von unserem Mitarbeiter Klaus Klaschka

Himmelkron — Manduchai Chatun gilt als eigentliche Herrscherin der Mongolei ab der Mitte des 15. Jahrhunderts. Sie war, zunächst, die Nebenfrau des Manduul Khan und dies, wahrscheinlich, in erster Linie, da der Khan (König) seine Truppen aus der Gefolgschaft von Manduchais Vater verstärken wollte.
Tanja Kinkel hat die Geschichte von Manduchai in einem Roman fiktiv nachgezeichnet. Aus diesem Buch las sie jetzt im Rahmen des Himmelkroner Kultursommers im evangelischen Gemeindehaus Grampp.

Mit vielen Preisen ausgezeichnet

Tanja Kinkel ist in Bamberg geboren, studierte in München und weiter durch Stipendien in Rom und Los Angeles und wurde bereits mit zahlreichen Literatur-Preisen ausgezeichnet. Sie schrieb bereits mit zehn Jahren ihre erste größere Geschichte und hat bis jetzt 15 Romane veröffentlicht - der 16. soll im Herbst erscheinen.
Etwa zwei Jahre braucht sie, um ein Buch fertigzustellen. Davon etwa sechs Monate zum Schreiben.
Der größte Teil der Arbeit besteht aus Recherche: zunächst in Bioliotheken und schließlich vor Ort. "Es wäre für mich undenkbar gewesen, einen Roman zu schreiben, der in der Mongolei spielt, ohne tatsächlich dort gewesen zu sein. Ich habe versucht, mich in die Mentalität der Menschen dort hineinzufinden. Und das war erst möglich, indem ich in Jurten mit ihnen gelebt habe," sagt sie im Gespräch mit der BR.

Weibliche Vorgehensweise

Tanja Kinkel las zwei längere Passagen aus ihrem Buch. Sie schildert darin die eher weibliche Vorgehensweise, eine Aufgabe zu erledigen beziehungsweise ein Problem zu lösen. Zum einen, wie die junge Manduchai durch List im positiven Sinn das Pferd des Gesandten eines anderen Stammes einholt, das sich an sich nur von seinem Reiter widerstandslos führen lässt. Sie nutzt dazu die normalen Instinkte des Pferds, das seiner Natur gemäß mitrennt, wenn sich eine Herde um es herum bewegt. (Ein Junge hätte an ihrer Stelle womöglich versucht, das Pferd zu fixieren, um es mit Gewalt und Kraft an die Kurte zu bringen.) Dadurch erfährt Manduchai Respekt in einer generell nur männlich geführten Gesellschaft.
In einer weiteren Episode aus ihrem Buch stellte Tanja Kinkel die ältere Manduchai vor, wie sie im Zug eines öffentlichen Gerichts über einen Ehebruch gegen Leute aus ihrem Stamm selbst Verantwortung übernimmt, die Tatsachen direkt erkundet und gleich die dafür vorgesehen Strafe vollzieht. Sie kürzt damit die womöglich männliche Vorgesehensweise ab, die zunächst ein Geständnis der beschuldigten Frau durch Torturen erzwingen will, um sich selbst die eigene Macht gegenüber einer Schwächeren zu demonstrieren.
Dennoch: Tanja Kinkel liegt es fern, feministische Literatur zu schreiben. Obwohl die weitere Protagonistin ihres Romans auch eine zu Macht gelangte Frau ist: die Kinderfrau Wan des kindlichen Kaisers Chenhua, die über ihren Einfluss auf den nominalen Herrscher selbst Macht ausübt. Kinkel beschreibt diese mächtigen Frauen in alltäglichen Situationen der damaligen Zeit, ohne feministische Ideologien zu verkünden.
Und sie schildert mehr oder minder klar überlieferte historische Umstände in fiktiven alltäglichen Situationen.