Gräser, Blätter, Blumen, Wurzeln - alles ganz selbstverständlich, aber wenn man tiefer eintaucht, den Blickwinkel ändert, dann tun sich ganz neue Welten auf. "Pflanzenwelten II" nennt sich die Ausstellung, die seit dem Wochenende bis zum 28. August im Schloss Oberschwappach zu sehen ist. Aussteller sind die Künstler Herman de Vries, Rainer Nepita, Helmut Droll, Romana Menze-Kuhn, Sylvia Peter, Horst Ziegler, Werner Henkel, Herbert Holzheimer und Helmut Droll.

Zweiter Bürgermeister Bernhard Jilke zeigte sich stolz, dass es dem Galeristen-Ehepaar Eleonore und Egon Stumpf immer wieder gelingt, Künstler aus der Region und weit darüber hinaus für Ausstellungen im Schloss Oberschwappach zu gewinnen. Von den Werken und von ihrer Vielfalt zeigte er sich sehr beeindruckt.
Dass solche Angebote überhaupt möglich sind, dafür dankte er den fleißigen Helfern des Kulturvereins Museum Schloss Oberschwappach.

Rainer Nepita, geboren in Schweinfurt, bezeichnet sich selbst als "Unkrautmaler". Jedes Blatt sei ein Individuum und er versuche, es so exakt wie möglich zu zeichnen, erklärte er dem Publikum. Helmut Droll, der sein Atelier in Bad Kissingen hat, bescheinigt Galerist Stumpf einen "fast schon meditativen Ansatz". Er zeichnet entweder schwarz auf weiß wie die filigrane Pusteblume, die er "Aufbruch" nennt, oder er legt mehrere Farbschichten Lack auf eine Metallplatte und kratzt aus dem Schwarz das Motiv.

"Meine Kunst beginnt dort, wo ich die Augen öffne und die Welt erlebe", erklärte Romana Menze-Kuhn bei der Vernissage. Die Veränderung der Natur durch den Menschen ist ihr Thema. Sie kombiniert Fundstücke aus der Natur mit Materialien, die man eher am Bau findet. So entstanden die Wurzeln mit Verfremdungen durch leuchtend grünes Silikon.

Für Herman de Vries "ist die Natur die Kunst"; seine Gräser-Arrangements begrüßen die Besucher gleich am Beginn der Ausstellung. Der Holländer, der seit 1974 in Eschenau lebt, ist spätestens seit der Gestaltung des niederländischen Pavillons auf der Biennale in Venedig 2015 auf der ganzen Welt an den wichtigsten Ausstellungsorten gefragt.

Sehr detailgetreu sind die Werke von Sylvia Peter aus Thüngersheim, wie fotografiert wirkt ihr Schlehen-Zweig. Dabei kommt sie eigentlich von der abstrakten Malerei. Ganz klassisch mischt sie die Farben nicht, sondern legt glasierende Farbschichten in Öl aufeinander, um die angestrebten Farbtöne zu erreichen. "Schaffe schöne Stücke Malerei, das ist mein Anliegen", erklärte sie.


Vergehendes und Werdendes

Als "visuelle Wissenschaft" bezeichnet Horst Ziegler seine Kunst, die mit der Fotografie beginnt. Das Vergehende beschäftigt ihn, das Verwelkende wie die welkende Schwertlilie. Horst Ziegler arbeitet durch Techniken wie UV-Licht oder das Mikroskop aus seinen Motiven Gesichter heraus - Wesen wie aus einer anderen Welt.

Genau das Gegenteil, das Wachsende, Werdende, fasziniert Gerd Kanz, der sich im östlichen Landkreis Haßberge, in Untermerzbach, niedergelassen hat. Der Maler hat ein ganz eigenes Konzept für seine Arbeit, und dazu gehört auch sein großer Garten. Eigentlich ist er "der einzige wirkliche Bildhauer, den ich kenne", erklärte Stumpf, denn Kanz verwendet handelsübliche Steinplatten, in die er Linien hineinschlägt. So entstehen Flächen für das Farbspiel des Künstlers.

Bildhauer hingegen im eigentlichen Sinn ist Herbert Holzheimer aus der Rhön. Der Holzschnitzer ist begeisterter Sammler von abgestorbenen Bäumen, Wurzeln, Balken, Rinden oder Wespennestern und zeigt ihre besondere Schönheit. "Alles im Verfall spricht mich an", erklärte er dem Publikum in Oberschwappach.
Mit frischen, aber auch verwelkten Blättern arbeitet auch Werner Henkel aus Bremen, ein Efeublatt wird durch Scherenschnitt zum Elefanten oder Löwen. Aus Blättern legt und schneidet er Menschen-Paare, die eine enorme Lebendigkeit ausstrahlen.

Standort
Die Ausstellung "Pflanzenwelten II" ist im Westflügel des Schlosses von Oberschwappach (Gemeinde Knetzgau) untergebracht.

Zeit
Zu besichtigen sind die Werke bis 28. August immer sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter der Rufnummer 09527/810501.