Die Feuerwehr Untermerzbach hatte zu einem Vortrag über Cybermobbing eingeladen. Referent im Schulungsraum im Feuerwehrgerätehaus war Helmut Will von der Außenstelle des "Weißen Rings" im Landkreis Haßberge. Schnell wurde klar, dass ein nichtiger Anlass Auslöser für eine Attacke im Internet werden kann. Wie kann man dem entgegen wirken, wie verhält man sich, wenn man Opfer geworden ist, wo findet man Rat und Hilfe und was sollte man tun, um den Tätern das Handwerk zu legen. Darauf gab es Antworten.

Helmut Will erläuterte, dass Mobbing ein aggressives Verhaltens sei, mit dem ein Mensch absichtlich körperlich oder psychisch über einen längeren Zeitraum geschädigt wird. "Cybermobbing ist Mobbing, das mittels elektronischer Medien geschieht." Das geschehe dadurch, indem Gerüchte und Lügen über das Opfer in die Welt gesetzt werden, so mit peinlichen Fotos oder heimlich gedrehten Videos, die in Umlauf gebracht würden.


Opfer werden ausgegrenzt

Das führe meist zu einer Ausgrenzung des Opfers aus Gruppen, und schlimm sei es besonders, wenn Bilder oder Videos mit sexuellem Bezug gepostet würden. Opfer seien oft zunächst ahnungslos und könnten sich das Verhalten von ehemaligen Freunden oder Bekannten nicht erklären, die plötzlich keinen Kontakt mehr haben wollten.

Das komme vor, wenn sich der Täter in die Identität des Opfers gehackt, das Passwort geändert habe, damit das Opfer selbst auf die eigene Seite keinen Zugriff mehr hat. Deshalb empfahl Will, sichere Passwörter zu verwenden und nicht zum Beispiel den Namen eines Lieblingstieres, da diese in der Regel leicht zu knacken seien. Den Eltern empfahl der Referent auf Signale ihrer Kinder zu achten und bei Veränderungen in deren Verhalten behutsam zu reagieren.


In Windeseile verbreitet

"Wenn man weiß, dass täglich 864.000 Stunden Videomaterial bei Youtube hochgeladen werden, jeder Facebooknutzer durchschnittlich 342 FB-Freunde hat und dort jede Minute 80.000 Beiträge gepostet werden, können Sie sich vorstellen, wie schnell und wie umfangreich sich Beiträge im Internet verbreiten", sagte Will. Fies sei, dass Cybermobbing aus der Anonymität heraus erfolge und deshalb die Hemmschwelle bei Tätern niedrig ist, die Angst aber beim Opfer deshalb steigt.

Jugendliche im Alter von zwölf bis 19 Jahren seien häufiger Opfer, aber auch Täter. Die Motive der Täter, Cybermobbing zu betreiben, seien unterschiedlich. "Das kann Bedürfnis nach Macht und Kontrolle über andere sein, Langweile oder Verärgerung über andere aus vielen Gesichtspunkten." Auf den Schulbereich herunter gebrochen bedeutet das, dass Täter Schule negativ erleben, frustrationsmotiviert sind, Mitschülern hinsichtlich guter Noten neidisch oder auch Beziehungsaspekte vorhanden sind. Opfer hingegen ragen aus der Gemeinschaft heraus, sind sozial eher ängstlich und oft Außenseiter.


Hilfe holen

Bei Cybermobbing sollte man sofort regieren, um schlimmeres zu verhindern. Dazu gehöre es auch, Beweise zu sichern, in dem man so genannte Screenshots von der Seite erstellt, SMS speichert und vor allem sollte man sich Hilfe holen. Das könne bei Eltern, Bekannten oder Freunden geschehen. "Opfer von Cybermobbing können sich gerne auch an den Weißen Ring wenden und vor allem halte ich es für erforderlich, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Jemand der andere so fies behandelt, hat keine Rücksicht verdient und sollte für sein Handeln zur Rechenschaft gezogen werden."

Der Film "Escape the Fate" ("Entfliehen Sie ihrem Schicksal") verdeutlichte die Ausführungen des Referenten. Dieser Film entstand nach einer Idee von Alfons Hrubesch, dem Außenstellenleiter des Weißen Ring von Kronach/Lichtenfels und hat zum Inhalt, wie eine zunächst bei allen beliebte Schülerin Opfer von Cybermobbing wird, nur weil sie aus dem Klassenverband mit guten Noten heraus ragte. Alle zeigten sich von der Filmhandlung betroffen und es bot sich noch Stoff für eine kurze Diskussion.