Es geht um 2,5 Hektar Winterweizen, die gedüngt werden sollen. Kalkammonsalpeter ist zur Ausbringung vorgesehen. André Steiner muss berechnen, wie viel von dem Stickstoffdünger er für den Acker braucht. Ehe er dann einen Düngerstreuer entsprechend abdreht (einstellt), ist der eingesetzte Traktor auf einer 100-Meter-Strecke quasi zu kalibrieren. Es ist Teil seiner praktischen Abschlussprüfung als Landwirt.
"Es sind alle Arbeiten selbstständig vorzubereiten und die Maschinen für den Einsatz fertig zu machen", erklärt Ausbildungsberater Klaus Reininger. Es ist nur ein kleiner Teil der Prüfung. Drei Stunden am Vormittag und drei weitere Stunden am Nachmittag werden vier Teilnehmer an einem Tag auf dem Hof von Holger Heilingloh in Großwalbur geprüft. Insgesamt sind es in diesem Jahr 60 Anwärter auf den Landwirtsberuf. Auf fünf Höfen in den Landkreisen Coburg, Lichtenfels und Forchheim stellen sie sich in den Fachgebieten Tierproduktion und Pflanzenproduktion den Prüfer-Teams. Klaus Reininger ist dankbar dafür, dass sich Jahr für Jahr Betriebsleiter finden, die so eine Prüfung zulassen. "Drei Tage passiert auf dem Hof nichts außer der Prüfung, alles andere ist blockiert", sagt er. Da sei es hoch anzuerkennen, wenn jemand freiwillig eine Prüfung auf seinem Hof erlaubt.
28 der angehenden Landwirte haben so wie André Steiner die klassische duale Ausbildung durchlaufen. Nach einem Berufsgrundschuljahr haben sie die zweijährige Berufsschule in Kombination mit Ausbildung auf landwirtschaftlichen Betrieben durchlaufen.
Ein beachtlicher Anteil von 32 Prüflingen sind Seiteneinsteiger. Sie absolvierten das Bildungsprogramm Landwirt (BiLa). Das heißt, sie haben eine abgeschlossene Ausbildung ein einem außerlandwirtschaftlichen Beruf. Danach haben sie sich am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) über drei Jahre landwirtschaftliches Wissen angeeignet.
Der größte Teil der Prüflinge kam aus Oberfranken, allein 19 aus dem Kreis Bamberg, elf aus dem Coburger Land, zehn aus dem Landkreis Forchheim sechs aus dem Kreis Lichtenfels und drei aus Kronach.
Es gab aber durchaus auch "Exoten", die etwa aus Brandenburg, Sachsen oder dem Schwarzwald in die Region kamen, um sich auszubilden und prüfen zu lassen.
Für André Steiner traf es sich gut, dass er auf dem Hof von Holger Heilingloh an einem Melkroboter geprüft werden konnte. Auf dem elterlichen Betrieb des 19-Jährigen übernimmt ebenfalls ein Roboter das Melken der 65 Milchkühe. Bei der Prüfung muss der Roboter allerdings auf Handbetrieb geschaltet und praktisch wie eine gewöhnliche Melkmaschine benutzt werden. Sonst wäre es ja zu leicht. Doch Vormelken, das Euter der Tiere auf mögliche Krankheiten untersuchen und dergleichen ist für André Steiner ja nichts Neues.
Im Fach Pflanzenproduktion musste der junge Großwalburer den Prüfern Thomas Ehrsam und Stefan Hofmann beweisen, dass er einen Weizenbestand beurteilen und errechnen kann, mit welchem Ertrag von der untersuchten Fläche gerechnet werden kann. Eine Aufgabe, die er ebenfalls gut meisterte. "Beim ihm habe ich keine Angst", sagte denn auch Thomas Ehrsam am Ende der Prüfung, die von hoher Bedeutung ist. Der praktische Prüfungsteil zählt nämlich gegenüber der Theorie, die am Montag geprüft wird, doppelt.
Wer also im Stall und auf dem Feld eine gute Leistung vorgelegt hat, kann sich schon einen Patzer bei der Theorie erlauben. Nur eine Sechs darf ihm nicht passieren. "Wenn irgendwo eine Sechs auftaucht, ist man durchgefallen, egal wie die anderen Noten aussehen", sagt Klaus Reininger. Doch das sei selten vorgekommen.