Die Kirche Simon und Juda, ein repräsentativer barocker Bau mit rund 30 Meter hohem Turm samt Zwiebelhaube, ist 1745, also vor 275 Jahren eingeweiht worden. Kirchweihfeste haben in Ermershausen schon immer besonderes Flair. Vom Brauchtum im Dorf zeugt auch die Aufnahme, die Ende der 1940er Jahre, also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, entstand. Wie man sieht, trat man damals in zünftiger Gewandung zu dem "Festakt" an. Das war eine Zeit, als beim traditionellen "Gögerschlag" noch veritable Hähne Federn lassen mussten. Erst später hatte man ein Einsehen und ersetzte das Federvieh durch Blumentöpfe, die es mit verbundenen Augen mit dem Dreschflegel zu zerdeppern galt.

Beliebter Brauch

Der "Gögerschlag" war in Ermershausen so beliebt, dass er zeitweise sogar in zwei Gaststätten des Dorfes, im "Schwanen" und in der "Schipplwirtschaft" zur Kirchweihbelustigung beitrug. Während die ältere Generation beim "Schnippl" feierte, hatte die Jugend beim "Schwanen" ihren Spaß. Zuletzt hatte die Landjugend sich des Brauchs angenommen, der allerdings immer weniger Zaungäste anzog und vor rund zwölf Jahren komplett einschlief.

Eigentlich hatte man es heuer richtig krachen lassen wollen zur Kirchweih. Geplant waren Gaudispiele am Festplatz, Kirchweihrock in der Adolf-Höhn-Halle und vor allem ein Festgottesdienst mit Regionalbischöfin Dorothea Greiner. Denn eigentlich wollten die Einwohner von Ermershausen an diesem Wochenende den 275. Weihetag ihrer Kirche groß feiern. Wollten, hätte nicht Corona den Organisatoren und der evangelischen Gemeinde ins Handwerk gepfuscht. Auch wenn in diesem Jahr ein Jubiläum ansteht, ist den Ermershäusern im Corona-Jahr 2020 nicht zum Feiern zumute.

Die Vereine winken ab

"Schwierig, schwierig", sagt Bürgermeister Günter Pfeiffer, weil ausgerechnet seine Kommune in diesen Tagen zu den Corona-Hotspots im Landkreis zählt. Feuerwehr und Vereine haben ihre Kirchweihpläne gestrichen. Die Landjugend, die sonst die Kirchweih zu einem lustigen Spektakel werden lässt, verzichtet auf das Abholen des Kirchweihbaums und auf die Kirchweihpredigt. Noch im letzten Jahr hatte sie sich unter dem Stichwort "Freibier für die Zukunft" über die Fridays-for-Future-Bewegung lustig gemacht.

Wer die Kirchweih im Dorfgasthaus "Goldener Schwan" feiern will, muss sich ebenso anmelden wie die Kirchgänger (Pfarramt, Telefon 09532/236. Der Kirchweihgottesdienst wird aufgeteilt, findet laut Pfarrer Jan Lungfiel in identischer Form um 8.45 Uhr und nochmals um 10 Uhr statt. Bereits am Samstag, 24. Oktober, steht die Kirchentür von 18 bis 21 Uhr offen, um bei Chorälen und Taizé-Liedern Einkehr zu halten. Das Jubiläum soll dann in großer Form im kommenden Jahr nachgefeiert werden.