Michael Busch Ein großzügiges Wabensystem soll es im VGN-Gebiet geben. So möchten es zumindest JU-Stadt- und Kreisräte aus ganz Mittelfranken, die sich auf Einladung des Herzogenauracher Maximilian Stopfer trafen. Der Vorsitzende der JU-Kreistagsfraktion Erlangen-Höchstadt wollte mit den jungen Politikern eigene Ideen und gemeinsame Strategien zur Zukunft des VGN diskutieren. Größter Diskussionspunkt dabei: das 365-Euro-Ticket.

Pendler zahlen maximal 1095

Doch nicht in der vorgelegten Form, sondern ein wenig umgestaltet, nämlich im Wabensystem. "Eine Wabe ist dann mit Kosten von 365 Euro im Jahr verbunden", erklärt Stopfer in einer Pressemitteilung. Hintergrund: Der durchschnittliche Pendler brauche zwei bis drei dieser Waben, um vom Wohnort zum Arbeitsplatz zu gelangen, und habe dann maximal 1095 Euro im Jahr zu zahlen. Teurer werde es aber nicht, ab der dritten Stufe sei das gesamte VGN-Gebiet im Preis enthalten. "Wir wollen mit dem 1-2-3-Ticket die gesamte Region mitnehmen und das Busfahren im Vergleich zum Auto noch attraktiver machen", so der Fraktionsvorsitzende.

Die momentane Lösung und die angestrebte Nürnberger Insellösung kritisieren die Vertreter der JU allerdings. Der Nürnberger Stadtrat Daniel Frank betonte: "Es ist für uns als Nürnberger natürlich wichtig, städteübergreifend und für die gesamte Region tragfähige Lösungen zu erarbeiten. Nur so können wir die Verkehrsströme

der Zukunft klimaschonend lenken und den ÖPNV noch attraktiver machen."

Allerdings müsse der Blick auch auf das Geld geworfen werden. Gerade mit Hinblick auf die coronagebeutelten Finanzen von Freistaat und Kommunen müsse aber Realismus angemahnt werden: "Einmal 365 Euro für jede Fahrt von Haßberge bis Treuchtlingen ist unbezahlbar, unrealistisch und auch unnötig", so der JU-Bezirksvorsitzende und Herzogenauracher Stadt- und Kreisrat Konrad Körner. Den jungen Kommunalpolitikern schwebt deswegen ein an die Metropolregion angepasstes Modell vor: Das Wabenmodell. Dieser 1-2-3-Tarif (3x365 Euro) werde in Österreich bereits eingeführt, um das Wiener 365-Euro-Ticket auf das Umland zu erweitern. "Auf den meisten Strecken bei uns entspricht das einem Rabatt von über 50 Prozent. Das wäre die größte Preissenkung im ÖPNV aller Zeiten", erklärt Stopfer.

Die JU betont aber, dass es auch für Gelegenheitsfahrer, die kein Abo abschließen wollen, attraktive und vor allem einfache Möglichkeiten geben müsse, den ÖPNV zu nutzen. Hierzu solle die vom VGN schon vorgeschlagene Möglichkeit einer einfachen kilometerbezogenen Abrechnung mit Kilometerrabatt schnell umgesetzt werden. Langfristig könne so dann digital eine kostengünstige nutzenbezogene Abrechnung starre Einzelticket- und Abomodelle auch ablösen.

Erste Schritte bei der Realisierung

Der Landkreis Erlangen-Höchstadt (CSU-Landrat) und die Stadt Erlangen (SPD-Oberbürgermeister) gehörten in der Vergangenheit zu den treibenden Kräften in Sachen 365-Euro-Ticket. Ein erster Schritt ist nun vollzogen mit dem Angebot an Schüler und Auszubildende. Bis spätestens 1. Januar 2023 will Nürnberg diese Ticketart für alle Nutzer anbieten.

Bereits jetzt weiß man allerdings um Mindereinnahmen von gut 60 Millionen Euro. Erhofft wird sich allerdings eine dauerhafte Entlastung des Individualverkehrs und die Erkenntnis, dass der öffentliche Nahverkehr eine gute Alternative, wenn nicht sogar die bessere Lösung für die Bewegung sei. Mit Waben oder ohne.