"Wir freuen uns sehr." Mit großer Freude, die selbst am Telefon deutlich zu spüren war, und mit einer gehörigen Portion Stolz hat der CSU-Landtagsabgeordnete Steffen Vogel (Theres) am Mittwoch unserem Portal mitgeteilt, dass der Landkreis Haßberge bei der Behördenverlagerung der Staatsregierung bedacht wird. Der Finanzminister Markus Söder (CSU) hat Vogel darüber informiert, dass er in Abstimmung mit dem Innenministerium die Landesbaudirektion aus der Autobahndirektion Nordbayern von Nürnberg nach Ebern verlegen werde. Laut Steffen Vogel ist dies ein "ganz dicker Fisch", da die Landesbaudirektion eine Behörde mit über 100 qualifizierten Arbeitsplätzen ist. Die Landesbaudirektion ist für die Betreuung aller Liegenschaften des Bundes in Bayern zuständig.

Eine Möglichkeit als Standort wäre, die Behörde in den zwei noch ungenutzten Gebäuden in der ehemaligen Kaserne unterzubringen, die jedoch gegebenenfalls noch erworben werden müssten. "Jetzt gilt es, die optimalen Räumlichkeiten zu finden oder gegebenenfalls zu errichten", meint Vogel. Konkret zu der Kaserne: Otto Kirchner, Geschäftsführender Gesellschafter der Fränkischen Rohrwerke in Königsberg, besitzt zwei ehemalige Kompanie-Gebäude. Dass sie im Fokus des Interesses stehen, haben sowohl Steffen Vogel als auch Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann bestätigt.

Vogel hält die Verlagerung für eine starke Maßnahme zur Stärkung des hiesigen, von der Bevölkerungsentwicklung besonders betroffenen Raumes im nördlichen Landkreis Haßberge. Besonders dankte Steffen Vogel dem bayerischen Finanzminister Söder und Innenstaatssekretär Gerhard Eck (Donnersdorf, CSU), die sich beide offen für die von ihm und Landrat Wilhelm Schneider vorgebrachten Argumente und die Notwendigkeit einer Unterstützung des Kreises Haßberge gezeigt haben. Dass Vogel beide Politiker-Kollegen seit langem gut kennt, war sicher von Vorteil. "Man hat die Möglichkeit, die Argumente vorzubringen."

Ebern war in den vergangenen Jahren strukturell arg gebeutelt worden. Die Bundeswehr zog ab, die Stadt verlor bei der bayerischen Verwaltungsreform die Außenstelle des Amtsgerichts Haßfurt und bei der Forstreform das Forstamt.

Anhand der Wahl von Ebern als neuer Behördenstandort könne man ersehen, meint Steffen Vogel, dass man nicht danach ausgewählt habe, wo ein CSUler Bürgermeister ist, sondern danach, wo eine Unterstützung dringend notwendig sei.

Der Abgeordnete sieht den Vorteil nicht nur durch die 100 Arbeitsplätze, die nach Ebern kommen, sondern hebt auch die Arbeitsplätze im Umfeld der Behörde heraus. So profitiere der gesamte Raum von der Verlagerung: "Die Autos müssen repariert, die Gebäude gereinigt, die Computer eingerichtet und gewartet oder auch die Heizung in Schuss gehalten werden, so dass noch viele Arbeitsplätze im Umfeld der Behörde geschaffen oder erhalten werden." In zeitlicher Hinsicht wird sich die Verlagerung der Behörde einige Zeit, wenn nicht sogar Jahre hinziehen, da es keine zwangsweisen Versetzungen geben wird und die Infrastruktur aufgebaut werden müsse. Steffen Vogel will zeitnah Rücksprache mit dem Innen- und dem Finanzministerium halten, wie sich der zeitliche Ablauf der Behördenverlagerung nach Ebern konkret gestaltet. "Heute ist jedenfalls ein guter Tag für Ebern und den Landkreis, so dass ruhig die eine oder andere Flasche Sekt in der Heimat getrunken werden kann", meint er.
Vogel zeigte sich letztlich auch deshalb äußerst zufrieden, weil sowohl der Landkreis Haßberge bedacht wird als auch der Nachbar-Landkreis Rhön-Grabfeld mit immerhin 70 Arbeitsplätzen. Vogel: "Die Arbeit der vergangenen Monate hat sich rentiert und hat Früchte getragen."

Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) war über die freudige Nachricht genau so überrascht wie viele seiner Mitbürger im Städtchen. "Ich hab's über die Nachrichten und von Steffen Vogel erfahren. Wir hatten uns im Vorfeld zwar redlich bemüht und in Kooperation mit dem Eigentümer Otto Kirchner alle Unterlagen zusammengestellt und an den Landrat weitergegeben. Dennoch hätte ich eher vermutet, dass Hochfranken den Zuschlag erhält."

Dass es nun anders kommt, findet Hennemann "sehr, sehr erfreulich". Das sei zwar ein später Ausgleich und weniger eine Konversion für den Bundeswehrabzug als für den Verlust von Amtsgericht und Forstamt als staatliche Stellen, aber ein Glücksfall."

Dass die Kompensation so massiv ausfällt, hält Hennemann für eine sehr gute Entwicklung, die "unsere Stadt zukunftssicherer macht", wobei er sich keine übertriebenen Hoffnung macht, wonach dies auf die Schnelle passiert. "Die Verlagerung wird sich sicher über einige Jahre hinziehen, wir werden sie aber mit allen unseren Möglichkeiten und in Abstimmung mit Otto Kirchner positiv begleiten."

Dazu gehört beispielsweise eine schnelle Änderung des Bebauungsplanes, was aber im Eberner Stadtrat wie auch bei den beteiligten Fachbehörden kein Problem darstellen dürfte.