Weißwurst-Zuzeln mit Kanzlerin Merkel war für US-Präsident Barack Obama ein Pflichttermin beim G7-Gipfel in Elmau. "So eine Weißwurst schmeckt toll", soll der mächtigste Mann der Welt gesagt haben, als er sich in der Gemeinde Krün unters Dorfvolk mischte und dabei mit alkoholfreiem Weizenbier anstieß.

Einen anderen kulinarischen Höhepunkt hat er allerdings nur einen Steinwurf weit entfernt verpasst: Spaghetti mit Bolognese und Nudeln mit Hühnerfleisch. Zubereitet von der SEG-Verpflegung des Roten Kreuzes vom Kreisverband Haßberge. Selbst einem US-Präsidenten sind eben nicht alle Freuden auf so einer Reise vergönnt.

Auch wenn die 27 Frauen und Männer, darunter meist Ehrenamtliche, aus dem Haßbergkreis keinem der G7-Staatsoberhäupter die Hand schütteln konnten, für sie wird dieser Einsatz noch lange in Erinnerung bleiben.
Vom 28. Mai bis zum 9. Juni waren verschiedene Einheiten der Schnelleinsatzgruppen (SEG) aus Hofheim, Knetzgau und Haßfurt mit vier Einsatz- und drei Begleitfahrzeugen im Einsatz rund um Schloss Elmau, Krün, Garmisch-Partenkirchen und München.

"Das war schon etwas Besonderes, bei einem so großen Einsatz dabei zu sein", zieht Wolfgang Zweverink, Katastrophenschutzbeauftragter beim BRK-Kreisverband Haßberge, nach seiner Rückkehr Bilanz. Immerhin waren rund um den G7-Gipfel rund 20 000 Polizisten und 1500 Kräfte von Hilfsorganisationen dabei.

Enorme Ausmaße

Zweverink, der schon andere logistisch herausfordernde Einsätze wie das Dresden-Hochwasser 2001, die WM 2006 und den Besuch von Papst Benedikt XVI. 2006 miterlebt hatte, spricht von einer anderen Dimension. Die Vorplanungen und Schulungsmaßnahmen zum G7-Gipfel hätten schon über ein Jahr zuvor begonnen.

Als Leiter der SEG "Gefährliche Stoffe und Güter", war Wolfgang Zweverink mit seinem Team drei Tage lang in München stationiert. Im Ernstfall, beispielsweise bei einem Anschlag mit chemischen, biologischen, radioaktiven oder explosiven Stoffen, wäre die GSG gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr für die Dekontamination von Verletzten zuständig gewesen.

Soweit ist es zum Glück nicht gekommen. Der Gipfel ist weitgehend friedlich verlaufen. Und auch alle BRK'ler aus den Haßbergen sind unfallfrei in die Heimat zurückgekehrt.

Die kräftezehrendste Aufgabe der Helfer aus den Haßbergen hatte das Team der SEG Verpflegung. Anne Grimmer, Ortrud Reimann, Christina Ulbrich, Cornelius Schmitt und André Zoeller waren für die Versorgung der Polizeieinsatzzüge aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westphalen zuständig - rund um die Uhr, im Drei-Schicht-System. Pro Schicht wurden über 300 Essensportionen ausgegeben. Auf eigene Kosten bereitete die SEG für die Polizisten sogar zusätzlich karamellisierte Apfel-Birnen-Stücke sowie Apfel- und Flammkuchen zu.
Besonders bleibt Zoeller die "absolute körperliche und psychische Erschöpfung am Abreisetag" in Erinnerung. Köchin Christina Ulbrich musste gar mit Kreislaufbeschwerden beim Polizeiärztlichen Dienst in Krün mit Infusionen versorgt werden.

Zusätzlich zu den körperlichen Anstrengungen waren die enormen Sicherheitsvorkehrungen eine weitere Herausforderung für die Helfer. "Bei jeder Fahrt zum Schichtwechsel mussten wir durch die Personenkontrolle des BKA in Krün", sagt Zoeller.

Das Shuttlefahrzeug wurde dabei von einem Röntgengerät durchleuchtet und von der Polizei mit Spürhunden kontrolliert. Ein zeitaufwändiges Verfahren. "Zwischen 45 Minuten und drei Stunden hat das Passieren des Kontrollpunktes gedauert."

Von einer "außergewöhnlichen Dimension" spricht auch Stefan Funck aus Eltmann, BRK-Kreisbereitschaftsleiter in den Haßbergen. "Schon 35 Kilometer vor Garmisch-Partenkirchen war die Autobahn komplett gesperrt" und an jedem Feldweg hätte Polizei gestanden.

Zusammen mit vier weiteren Kollegen sollte Funck im schlimmsten Fall, etwa bei Terroranschlägen, die Kommunikation mit dem Einsatz- und Lagezentrum in in München aufrecht erhalten und dabei helfen, die anrückenden Rettungseinheiten zu koordinieren. Funck und seine Leute arbeiteten in 12-Stunden-Schichten.

Lob für den Einsatz der BRK-Helfer aus den Haßbergen und ihren rund 1500 Kollegen aus allen Hilfsorganisationen spricht BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk aus: "Es war beeindruckend, mit welchem hohen Einsatz an Fachwissen und Engagement hier gearbeitet wurde, beim Einsatzpersonal und den Führungskräften."