Simone Bastian

Skaten, Spielen, Hindernisse überwinden: Die Trendsportanlage an der "Coburger Jugendeinrichtung", kurz Coje, soll vieles möglich machen. Nächstes Jahr im Sommer soll die Trendsportanlage fertig sein. Bis dahin soll auch ein Konzept stehen, wie die Kinder und Jugendlichen, die sich dort treffen, betreut werden können.

Derzeit hat der Stadtjugendring (SJR) Coburg das uneingeschränkte Nutzungsrecht über das Gelände an der Rosenauer Straße 45. Doch womöglich nicht mehr lange: Das Amt für Jugend und Familie hat ein Papier vorgelegt, wonach die Stadt das Gebäude wieder in Eigenregie übernehmen will. "Rahmenkonzeption 2030" sind die sieben Seiten überschrieben. Einleitend geht es darum, dass die offene Jugendarbeit in Coburg sich verändern wird - wegen der demografischen Entwicklung (weniger Jugendliche in den nächsten zehn Jahren), wegen des Ausbaus der schulischen Ganztagsbetreuung und wegen der Trendsportanlage.

Die Schlussfolgerungen: Unterm Strich soll an der Jugendarbeit nicht gespart werden. Ein "hoher siebenstelliger Betrag" werde alljährlich für die Jugendarbeit ausgegeben, sagt der zuständige Dritte Bürgermeister Thomas Nowak (SPD). Aber: Das Geld soll anders verteilt werden. Das Rahmenkonzept sieht vor, dass an der Coje "die offene Kinder- und Jugendarbeit neu installiert" wird. Offene Kinder- und Jugendarbeit findet derzeit in den Einrichtungen des Vereins Domino statt: Im Jugendzentrum (Juz) am Anger und im Kinderzentrum (Kiz) in der Judengasse. Das Juz, so steht es in der Rahmenkonzeption, soll zum "Jugendkulturzentrum" werden. Das ist das Juz Domino zum Teil jetzt schon: Die Jugendlichen organisieren zusammen mit den Pädagogen Veranstaltungen vom Punkkonzert über die Schlagerparty bis zum Salsa-Kurs, erzählt Domino-Geschäftsführerin Johanna Schilling.

Während Corona lief natürlich nichts, aber der Betrieb startet langsam wieder. Das gilt auch für die Coje, wo etliche Jugendverbände ihre Räume haben. Das soll auch so bleiben, heißt es in der Rahmenkonzeption. Doch den Grundlagenvertrag mit dem SJR will Nowak kündigen - das Haus soll künftig unter städtischer Regie betrieben werden. Eine Begründung dafür: Wegen des Baus der Trendsportanlage habe die Stadt mit dem Bayerischen Jugendring als der Gesamtkörperschaft verhandeln müssen, sagt Thomas Nowak, der selbst vor 30 Jahren SJR-Vorsitzender war. "Über unsere Liegenschaften würden wir als Stadt gern wieder entscheiden - mit dem Jugendring vor Ort."

Nowak schwebt ohnehin mehr vor: "In Zeitfenstern, die nicht von der Jugendarbeit genutzt werden, soll die Möglichkeit bestehen, auch Angebote für andere Gruppen, wie Selbsthilfegruppen oder Senioren anzubieten."

"Partnerschaftlicher Dialog"

Etwas, was bisher nicht möglich ist, wie Alexander Müller sagt, der Vorsitzende des SJR. Nicht, weil der SJR das Haus nicht teilen wolle, sondern weil der Vertrag mit der Stadt das nicht erlaube. Andererseits sieht Müller aber auch Schwierigkeiten, wenn externe Gruppen Räume belegen, über die einzelne Verbände bislang frei verfügen können. Dort lagern die Verbände ihre Materialien, dort können sie sich auch spontan treffen, ohne auf Belegungspläne Rücksicht zu nehmen. Müller sieht in dem Rahmenkonzept "rote Linien" überschritten. "Das ist ein Wahnsinnseinschnitt für die gesamte Coburger Jugendarbeit", sagt er.

Doch nun sollen erst mal Gespräche geführt werden, mit dem Rahmenkonzept als "Arbeitspapier". So hat es der Jugendhilfesenat am Mittwoch beschlossen. Nowak selbst betont, dass es um "partnerschaftlichen Dialog" mit SJR und Domino gehe. Es sei für ihn auch vorstellbar, dass der Verein Domino den Bereich offene Jugendarbeit in der Coje übernehme. Aber, das sagt Nowak auch: Mehr Geld für mehr Personal will er nicht ausgeben.