Es ist ein Begriff, der aufhorchen lässt: Güllelagune. Ein See aus Schwemmmist? Landwirte, die diese Form der Lagerung für die in ihren Ställen anfallende Gülle beantragen, stoßen auf Widerstand. Sie müssen sich der Frage stellen, wie sie ausgerechnet auf diese Idee kommen, warum jetzt und nicht in all den Jahren zuvor.

Auf die Frage, warum Landwirte jetzt vielerorts Güllelagunen bauen wollen, antwortet Hans Rebelein, Geschäftsführer beim Bayerischen Bauernverband in Coburg: "Landwirte wollen eigentlich keine Güllelagunen bauen. Ihnen wäre lieber, sie könnten eine Güllegrube in der Nähe des Stalles errichten." Dass sie nicht tun, was sie lieber tun würden, erklärt Hans Rebelein mit einem Ausflug in die Weiten der Bürokratie zwischen Brüssel und Berlin. Er verweist auf die Düngeverordnung, die 2017 erlassen und wenig später mit einer Anlageverordnung ergänzt wurde.

Weniger Zeit und weniger Fläche

Die Verordnung regelt die Ausbringung vor allem von Wirtschaftsdünger. Das ist der Sammelbegriff für alles Organische, was zur Düngung eingesetzt wird; Jauche, Mist, Gärreste aus der Biogasanlage oder eben Gülle fallen darunter. Auf gesellschaftlichen Druck führt es Hans Rebelein zurück, dass diese Verordnung die Zeit, in der Gülle ausgebracht werden darf, stark eingrenzt.

Erlaubte Mengen werden reduziert und es wurden Gebiete ausgewiesen, in denen die Auflagen noch strenger sind, um das Grundwasser zu schützen. Wenn der Landwirt nun aber länger als bisher gar keine Gülle ausbringen kann, die Flächen immer kleiner werden, auf die er sie fahren darf, und er einkalkulieren muss, dass ihm das Wetter einen Streich spielt, dann braucht er mindestens für acht Monate Lagerraum für seine Gülle.

Material, das es nicht gibt

An dieser Stelle beginnt das große Kopfschütteln in Sachen Bürokratie. Die Anlageverordnung legt nämlich fest, wie so eine Güllegrube auszusehen hat, die die Bauern lieber errichten möchten. "Seit die Verordnung gilt, müssen alle verwendeten Materialien und das ausführende Bauunternehmen zertifiziert sein", sagt Hans Rebelein. Problem: Baustoffe, die diese Zertifizierung haben, sind praktisch gar nicht am Markt zu bekommen oder so teuer, dass kein Betrieb sich so eine Grube leisten kann.

Was tun? "Wir hatten deshalb vor etwa einem Jahr ein Gespräch mit Vertretern des Amtes für Landwirtschaft und dem Landratsamt, wie die dringend benötigten Gruben genehmigt werden könnten", berichtet Hans Rebelein. Dabei stellte sich heraus, dass alle Materialien, die für den Bau einer Güllelagune gebraucht werden, zertifiziert verfügbar sind. Diese sollten daher schneller genehmigungsfähig und günstiger zu bauen sein.

Anwohner fürchten Gestank

Nun wurde in Rödental eine solche Lagune beantragt - und erhielt nicht das Einvernehmen der Stadt. Erneut nicht. Denn bereits im Frühjahr vergangenen Jahres hatte ein Landwirt den Antrag gestellt. Da wurde gefordert, an einigen Stellen nachzubessern. Nun taten sich mehrere Landwirte zusammen und stellten den - nachgebesserten - Antrag als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GdbR). Doch Anwohner fürchten Geruchsbelästigung, und so gab es erneut kein Einvernehmen.

"Nachdem mit der Genehmigungsbehörde das Vorgehen abgesprochen wurde, sind wir doch etwas verwundert über die negative Stellungnahme des Bau- und Umweltsenats der Stadt Rödental", sagt Hans Rebelein. Schließlich seien die neuen Auflagen für die Landwirtschaft ja gerade mit Blick auf den Umweltschutz gemacht worden. Der Senat müsse eine Anlage, die genehmigungsfähig ist, auch genehmigen, ist Hans Rebelein überzeugt.

Gemeinsam günstiger

Dass sich mehrere Landwirte, die vor dem gleichen Problem stehen, zusammentun, erscheint ihm vernünftig. Erstens sind die Kosten für jeden Betrieb niedriger und zweitens werden dadurch nicht mehrere Gülledepots an verschiedenen Stellen nötig. Dass der Bausenat der Stadt sein Einvernehmen nicht erteilt hat, ist nicht das letzte Wort. Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt. Sollte man dort zur Überzeugung kommen, die Lagune sei genehmigungsfähig, könnte diese trotz der Ablehnung der Stadt genehmigt werden.

In einem Stall mit 100 Milchkühen wird mit einer Menge von 5,5 Kubikmetern Gülle am Tag gerechnet. Entsprechend groß muss der Lagerraum dafür ausfallen, wenn von acht Monaten ausgegangen wird, in denen die Gülle nicht als Dünger ausgebracht werden kann. Da auch die Menge begrenzt ist, die pro Hektar auf Äcker oder Wiesen gefahren werden darf, sind die Bauern froh, wenn ihnen Berufskollegen ohne Tierhaltung Gülle abnehmen, um ihre Flächen damit zu düngen. Die müssen den Dünger oft nicht einmal bezahlen.

Gülle on Tour

Das Handelsblatt berichtete aber auch schon über internationalen Güllehandel. Weil große Tierhaltungsbetriebe in den Niederlanden noch größere Probleme haben, ihre Gülle loszubekommen, fahren sie demnach ihren Wirtschaftsdünger nach Deutschland und zahlen Landwirten für die Abnahme. Nach Angaben der Zeitschrift "agrar heute" werden bis zu 18 Euro je Kubikmeter an die Abnehmer gezahlt. Die haben durchaus auch ihre Probleme. Maschinen für die bodennahe Ausbringung der Gülle sind immens teuer und etwa an Hanglagen kaum einsetzbar. Gleichzeitig darf weniger Gülle auf die Fläche. Die ausgebrachte Menge muss 20 Prozent unter dem eigentlichen Stickstoffbedarf bleiben.

Berufsverbände mahnen daher, dass die Auflagen immer mehr Betriebe mit Tierhaltung bewegen werden, ihre Ställe leer zu lassen. Damit verlagere sich die Fleisch und Milchproduktion in Länder, in denen mit weit geringeren Auflagen produziert werden kann.