Ein Lehrer macht den Auftakt. Mit Han's Klaffl nimmt am 21. Oktober der Veranstaltungsbetrieb im Kulturboden wieder Fahrt auf. Der Musentempel über der Marktscheune wird bis dahin einige Veränderungen erfahren haben. Stichwort: Hygienekonzept, Sicherheit, geringere Besucherzahl. Daher ist der Saal bei Klaffl auch schon ausverkauft.

Rund 50 Veranstaltungen - von Rock über Theater, Lesung, Comedy - gehen unter den veränderten Vorzeichen, die auch bauliche Veränderungen erfordern, bis Frühjahr 2021 in der Veranstaltungsstätte über die Bühne. Das berichteten Gaby und Wolfgang Heyder vom Veranstaltungsservice Bamberg (VSB) zusammen mit Bürgermeister Thomas Söder (CSU) und einigen der betroffenen Künstler am Donnerstag in Hallstadt vor Medienvertretern.

Es ist derzeit ein schwieriges Geschäft, die Veranstaltungs-Branche. Dass es kein Draufzahlgeschäft wird, dafür haben der Hallstadter Stadtrat wie auch die Künstler(agenturen) gesorgt. "Wir brauchen eigentlich 60 bis 65 Prozent Auslastung, jetzt kommen wir auf 32 bis 37 Prozent", sagte Gaby Heyder mit Blick auf die Raumkapazität und die Abstandsregeln, wodurch einige Abende, die schon vor Corona in den Vorverkauf gingen, mit einem Schlag ausverkauft sind. Und der Ehemann Wolfgang Heyder ergänzt. "Jetzt dürfen zwischen 120 und 135 Besucher rein." Allesamt mit Maskenschutz bis zum Sitzplatz und personalisierter Eintrittskarte (bei künftigen Käufen). "Damit werden wir kein Geld verdienen, aber unsere Mitarbeiter bezahlen können, wir bleiben aber im Risikobereich", lässt Heyder tief in die Bücher blicken.

Und dies funktioniere in Hallstadt nur durch die optimalen Rahmenbedingungen: mehrere Zugänge zum Saal, frei kombinierbare Bestuhlung und das aufgeschlossene Umfeld im Rathaus. Gaby Heyder: "Ja, wir wollen zeigen, dass wir noch da sind. Wir wollen unseren Beruf ausüben, die Künstler auch." Dies sei nun durch das Entgegenkommen der Stadt Hallstadt möglich.

Wie das genau aussieht, wollt Bürgermeister Söder nicht verraten. Aber so viel ließ er sich doch entlocken: Die Stadt übernimmt die baulichen Maßnahmen, wobei es über ein Programm für Spielstätten bis zu 90 Prozent an Zuschuss von der Bundesregierung gebe. "Sonst hätten auch wir das nicht geschafft." Aber auch finanziellen Erleichterungen hat der Stadtrat zugestimmt. "Wir wollen nicht, dass das, was seit 2015 aufgebaut wurde, kaputt geht. Wir versuchen in unserer Stadt zur Normalität zu kommen und Kunst und Kultur zu erhalten."

Söder erinnerte daran, dass der Kulturboden vor der Pandemie so stark gebucht war, dass "wir gar nicht alle Anfragen stemmen konnten". Und weiter: "Überall, wo ich hinkomme, höre ich positive Rückmeldungen, und das ist für einen Bürgermeister bestimmt keine alltägliche Erfahrung." Der Bürgermeister anerkannte auch die Bereitschaft der Künstler, die nun auf große Teile ihrer Gagen verzichteten. Dazu zählt auch Lokalmatadorin Heidi Friedrich (Auftritt am 4. Januar), die als Mitglied der Künstlerkasse drei Mal 1000 Euro an staatlicher Unterstützung erhalten hat. "Davon werden eventuelle Einnahmen aber wieder abgezogen." Sie wähnt die Kleinkunst-Branche "vor dem Abgrund" und meint zu ihren aktuellen Engagements: "Na ja, wir haben uns geeinigt. Es ist gerade noch zu machen."

Staatshilfe "erbärmlich"

Nicht anders beschreibt Liedermacher Wolfgang Buck seine Situation. "Bei mir sind 35 Veranstaltungen ausgefallen." Die Staatshilfe bezeichnete er als "erbärmlich". Buck: "Ich habe auch Steuern bezahlt. Aber irgendwie sind wir nicht auf dem Schirm der Politik. Uns hat es gleich am Anfang erwischt und wir sind die Letzten, die auf Normalität hoffen dürfen. Da viele nun aber von der Substanz leben, befürchte ich, dass einige dann gar nicht mehr da sein werden."

Zu den baulichen Maßnahmen verwies Gaby Heyder auf eine Anekdote, die sich in einem Gespräch mit einem Ministeriumsvertreter in Berlin zugetragen hatte: "Der wollte wissen, ob es die Spielstätte, für die die Anträge gestellt worden sind, überhaupt noch gibt, oder ob die schon geschlossen sei. Als ich ihm unser Programm geschickt habe, war er verdutzt und wollte es gar nicht glauben, dass so etwas in Hallstadt überhaupt möglich ist."

Zu den Einbauten zählt unter anderem auch Kameratechnik, die ein Streaming (Video-Liveübertragungen via Internet) möglich macht. Diese Option greift beispielsweise bei ausverkauften Veranstaltungen. "Eigentlich war ich skeptisch, aber die Streaming-Veranstaltungen ganz ohne Publikum während der Lockdown-Phase haben mich überzeugt, was Bild- und Klangqualität sowie Reichweite betrifft. Es war sensationell, wie viele Leute da reingeklickt haben."

Weitere Veränderungen ergänzte Hallen-Manager Uli Wrede. So werden künftig Getränke über WLAN per Handy bestellt und bezahlt werden können. "Man muss das Glas nur noch abholen. Dafür lassen wir uns etwas maßschneidern." Laufwege werden im Einbahnsystem ausgewiesen. Für Toilette, Raucher-Ecke und Aufzug arbeite man an Lösungen. Gaby und Wolfgang Heyder: "Unsere Besucher sollen sich so sicher wie daheim fühlen."

Neben den Musik- und Kabarettveranstaltungen startet auch die Theaterbühne (elf Aufführungen) wieder im November. Auch das Literaturfestival mit 25 Erwachsenen-Lesungen findet laut Wolfgang Heyder definitiv wieder statt. "Zudem arbeiten wir an Ideen wie Kinoaufführungen und Klassik-Darbietungen."

Die Hoffnung lebt

Und die Hoffnung auf die großen Open-Air-Veranstaltungen von Coburg, Kloster Banz über Schloss Eyrichshof bis Dinkelsbühl haben die Heyders auch noch nicht aufgegeben. "Es haben sich fast alle Künstler von 2020 auf 2021 umbuchen lassen."

Dass dies nicht ganz einfach war, zeigt das Beispiel von Martin Turner, der mit "Wishbone Ash" im November im Kulturboden auftreten sollte. "Wir haben mehrfach mit seinem Management gesprochen. Der kommt aus England einfach nicht raus."