Normalerweise geht es jedes Jahr ganze zwei Wochen mit allen "Höhlenzauber"-Kindern in den Wald. Das ist Teil des ganzheitlichen Kindergarten-Konzepts, wie Pädagogin Julia Stubenrauch erklärte. Und wie jedes Jahr sollte es insbesondere für die Vorschulkinder ein ganz besonderer Abschied von "ihrem" Waldplatz im Sauerwald werden. Dort, wo der Bauwagen und die selbstgebauten Stecken-Tipi-Zelte stehen. Aber dieses Jahr kam alles anders.

Lange Zeit kein Kindergarten, nicht mit Freunden spielen können und auch keine Waldwochen. "Da haben wir gemeinsam mit den Eltern beschlossen, dass wir zumindest mit den Vorschulkindern zum Abschied einen Tag im Wald verbringen müssen. Auch wenn es in dem Fall sicherer für uns war, sie in zwei Gruppen aufzuteilen. Wir können sie doch nicht einfach so gehen lassen nach so einem heftigen Jahr", sagte Kinderpflegerin Gudrun Seubert. "An niemandem ging diese Zeit spurlos vorüber, an uns nicht, und an den Kindern auch nicht. Wir haben uns alle gefreut, dass uns die Hassgau-Apotheke und der Elternbeirat die Begleitung von Julia Stubenrauch ermöglichen."

Eine Schatzsuche mitten im Wald

Julia Stubenrauch begleitete die Vorschulkinder mit ihrem "Naturelemente-Programm mit allen Sinnen". Mit dem Fokus auf dem Element Erde waren an diesen Tagen Regenwurm Felix, Maulwurf Piet, Waldassel Larissa und Wühlmaus Lina mit in ihrem Rucksack. Sie ging mit den Kindern auf "Schatzsuche", die gemeinsam mit Becherlupen herausfanden, wer eigentlich unter der Erde lebt und warum sogar die kleinsten Lebewesen wichtig für den Boden sind.

Beim "Regenwurm-Schüttel-Tanz" wurde den Kindern klar, dass die Tiere die Erde lockern und somit den Pflanzen beim Wachsen helfen. Die Jungen und Mädchen gruben wie ein Maulwurf mit seinen Grabschaufeln eine Erdentreppe und machten einen "Krümeltest" der verschiedenen Schichten. "Also ich finde die Erde riecht hinten im Wald ganz anders als am Bach, irgendwie viel älter. Und sie sieht auch ganz anders aus mit den verschiedenen Farben und den kleinen Blattstückchen mit den Löchern drin", beschrieb Nurana, als sie Julia Stubenrauch nachdenklich ein Blatt entgegenstreckte.

Auch interessant: Die Suche nach dem Budda-Keks - KJR Haßberge veranstaltet Ferienfreizeit in Kleingruppen

"Das sind die kleinen Tiere wie die Waldassel Larissa, die daran naschen und dabei Fraßspuren hinterlassen. Dann bringen die Tiere durch ihre Hinterlassenschaften ganz viele Nährstoffe wieder in den Boden. Irgendwann entsteht dann diese krümelige, braune Erde, die die Bäume und Pflanzen zum Wachsen brauchen", erklärte die Naturpädagogin den Kindern. "Das passiert auch mit der Erde, auf der unser Gemüse und Obst wächst." Ganz behutsam wurde die Erde dann wieder zurück an die jeweilige Stelle gebracht, wo sie hergeholt wurde. "Damit die kleinen Tiere und Wurzeln gleich wieder im richtigen Stockwerk sind, wo sie gewohnt haben, und nicht vom fünften Stock aus plötzlich von uns in den Keller verfrachtet wurden", erläuterte Stubenrauch.

Mehr zum Thema Freizeit: Im Rachen des Vulkans - Fünf Kinder testen den Stein-Erlebnispfad im Kreis Haßberge

Es ging an diesen Tagen auch um die Themen Freundschaft und Vertrauen - sowohl zu sich selbst, als auch zu den Tieren und Pflanzen. Dabei lernten die Kinder Regenwurm Felix noch besser kennen, der gerne mit dem kleinen Maulwurf Piet befreundet sein wollte. Weil es für Piet eine Herausforderung war, sich das erste Mal mit seinen kleinen Grabschaufeln aus dem Boden zu graben, tanzten die Kinder gemeinsam mit Felix den "Mutmach-Tanz" für den Maulwurf.

Widerstandsfähiger werden

In ihren Projekten verbindet Julia Stubenrauch die Natur- und Nachhaltigkeitspädagogik mit Tanz und Kinderyoga. Die Ausrichtung an den natürlichen Elementen und Steigerung der persönlichen Widerstandsfähigkeit stehen dabei im Fokus. "Die Natur und deren Ressourcen begleiten und führen uns dabei zum Ziel meiner Projekte. Ich setzte einen Rahmen für Kinder, ihr Vertrauen in sich selbst zu stärken", erklärte Stubenrauch.

"Auch die Gefühle, die gerade in den vergangenen Monaten für die Kinder spürbar waren, haben wir ganz bewusst mit lustigen Schüttelübungen mit Regenwurm Felix, der die Erde lockert, losgelassen. Zum Beispiel die Traurigkeit darüber, dass die Kinder so lange Zeit ihre Freunde nicht sehen und mit ihnen spielen konnten. Und vielleicht sind auch mal das Angstgefühl oder das kleine Wutmonster in den vergangenen Wochen aufgetaucht."

Lesen Sie auch: Was ist dran am Trendsport - Stand-up-Paddling auf dem Sander Baggersee im Selbsttest

Stephan Schmitt, Inhaber der Hofheimer Hassgau-Apotheke, stattete den Kindern als Sponsor des zweiten Tages einen Besuch im Wald ab. Er ließ sich von den Kindern den Bach mit seinen Wassertieren und Tierspuren zeigen, tanzte sogar mit und war auch beim Waldmemory als Reh mit dabei. "Diese Lupen, die Herr Schmitt uns mitgebracht hat, sind echt praktisch. Die kann ich mir in die Hosentasche stecken und immer mit dabeihaben", erzählte Lisa und lachte.

"Der Tag war wirklich wunderschön und wird bestimmt bei den Kindern positiv in Erinnerung bleiben. Die Verbindung von Nachhaltigkeit mit kreativen Ansätzen wie Bewegung, Tanz und Kinderyoga inspirierte und motivierte die Kinder und auch uns Pädagoginnen sehr", betonte Christine Zitzmann, Leiterin der Kindertageseinrichtung "Höhlenzauber" am Ende des Tages.

Noch nachhaltigere Effekte soll die sogenannte Ressourcen-Erfahrungspädagogik von Pädagogin Stubenrauch insbesondere in längerfristigen Projekten erzielen. Daher bietet sie Elemente-Reihen an, die sich über einen längerfristigen Zeitraum im Kindergartenjahr rund um die Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft, Bäume, Naturvölker, aber auch um klassische Umweltbildungsthemen wie Müllvermeidung und Energiesparen drehen.