Im Mehlesweg herrscht Unmut. Nachdem die Ortsdurchfahrt wegen der Kanalbauarbeiten an der Tankstelle gesperrt ist, leitet die Straßenverkehrsbehörde den Verkehr über Eltingshausen um. Doch viele fahren ihre eigene Umleitung - durch das Wohngebiet Nüdlingens. Dabei stören sich die Bewohner der betroffenen Straßen an verschiedenen Aspekten.

Einer davon ist Steffen Hümmler. Er stellt fest: "Die Umleitung funktioniert halt nicht. Wenn ich sage: "Straße gesperrt, Anlieger frei, dann kann's nicht sein, dass hier alle durchfahren." Tanja Back, eine weitere Anwohnerin, ergänzt: Was mich stört ist, dass viele Nicht-Ortsansässige mit unheimlicher Geschwindigkeit durch die Straße rauschen." So sieht es auch Angelika Horn.

Die Geschwindigkeit der Autos und Lkw erhitzt ihre Gemüter: Tanja Back berichtet, dass sie in einer Zigarettenlänge allein sechs Fahrzeuge gezählt habe, die mit über 50 km/h durch die 30er-Zone fuhren. Angelika Horn sagt: "Seitdem das Parkverbot an der Straße besteht, rauschen die Autos ungebremst in die Straße rein." Bei der neu aufgestellten Geschwindigkeitsanzeige schätzt sie: "Circa 98 Prozent sind rot".

Neben der Geschwindigkeit klagen die Anwohner auch über die Menge und Größe der Fahrzeuge: Fernverkehr und Lkw seien im Wohngebiet unterwegs. Steffen Hümmler beschreibt ein "autobahnzubringerähnliches Gefühl". Angelika Horn beklagt einen Umstand, den die Anwohner der Nüdlinger Hauptstraße wohl zu gut kennen: "Wenn ich aus der Hofeinfahrt herausfahre, muss ich teilweise zehn Minuten warten, bis ich rauskomme. Die Zeit muss ich auch noch mit einplanen."

Die Bewohner beschreiben den Zustand als "extrem gefährlich". Tanja Back hat ein acht- und ein dreijähriges Kind. Mit denen traue sie sich kaum noch raus. Damit ihr Kind seinen Ball holen und wieder über die Straße gehen konnte, haben sie die Straße blockieren müssen. "Das kann nicht angehen, wir sind ein Wohngebiet und keine Hauptstraße", sagt sie. "Außerdem haben sie unsere Katze totgefahren - auf dem Gehweg". Sie hatte neun Jahre mit der Familie gelebt.

Hupen und Stinkefinger

Zudem sind die drei Nüdlinger über das Verhalten der Fahrer verärgert. Sie berichten davon, angehupt zu werden oder einen Stinkefinger gezeigt zu bekommen. "Verkehrsregeln werden nicht beachtet", meint Angelika Horn. Den ganzen Tag gebe es ein "Hupkonzert". Denn an den einmündenden Straßen gilt rechts vor links. Nur wenige würden darauf aufpassen.

Das Parkverbot führt jedoch nicht nur dazu, dass der Durchgangsverkehr ohne Einschränkung durch die Straße fahren kann: "Keiner weiß mehr, wo er parken soll. Wir haben das Glück, einen großen Hof zu haben", sagt Back. Hümmler hätte es verstanden, wenn es von sieben bis 17 Uhr ein Halteverbot gegeben hätte. Hierzu weist Nüdlingens Bürgermeister Harald Hofmann (CSU) auf die Lehren aus vergangenen Straßensperrungen in dem Ort hin: "Die Straßenverkehrsbehörde registrierte 2019 in den Spitzenzeiten des Verkehrs teilweise gefährliche Situationen und Staus, da der Verkehr schlecht abfließen konnte." Daher gibt es das absolute Halteverbot.

Hofmann bittet "die Anlieger um Verständnis für die vorübergehende Verkehrsbelästigung". Die Bauarbeiten lägen gut im Zeitplan. "Einen Einfluss auf die Menge der Fahrzeuge und deren Geschwindigkeit haben wir leider nicht." Jedoch habe die Gemeinde Geschwindigkeitsmessgeräte aufgestellt.

Der Polizei in Bad Kissingen ist die Lage bekannt. Stellvertretender Dienststellenleiter Thomas Baumeister sagt, dass regelmäßige Geschwindigkeitsüberprüfung derzeit jedoch schwierig sei, da die Polizei aufgrund der Corona-Lage personell sehr ausgelastet sei. Bei einer vergangenen Messung vor Ort habe es in eineinhalb Stunden sieben Beanstandungen gegeben - mit Abzug der Toleranzgrenze. Der Spitzenreiter sei 48 Kilometer pro Stunde gefahren. "Im Rahmen unserer Möglichkeiten schauen wir uns das an."

Vom Landratsamt heißt es, dass das Straßenverkehrsamt sich der Problematik bewusst sei. Das Amt stünde mit den Beteiligten im Austausch. Das Halteverbot bestehe vor allem für die Busse, die über den Mehlesweg ausweichen und die Räumfahrzeuge für den Winterdienst. Laut der Pressesprecherin der Behörde, Nathalie Bachmann, laufen derzeit auf Wunsch der Gemeinde die Abstimmungen für die Sperrung der innerörtlichen Umfahrung für Lkw. Anliegern zum Gewerbegebiet Nüdlingen soll die Zufahrt jedoch weiterhin möglich sein.