geschossen hätten, falls der Angesprochene die Waffe auf sie gerichtet hätte. Insofern hat der Beschuldigte damals mit seinem Leben gespielt - möglicherweise überlegte er tatsächlich, sich in Suizidabsicht erschießen zu lassen. Ein Alkoholtest später in der Polizeiinspektion ergab 1,4 Promille.

Für die Justiz ist der momentan für eine Zeitarbeitsfirma arbeitende Mann kein Unbekannter. Seine Vorstrafen beziehen sich unter anderem auf Sachbeschädigung und Trunkenheit im Verkehr. Staatsanwältin Kerstin Harpf forderte eine zwölfmonatige Bewährungsstrafe. Der vom Gericht als Pflichtverteidiger bestellte Rechtsanwalt Horst Soutschek hielt vier Monate für ausreichend, da er keine zielgerichteten Widerstandshandlungen erkennen konnte. Der Richterspruch lag ziemlich in der Mitte zwischen den Anträgen von Anklage und Verteidigung.