Schulschluss. Yeah! "Ende mit Lernen, Ende mit Stress, Ende mit Handy-Verbot, Ende mit Erziehungsmaßnahmen." So begrüßte Konrektor Toni Binder die Absolventinnen und Absolventen zur Verabschiedungsfeier in der Aula der Mittelschule Ebern. Der eine war länger hier, der andere kürzer. Aber alle gehen sie erfolgreich - die einen mit dem qualifizierenden Hauptschulabschluss, die anderen mit der Mittleren Reife in der Tasche. Und gelernt haben sie was. Nicht umsonst kam ein schallendes "Gut gemacht, Herr Binder!" aus den Schülerreihen, als er sich nach seiner Rede wieder in das Publikum zurücksetzte.

Immer wieder an diesem Abend wurde betont, dass die Sache mit dem Lernen jetzt aber nicht vorbei sei. Lernen geht weiter aber in der Zukunft wird sich dabei aber einiges ändern. "Als junge Erwachsene seid ihr nun aufgefordert, euer Leben selbst in die Hand zu nehmen und euren Lebensweg zu finden", ermutigt Rektor Philipp Arnold seine ehemaligen Schützlinge.

Und nach welchem Vorbild soll gelebt werden? Welches Lebensmodell ist gut, um erfolgreich zu sein? Arnold zitiert den Sänger und Rapper Cro, die Absolventen dürfen sich das Musikvideo dazu anschauen, das von Mitschülern selbst gestaltet wurde: "Baby bitte mach dir nie mehr Sorgen um Geld, gib mir nur deine Hand, ich kauf dir morgen die Welt. Egal wohin du willst, wir fliegen um die Welt, haun sofort wieder ab, wenn es dir hier nicht gefällt. Nur noch Kaviar, Champagner, und Champus...." On top gibt es die schwarze American Express Kreditkarte.

Und die Realität? "Das Leben ist zwar wunderschön, aber es ist keine endlose Partymeile", betont Arnold und zieht die Schüler auf den Boden der Tatsachen zurück. Wie heißt es so schön? Ohne Fleiß, kein Preis. Wer also "Erfolg und Luxus" haben will, hat ein wichtiges Hindernis zu überwinden: "Arbeit! Harte Arbeit!" Für die einen geht es an der FOS weiter, andere haben den Ausbildungsvertrag schon seit Wochen unterschrieben und fiebern dem Arbeiten und Geld verdienen entgegen. Aber was erwartet diese "Welt nach der Schule" von den jungen Menschen? "Zuverlässigkeit, Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit, Kreativität, Höflichkeit, Toleranz", so Philipp Arnold, der seinen Absolventen eine ganze Liste an Anforderungen der IHK im Hinblick auf Wissen, Grundhaltungen, Werteeinstellungen und sozialen Kompetenzen aufzeigt. "Ein Haufen Zeug, was man neben den guten Noten noch so alles haben soll."

Und einige der Absolventen haben ihr Bestes gegeben, "sie haben ihre Komfortzone verlassen und gelernt", lobt Rektor Arnold. Eine davon ist Jördis Göttel. Die junge Dame hat nicht nur den besten Quali insgesamt geschrieben, sondern auch in mehreren Einzelfächern die beste Arbeit zu Stande gebracht. Max Dicker und Maximilian Heinl haben sich über gute Noten hinaus an der Schule im Pausendienst und der Technik engagiert. Sie haben gesagt "Wir machen das!" und saßen Pause für Pause im Schülerladen und haben sich um die Bälle für die Mitschüler gekümmert.

Tüchtige Leute

"Langsen & Partner" - eine Schülerfirma die es so nur im Lehrerzimmer gegeben hat, denn die Schüler wussten nichts von ihrem heimlichen Spitznamen, waren die Helfer mit tüchtigen Händen. Die tatkräftigen sechs jungen Männer um Oliver Lang waren stets vor Ort, wenn es in der Schule um handwerkliche Tätigkeiten ging. Schulgarten, Pflaster im Pausenhof, Tische tragen - alles kein Problem. "Liebe Vertreter der örtlichen Wirtschaft, schaut euch die Leute, die sind es, die es machen", präsentiert Rektor Arnold die Truppe stolz.

Oder auch Lukas Müller und Ariane Berisha. Sie erklärten sich bereit, die Abschlussfeier musikalisch mit Trompete und Gesang zu umrahmen. Der Rektor selbst begleitete die beiden am Klavier. Mit einem weinendem und einem lachendem Auge entlässt Philipp Arnold seine Schülerinnen und Schüler heute, viel hat er ihnen beigebracht, aber eins will er ihnen noch mit auf den Weg geben: "Nehmt euer Leben in die Hand. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!"

Die Schülerinnen und Schüler nutzten diese Feierstunde, um Danke zu sagen. Auch den Lehrern, denn diese wurden oftmals "in den Wahnsinn getrieben. Doch waren sie immer für uns da, wenn wir Probleme hatten und versuchten diese tatkräftig mit uns gemeinsam zu bewältigen", sprach Jordis Göttel die Dankesworte an Klassen- und Fachlehrer. "Das Bestehen oder in manchen Augen auch Überstehen dieser Jahre ist vor allem auch unseren Eltern zu verdanken, die uns immer und immer wieder eindringlich vermittelt haben, dass man in der Schule das Fundament für seine Zukunft legt. Und vor allem dass sie immer an uns glauben und unsere Träume und Lebensziele unterstützen."

Und wenn man die Schülerinnen und Schüler so sprechen hörte, dann wurde schnell klar, Schule setzten sie nicht nur mit Lernen gleich. Klar lernte man "Mathe und Deutsch, sich mit Konflikten auseinander zu setzen, miteinander zu diskutieren, Projekte zu organisieren" stellte Sophia Heusinger dar. "Aber Schule steht noch für etwas anderes, sie steht für Freundschaft. Und Freundschaft ist das Wichtigste, was man im Leben braucht."

Jeder hat bisher sein bestes gegeben - Schüler, Eltern und Lehrer. Jetzt liegt es an den jungen Menschen selbst, den Weg zu gehen, die "Chillout-Area zu verlassen" und das Leben selber zu gestalten: mit dem Zeugnis in der Tasche, mit den Freunden Hand in Hand und den eigenen Zielen vor Augen - alles Gute und viel Glück im Leben.