2020 war - wie für viele andere Kommunen auch - kein einfaches Jahr für die Marktgemeinde Wachenroth. Gravierend ist der Einbruch bei der Gewerbesteuer. Erschwerend kam hinzu, dass das Rathaus über Monate ohne Kämmerer auskommen musste und vieles liegen geblieben ist. Nicht zuletzt ist es auch der Pandemie geschuldet, dass der Haushalt 2020 erst jetzt - Anfang Dezember - vorgelegt werden konnte.

Ohne jedwede Diskussion billigten die Räte einstimmig den vom neuen Verwaltungsleiter vorgelegten Etat. Der Verwaltungshaushalt mit 4,74 Millionen Euro ist um gut zehn Prozent niedriger als im Vorjahr angesetzt. Das Volumen des Vermögenshaushalts ist gegenüber 2019 sogar um die Hälfte auf nunmehr 1,56 Millionen Euro zurückgegangen.

Für Verwaltungsleiter Jürgen Reingruber, der erst im Oktober seinen Dienst angetreten hat und seither die kommunalen Finanzen in die Hand nimmt, war es der erste Haushalt in der Marktgemeinde. Im nächsten Jahr wolle er den Haushaltsplan spätestens im März vorlegen, versicherte Reingruber. Vor Erstellung des Haushalts 2021 wünsche er sich jedoch die Einberufung des Gemeindeentwicklungsausschusses. In diesem Kreis sollen die Weichen für die Investitionen der nächsten fünf Jahre gestellt werden.

Seit vier Jahren im Sinkflug

Im Verwaltungshaushalt lässt vor allem die Gewerbesteuer aufhorchen: Im Jahr 2016 noch bei 1,6 Millionen Euro, ist sie bereits in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich gesunken. Mit 196 000 Euro in diesem Jahr ist sie an einem Tiefpunkt angekommen. Kein Wunder auch. Das bekannte Bekleidungshaus Murk musste im Corona-Jahr über Wochen hinweg "zusperren".

Zwar bekommt die Marktgemeinde seit 2019 wieder eine Schlüsselzuweisung, doch diese vermag den Einnahmenverlust nicht auszugleichen, erklärte Reingruber. Zum Glück seien auch die Einnahmen aus der Einkommensteuer seit vier Jahren stetig gestiegen. Die Personalkosten machen einen Großteil der Ausgaben des Verwaltungshaushalts aus. Die Gesamtsumme von 1,2 Millionen beinhaltet - vom Bürgermeister über die Verwaltung, die Kindergärten und den Bauhof bis zum Reinigungspersonal - den gesamten Personalaufwand.

Wer es versteht, aus dem Zahlenwerk zu lesen, wird feststellen, dass der Stellenplan auch eine "Doppelbesetzung in der Einkommensgruppe 12" ausweist. Natürlich wurde über diese "Doppelbesetzung" bei der Haushaltsverabschiedung kein Wort verloren, da Personalangelegenheiten nicht in der Öffentlichkeit behandelt werden dürfen. Mit Sicherheit ist jedoch anzunehmen, dass es sich dabei um die Stellen in der Geschäftsleitung handelt. Kämmerin Jasmin Götze, mit der die Gemeinde im Rechtsstreit lag, ist laut Urteil des Arbeitsgerichts weiter zu beschäftigen und steht somit auch auf der Gehaltsliste.

Rücklagen sind aufgebraucht

Der Einbruch der Gewerbesteuer habe dazu geführt, dass die Rücklagen der Marktgemeinde mittlerweile aufgebraucht seien, führte Verwaltungsleiter Reingruber in seinem Bericht an. Gut 50 000 Euro konnte er dennoch auf die hohe Kante legen, womit die gesetzlichen Vorgaben auch erfüllt sind. Für die kommenden Jahre sprach er von einem "Lichtblick" für die Ansammlung von Rücklagen.

Im Vermögenshaushalt fällt vor allem die Umgestaltung des Ortskerns ins Gewicht. 520 000 Euro an Rechnungen seien bereits beglichen worden, so Reingruber. Fördermittel seien bislang erst in Höhe von 320 000 Euro eingegangen, so dass die Gemeinde in Vorleistung gehen musste. Nach einer Tilgung von mehr als 400 000 Euro in 2020 liegt der Schuldenstand zum Ende dieses Jahres bei 1,9 Millionen Euro, was bei 2255 Einwohnern einer Pro-Kopf-Verschuldung von 868 Euro entspräche. Die zur Tilgung anstehenden Darlehen hätten Zinssätze bis zu 4,5 Prozent. Nach den aktuell sehr günstigen Darlehenszinsen müsse - sofern dies vertraglich möglich sei - über eine Umschuldung nachgedacht werden, so Reingruber.