Dynamic Pricing: Zahlen Gäste im Restaurant je nach Uhrzeit bald unterschiedliche Preise?

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Andere Preise, je nachdem, zu welcher Tageszeit du essen gehen willst: Ist dieses Modell die Zukunft in der Gastronomie? Wir beleuchten für dich den Hintergrund.

Wer heute einen Flug buchen möchte, kennt das schon: Der Preis für ein Flugticket ändert sich je nach Nachfrage und nach Buchungszeitraum. Auch bei Hotelzimmern ist dies in der Buchungspraxis längst Usus. Das Prinzip nennt sich Dynamic Pricing und könnte künftig auch in der Gastronomie normal werden. Ist der Restaurantbesuch dann für Gäste überhaupt noch kalkulierbar? Und warum ist Dynamic Pricing für die Gastronomie eine Chance? 

Darum ist Dynamic Pricing interessant

Keine festgelegte Preisliste mehr, sondern ein System, das die Preise über den Monat, die Woche, ja sogar den Tag, flexibel neu gestaltet. Dynamic Pricing beschreibt eine Preisstrategie, bei der Preise flexibel angepasst werden. Abhängig ist dies zum Beispiel von Nachfrage, Uhrzeit, Wochentag oder verfügbaren Kapazitäten. In Branchen wie der Luftfahrt oder der Hotellerie gehört Dynamic Pricing längst zum Alltag.

Auch in der Gastronomie rückt das Konzept zunehmend in den Fokus. Der Grund dafür ist auf Gastronomenseite recht einfach. Moderne Reservierungs- und Kassensysteme liefern detaillierte Daten über Gästeströme, Stoßzeiten und Umsatzentwicklung. Auf dieser Basis könnten Restaurants Preise gezielt variieren. Das betrifft etwa günstigere Menüs am frühen Abend oder höhere Preise zu besonders stark nachgefragten Zeiten.

Ein attraktiver Grund, um Dynamic Pricing in einem Restaurantbetrieb einzuführen, ist die Kalkulation mit Gästezahlen, Auslastung und Personalkosten. Denn während die Kosten für Personal steigen, haben sich das Reservierungsverhalten der Gäste und die Motivation, auswärts essen zu gehen, verringert. Experten sehen im Dynamic Pricing ein Instrument zur besseren Auslastungssteuerung. Während Stoßzeiten ohnehin schnell ausgebucht sind, bleiben andere Zeitfenster oft wenig genutzt. Durch flexible Preise könnten Restaurants Gäste gezielt in ruhigere Zeiten lenken und so ihren Umsatz stabilisieren.

Dynamic Pricing in der Praxis

Was bedeutet Dynamic Pricing in der Praxis für Gäste, die sich spontan entscheiden, am Abend essen gehen zu wollen, oder die in der Mittagspause einen Snack benötigen? Keine Sorge: In der Gastronomie geht es beim Dynamic Pricing nicht um ständig wechselnde Preise im Minutentakt, die keine Planungssicherheit mehr beim Gast erlauben würden. Beim Dynamic Pricing geht es  um klar definierte Preisfenster.

So könnte Dynamic Pricing in der Gastronomie beispielsweise aussehen: Es gibt ein Early-Bird-Angebot mit günstigeren Preisen für Reservierungen am frühen Abend. Kennt der Gastronom das Gästeverhalten innerhalb einer Woche, sind auch Wochentagsrabatte mit reduzierten Preisen an traditionell schwächeren Tagen wie Montag oder Dienstag denkbar. Ein Preisdumping soll allerdings vermieden werden.

Dynamic Pricing bedeutet allerdings nicht nur, dass es Rabatte und Sonderaktionen gibt. Die Preise könnten auch teurer werden, zum Beispiel zu Premium-Zeiten. Wahrscheinlich sind leicht höhere Preise für stark nachgefragte Slots, zum Beispiel am Wochenende oder zu besonderen Feiertagen und Veranstaltungen. Dann können eventabhängige Preise mit besonderen Arrangements verbunden werden.

Akzeptieren Gäste variable Preise?

Dynamic Pricing findet vereinzelt bereits Anwendung. Etwa dort, wo es eine flexible Tageskarte gibt, die sich jeden Tag ändert. Aber in der breiten Anwendung wird es noch zögerlich eingesetzt. Ob Dynamic Pricing in Restaurants bei den Gästen tatsächlich breite Akzeptanz findet, hängt stark davon ab, wie transparent es umgesetzt wird.

Während Rabatte für frühere Reservierungen meist positiv wahrgenommen werden, reagieren Gäste sensibel auf Preiserhöhungen zu Stoßzeiten. Vor allem zu Feiertagen, wenn viele Familien zusammen essen gehen möchten und dieses Erlebnis mit höheren Kosten verbunden ist, sollte die Preisgestaltung transparent gehalten werden. 

Um Dynamic Pricing in der Gastronomie zu etablieren, raten Branchenexperten wie Gastro News zu klarer Kommunikation. Gäste sollten bereits bei der Reservierung sehen können, welche Preise zu welcher Zeit gelten. Wird das Modell verständlich erklärt, kann es sogar als Vorteil wahrgenommen werden, etwa wenn preisbewusste Gäste gezielt günstigere Zeitfenster wählen können. Gleichzeitig müssen Gastronomiebetriebe darauf achten, dass die Preisstruktur nicht als unfair empfunden wird. Zu starke Schwankungen könnten das Vertrauen der Gäste beeinträchtigen.

Vorschaubild: © KI-generiertes Symbolbild/Gemini