Mit zitternden Knien stehe ich mitten auf dem See. Das Board unter mir gibt jede meiner Bewegungen ans Wasser weiter und die Oberfläche des Baggersees kräuselt sich. Tief atme ich ein und wieder aus. Ich konzentriere mich auf den Horizont, als ich von links angesprochen werde. "Ich hätte nicht gedacht, dass du so sportlich bist, aber du machst das sehr gut!", meint Thomas Kehrberger anerkennend. Ich drehe mich um - doch das war eine Bewegung zu viel.

Prustend und lachend tauche ich wieder aus dem Wasser auf. Die wasserdichte Kamera klemmt noch in an meinem Bikini, aber das Paddel und das Board sind außer Reichweite. Mit kräftigen Zügen schwimme ich darauf zu. Mein nasses Kleid würde ich am liebsten hinter mir zurücklassen. Nicht die beste Kleiderwahl für einen Anfängerkurs im Stand-up-Paddling ("Stehpaddeln"). Ins Wasser fallen gehöre dazu, meint Lehrer Kehrberger. Mit ein bisschen Kraftaufwand ziehe ich mich hoch und stehe wieder mit beiden Beinen auf meinem Board.

Theorie und Praxis des Stand-up-Paddlings

Bevor ich jedoch auch nur einen Fuß auf das Board setzen darf, erklärt Kehrberger die Grundlagen des Stand-up-Paddlings. Dazu gehören Sicherheit auf dem Wasser, Material- und Ausrüstungskunde sowie Naturschutz. Aufmerksam versuchen Mona Scholl (19), Monika Lenhard (44), Michael Scholl (52) und ich die Einzelheiten zu behalten. Nach den theoretischen Grundlagen geht es an Trockenübungen, doch Stand-up-Paddling lernt man nicht an Land.

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Mit den Füßen in Badeschuhen trage ich mein Board durch den Sand zum Ufer. Besonders schwer ist es mit vier bis fünf Kilo nicht, denn die meisten Boards werden mit Luft befüllt. Durch Fäden im Inneren erhalten sie ihre Stabilität. So lassen sie sich einfach zusammenfalten und passen in eine größere Reisetasche. "Dadurch sind sie auch optimal zum Mitnehmen auf Reisen geeignet", erklärt Kehrberger.

Vor sieben Jahren probierte er im Urlaub mit seiner Tochter zum ersten Mal Stand-up-Paddling aus - es sei "Urlaub nach Feierabend" gewesen. Ein Leitsatz, mit dem er sich vor drei Jahren selbstständig gemacht hat. Seitdem verleiht und verkauft er am Baggersee in Sand Boards und bietet Kurse an. Kindergeburtstage oder Jungesellinnenabschiede, aber auch Kurse speziell mit Hunden oder einen Meditationskurs findet man auf seiner Website. Man kann die Boards auch außerhalb eines Kurses stunden- oder tageweise online oder telefonisch buchen, abholen oder sich sogar in den Urlaub schicken lassen.

Mit wackeligen Beinen genieße ich meinen "Urlaub nach Feierabend", denn nachdem die Boards das Wasser berührt haben, geht es direkt los. Zunächst möchte Kehrberger, dass wir unser Gleichgewicht finden und lospaddeln. Wie beim Fahrradfahren muss man mit dem Board in Bewegung bleiben, um die Balance nicht zu verlieren. Doch ich merke, dass nicht nur das körperliche, sondern auch das geistige Gleichgewicht stimmen muss, um nicht im Wasser zu landen. Also beruhige ich meine gestressten Gedanken und richte den Blick auf den Horizont. Sogleich bewege ich mich ruhiger.

Als sich alle mit dem neuen Gefühl angefreundet haben, probieren wir einige Techniken, wie Wenden, Bremsen und einseitiges Paddeln. Manöver, die man besonders auf offenem Gewässer mit anderen Verkehrsteilnehmern, wie Sportbooten oder Schiffen, beherrschen sollte. Gerade als ich anfange, mich sicher zu fühlen, passiert es. Ich taumle zwei Schritte vorwärts und lande kopfüber im Wasser.

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Als gute Schwimmerin bin ich schnell beim Board und wieder auf den Beinen. Spätestens jetzt habe ich jede Angst, vom Brett zu fallen, vergessen und kann die Aussicht genießen, denn so weit draußen auf dem Wasser war ich schon lange nicht mehr. Der Saum meines Kleides tropft stetig und ich komme zur Ruhe. Wir ziehen vorbei an einer Bucht, die Tieren Schutz bietet. Ein Stück weiter draußen mündet der See in den Main.

Ein triefend nasser Reinfall

Doch so weit paddeln wir nicht. Mit unseren neuen Fähigkeiten legen wir eine Kehrtwende hin und liefern uns einen sportlichen Wettkampf zurück zur Boje. Mit den letzten Zügen gehen Mona und Michael als erste ins Ziel. Als letzte Übung probieren wir noch eine schnelle Wende, bei der man den Schwerpunkt auf das Ende des Boards verlagert. Ein toller Trick, der aber auch eine Garantie für Wasserkontakt ist. Alle fallen reihenweise beim ersten Versuch ins Wasser.

Zurück am Ufer wringe ich nass, aber glücklich, mein Kleid aus. Auch auf den anderen Gesichtern sehe ich ein Lächeln. "Ich habe Stand-up-Paddling schon in Berlin ohne Anleitung ausprobiert", erklärt Monika aus Schweinfurt. "Aber der Kurs hat mir wirklich was gebracht. Ich fühle mich sicherer. Ich drehe die nächsten Tage mit Freunden eine Runde. Mal sehen, wer die bessere Technik hat." Stolz nehme ich mein Zertifikat entgegen. Es bestätigt meine Teilnahme am Kurs, so kann ich in Zukunft überall Boards ausleihen und Touren unternehmen.

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Etwas, was ich definitiv machen werde, denn ich habe Blut geleckt. Stand-up-Paddling ist etwas für jeden, unabhängig von Statur oder Alter, denn auch für Kinder hat Kehrberger das richtige Board. Aber auch nach dem Anfänger-Kurs würde ich mich nicht auf offenes Gewässer oder in die Nähe von Schiffen trauen, dafür braucht es viel Übung. Vorerst bleibe ich deshalb lieber auf dem vertrauten Baggersee.

Die DLRG Ebern gibt Tipps fürs sichere Planschen

Hilfe vor Ort Damit man den Familienausflug sicher und entspannt genießen kann, sorgt die DLRG für einen sichereren Badespaß in den Freibädern im Landkreis.

Ausflugsziel Eine Alternative zum überfüllten Freibad ist der Badesee. Welche der Landkreis zu bieten hat, steht auf der Seite des Tourismusvereins Haßberge unter www.hassberge-tourismus.de/erleben/wasserspass.

Sicherheit Kinder sollten nicht unbeaufsichtigt planschen, denn auch wenn ein See ruhig aussieht, können Strömungen unter Wasser gefährlich werden.

Land in Sicht Beim Baden immer das Ufer in Rufweite behalten, das gilt auch für erfahrene Schwimmer.

"Kippende" Gewässer Stinkendes, grün verfärbtes Wasser ist kein gutes Zeichen: Bei der aktuellen Wetterlage können Seen "kippen". Wer ein solches Gewässer entdeckt, sollte nicht darin baden, sondern es der Stadt oder Gemeinde melden.