In der Schule "blau" zu machen, ist illegal. Immerhin herrscht hierzulande Zucht, Ordnung und Schulpflicht. Letztere trifft für die Mitglieder der Stadtsteinacher Kulturinitiative "Die Wüste lebt" allerdings nicht zu. Denn die Herrschaften der zwanglosen Gemeinschaft, die sich ansonsten freitagabends unter dem Alten Rathaus trifft, sind aus dem schulpflichtigen Alter schon längst raus.

Deshalb war die Veranstaltung "Die Schule macht blau" am Kerwa-Samstag auch ein völlig gesetzeskonformes Event. Dazu hatten die besagten Herrschaften bereits ab Nachmittag in die "Alte Schule" auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes eingeladen, die ab Einbruch der Dunkelheit dann auch blau illuminiert war.

Nein, der Hut und der blau gewandete Dummy, der gleich am Schulhauseingang sprichwörtlich auf der Schnauze lag, sollte nicht auf zunehmende Alkoholsucht in Schulen hindeuten. Ein wenig Skurrilität muss halt bei "Die Wüste lebt" sein.

Werke zu ersteigern

Obwohl es im Erdgeschoss gleich ernsthaft künstlerisch zuging: Für eine stille Versteigerung hingen und lagen Bilder bereit, die man, bei Höchstgebot, haben konnte. Immerhin Werke unter anderem auch von renommierten Künstlern wie Harald Burger und Nicki Lang. Aber auch eine alte Singer-Nähmaschine aus dem letzten Jahrhundert konnte erstanden werden.

Vom Erlös der gestifteten künstlerischen Arbeiten soll die Inschrift über der Einganstür renoviert werden - sachgerecht von einem erfahrenen Steinmetz. Ein offenes Haus war die "Alte Schule" bis Mitternacht und auch noch am Sonntag. Allerdings nur am Samstag mit Programm, das ganz unterschiedlich wahrgenommen wurde.

In der "Alten Schule" faszinierte am Nachmittag "Kinderzauberer Markus". Er hat einfach einen Draht zu seinem Publikum. Er stellt sich dumm, denn die Kinder sind selber schlau, scheint sein Prinzip zu sein. Markus Sperber aus Weismain, hauptberuflich im öffentlichen Dienst beschäftigt, bietet Überraschungen. Da ist sein Zauberstab, der entweder zu klein oder viel zu groß ist - oder versehentlich wie eine Klobürste aussieht. "Zaubern für Kinder ist schwieriger, da Kinder das anspruchsvollere und vor allem auch das ehrlichere Publikum sind", sagt er nach der Vorstellung. "Kinder klatschen nicht aus Höflichkeit, sondern nur, wenn sie einen Trick wirklich toll finden." Er lässt die Kinder selbst mitmachen.

Jazzclub im Schulzimmer

Voll war es in der "Alten Schule" auch am Abend - zur Musik des Beka-Gigauri-Trios (Beka Gigauri, Klavier, Georg Hofmann, Bass, und Hans-Jörg Lorenz am Schlagzeug), das das ehemalige Schulzimmer des Frankenwaldtheaters in einen Jazzclub verwandelte mit blues-groovigen und swingenden Improvisationen.