Es ist keine leichte Situation für die zehn Hebammen auf der Geburtshilfe-Station im Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken. Sie leisten, wie alle Beteiligten bestätigen, eine gute Arbeit rund um die Uhr. Trotzdem besteht die Gefahr, dass ihre Arbeitsstelle wegen des Millionendefizits der Haßberg-Kliniken aufgelöst wird.


"Welle der Solidarität"

Damit das nicht passiert, haben die Hebammen (Anne Bedruna, Petra Schor, Stefanie Urlaub, Martina Steck, Annette Storkan, Verena Eichner, Birgitta Wohner-Finger sowie Katrin Wolf-schmitt, Carola Lutsch und Nicole Braunreuther) in den vergangenen drei Wochen Unterschriften gesammelt. Sie wollen die Geburtshilfe-Station (Gynäkologie) in Haßfurt retten. Acht von ihnen übergaben die genau 21 828 Unterschriften am Donnerstag im Kreißsaal an den Landrat Wilhelm Schneider (CSU). Dabei waren der Chefarzt Dr. Raphael Kupietz und der Verwaltungsleiter des Kommunalunternehmens Haßberg-Kliniken, Stephan Kolck.

Birgitta Wohner-Finger gab gerne zu, dass die Hebammen erstaunt gewesen seien darüber, "wie viel Rückendeckung" sie erhalten haben in ihrem Bemühen, die "Gyn" zu bewahren. "Die Bevölkerung ist solidarisch", erklärte sie. Die Unterstützung tut nach ihrer Darstellung gut, denn sie müssen einigen Druck aushalten. Druck in der Form, dass sie für das Defizit der Klinik verantwortlich gemacht würden.

Das sei nicht der Fall, versicherte ihnen Landrat Schneider. Die Hebammen und die ganze Geburtshilfe-Station leisteten eine hochwertige und qualitätvolle Arbeit, lobte er. Schneider wollte bei der Übergabe der Unterschriften keine Versprechungen zur Zukunft der Station machen, aber er versicherte, dass die Verantwortlichen die Unterschriften ernst nehmen und dass die neueste Entwicklung, eben die Rückendeckung, bei einer Entscheidung berücksichtigt werde. Außerdem unterstrich er: Bei der kommenden (nichtöffentlichen) Sitzung des Verwaltungsrats am Montag, 6. Juni, werde es "keine finale Entscheidung" geben. Schneider: "Wir wollen die Entwicklung erst einmal abwarten", sagte er.

Der Landrat brachte seinen Wunsch zum Ausdruck, dass der "Welle der Solidarität" (Birgitta Wohner-Finger) nun Taten folgen. Er meinte damit konkret, dass die Zahl der Geburten in Haßfurt ansteigt. Derzeit werden etwa 360 Kinder im Jahr auf der Station in der Kreisstadt geboren. Um eine "schwarze Null" zu schreiben, wären etwa 600 Geburten erforderlich. Diese Zahl dürfte schwer zu erreichen sein, aber eine "merkliche Erhöhung" würde laut Schneider schon helfen. Allerdings legte er sich nicht auf eine konkrete Zahl fest. Die nahe Zukunft soll genutzt werden, um eine Lösung zu suchen. "Wir wollen keine Däumchen drehen", versprach er verstärkte Anstrengungen.

Der 15-köpfige Verwaltungsrat des Klinik-Kommunalunternehmens, dessen Vorsitzender der Landrat ist, befasst sich in seiner Sitzung am kommenden Montag nicht nur mit der Gynäkologie in Haßfurt, sondern auch mit der Zukunft des Hauses in Hofheim. Das ist ebenfalls von der Schließung bedroht.