"Die Zukunft wird anders, aber sie bleibt auf jeden Fall elektrotechnisch, unserem Handwerk gehört die Zukunft", das sagte der Vorsitzende des Fachverbandes Energie- und Gebäudetechnik Deutschland, Simon Boris Estermann, in Rügheim, wo die Jahrestagung 2016 stattfand. Auf Einladung von Innungs-Obermeister Peter Keil (Maroldsweisach) waren Mitglieder des Fachverbands aus ganz Deutschland in den Landkreis Haßberge gekommen.


Drei Tage voller Fachthemen

Im Mittelpunkt der drei Tage standen zwar Fachthemen, doch Landrat Wilhelm Schneider freute sich, dass die Teilnehmer auch die Schönheiten des Landkreises und die kulinarische Vielfalt erlebten. Er betonte in die Vorzüge des Wirtschaftsstandorts Landkreis Haßberge und bezeichnete die Handwerksbetriebe als Rückgrat der Wirtschaft.
82 Betriebe hat die Elektro-Innung im Landkreis Haßberge.

Gerade das Elektrohandwerk sei "ein Beweis dafür, dass das Handwerk ein dynamischer Wirtschaftsbereich ist, der sich dem technischen und ökonomischen Wandel erfolgreich anzupassen versteht." Ganz gleich, ob Smartphone, Computerchip, Mikrowelle, Solaranlage oder Industrieroboter - ohne elektronische Systeme stünde die moderne Welt plötzlich still.

Stolz zeigte sich der Landrat auch auf Nachwuchskräfte aus dem Landkreis wie Jonas Keil. Der Ingenieur, Sohn des Obermeisters Peter Keil, arbeitet in der Forschung an der Technischen Universität München Dort wurde vor fünf Jahren der Lehrstuhl für elektrische Energiespeichertechnik gegründet. Jonas Keil gab in seinem Referat Einblick in den Stand der Forschung und die künftigen Möglichkeiten an elektrischen Energiespeichern für erneuerbare Energien.


Deutschland hat die Entwicklung ein bisschen verschlafen

Im Gespräch mit unserer Zeitung stellte er fest, dass leider Deutschland die Entwicklung ein bisschen verschlafen habe, doch die Forschung sei auf einem guten Weg, auch weil seit einigen Jahren kräftig investiert werde. Es gebe verschiedene Ansätze, erneuerbare Energien zwischen zu speichern.

Für die Elektromobilität und den Eigenverbrauch im Wohnhaus braucht es leistungsstarke Batterien, die hohe Leistung bringen, lange halten und hohe Sicherheit bieten. Jonas Keil geht davon aus, dass bis 2020 Batterien zur Verfügung stehen, die etwa die dreifache Leistung bringen wie heute, bei gleichzeitig doppelter Lebensdauer. Gleichzeitig würden sich die Preise in etwa halbieren. Schon jetzt sei es für Besitzer von Photovoltaikanlagen mit Eigenverbrauch sinnvoll, sich einen Energiespeicher anzuschaffen, betonte Keil.

In weiteren Fachvorträgen der Seminarreihe ging es um die IT-Sicherheit in den Betrieben und um Rechtsfragen.
Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner (Eltmann), der die Grüße des erkrankten HWK-Präsidenten Hugo Neugebauer überbrachte, sprach einige Themen an, die den Handwerksbetrieben im Allgemeinen auf den Nägeln brennen: den Aufwand "an Formular- und sonstigem Papierkrieg, um einen Auftrag sachlich, komplett und richtig abzuwickeln". Das sei überbordend angesichts der Tatsache, dass nicht nur in Bayern 43 Prozent aller Handwerker Einmann-Betriebe sind. Zudem stelle er fest, dass "in München, Berlin und Brüssel die Funktion der Innungen und der ehrenamtlichen Tätigkeiten der Innungsmitglieder total verkannt wird".


Gefahr für die Handwerker-Altersvorsorge

Kritische Worte fand auch der während der Tagung wiedergewählte FEG-Vorsitzende Simon-Boris Estermann. Die derzeitige Niedrigzinspolitik fördere zwar die Investitionen und fülle damit die Auftragsbücher, doch reiße sie auch eine Lücke in die Altersvorsorge der Handwerker. Er appellierte dringend an die Handwerksmeister, dieses Problem nicht wegzuschieben. Arbeit gerade für das Elektrohandwerk gebe es genug, einerseits bei Gebäudesicherheit und energetischer Sanierung, andererseits rund um das Thema "Smart Home".

Ein großes Feld seien auch die erneuerbaren Energien. Estermann sah es kritisch, dass "die Energiewende gebremst wird in einer Woche, in der hier bei uns der Klimawandel so richtig zuschlägt. Bisher war die Klimakatastrophe immer weit weg", erklärte er im Blick auf mittlerweile 18 Millionen Klimaflüchtlinge, die bereits innerhalb von Afrika unterwegs sind. Es sei in Ordnung, etwas Zeit zu schaffen, damit Leitungen und Stromspeicher nachziehen können, doch ein Zurück dürfe es nicht geben.