Heldin, das ist ein großes Wort. Auf die drei 14-jährigen Haßfurterinnen Eva, Laetitia und Lisa trifft es aber zu. Sie haben dem dreijährigen Buben, der am Samstagabend leblos im Haßfurter Schwimmbad trieb, vermutlich das Leben gerettet oder ihn vor größeren Schäden bewahrt.

Kein Auge zugetan

Als sie hören, dass es dem Kleinen jetzt besser geht, strahlen sie. In der Nacht, nachdem sie ihn geborgen haben, haben sie allerdings kaum ein Auge zugetan.

"Ich habe sein Gesicht vor mir gesehen. Und dass er nicht geatmet hat", sagt Eva. Ihren Freundinnen ging es ebenso. Die Minuten, als sie den Jungen am Samstagabend im Schwimmbad gefunden haben, haben sie in jedem Detail im Kopf: "Er hatte eine Badehose an, in demselben Blau wie der Beckenboden, deshalb haben wir ihn erst nicht gesehen", sagt Laetitia. Sie und ihre Freundinnen Eva und Lisa haben im Schwimmbad Lisas 14. Geburtstag gefeiert. Sie haben herumgealbert.

Um kurz nach halb sechs war außer ihnen fast niemand mehr in dem Rutschbecken des Haßfurter Freibads. Gutgelaunt plantschten die Mädels durch das Becken, in Richtung des tiefen Endes. Erst ohne den stillen Taucher zu bemerken.

"Dann hat Lisa zur Eva gesagt: Vorsicht, stolper nicht über den Jungen", erinnert sich Laetitia. "Ich dachte, der übt Luftanhalten. Habe ihn aber einfach mal angetippt", sagt die 14-Jährige. Als der Bub nach langen Sekunden aber nicht auftauchte, zogen die Mädchen ihn hoch.

"Er hat sich nicht geregt. Da haben wir Angst bekommen und um Hilfe geschrien", sagt Laetitia. Lisa sei direkt losgerannt, um Unterstützung zu holen. Zuerst habe niemand reagiert, die wenigen Badegäste hatten es wohl für einen Scherz gehalten.

Bange Sekunden

Endlich kam Lisa mit der Bademeisterin zurück, die dann die erste Hilfe einleitete. "Wir dachten, der Junge sei nicht mehr am Leben", sagt Eva. Doch die aufsichthabende 47-jährige Rettungsschwimmerin Christiane Schöller war rechtzeitig gekommen und reanimierte den Kleinen. Dann war schnell ein Rettungswagen vor Ort. Der Junge, sagen die Mädchen heute, habe so versteckt und unscheinbar im Becken gelegen, dass er aus einigen Metern Entfernung nicht zu sehen war.
Nach dem Medienrummel, den die Mädels gerade erleben, wünschen sie sich, hoffentlich bald zur Normalität zurückzukehren. Und dass der Dreijährige schnell wieder ganz fit wird.