Acht Jahre lang betrieben die begeisterten Kletterer Tanja und Uli Weidner aus Köln ein Klettercamp in Laos und erlebten dort Höhen und Tiefen. Zuletzt konnten sie nicht mehr, es hat sie krank gemacht.

Ihre neue Heimat fanden die beiden nun in Nankendorf, wo sie sich ein Haus bauten und von den Einheimischen herzlich aufgenommen wurden. Tanja Weidner hat ein Buch mit dem Titel "Zwei Kartoffeln in Laos" geschrieben, in dem sie über ihre Erlebnisse im einzigen Binnenland Südostasiens berichtet. Für die Laoten sind die Deutschen die Kartoffeln.

Auf einer Reise verliebten sich die gelernte Gymnastiklehrerin und der Schreiner in Laos in ein Klettergebiet und in eine Geschäftsidee: ein Klettercamp mit Bungalows und Restaurant. Tanja Weidner hatte zuvor schon in Deutschland ein Restaurant betrieben. Ihre gesamten Ersparnisse von rund 45 000 Euro steckten sie in den Aufbau ihres Camps in Laos, das einmal komplett abbrannte - ein anderes Mal ging das Restaurant in Flammen auf.

Zuletzt konnten sie nicht mehr. Tanja Weidner bekam Schwindelattacken, ihr Mann stand vor dem Burnout. "Es war aber eine schöne aufregende Zeit", sagen die beiden Neu-Waischenfelder, die heute wieder lachen können und sehr glücklich in ihrer neuen Heimat sind. "Die Menschen hier sind alle sehr nett, und besonders gut ist das Schroll-Bier und die Schäufele", sagt Tanja Weidner.

Und natürlich die Landschaft mit den vielen tollen Wanderwegen und unzähligen Kletterfelsen. "Die Fränkische Schweiz ist eines der weltweit bekanntesten Klettergebiete. Deshalb zog es uns auch hierher, auch weil wir die Gegend ja schon von früher kannten." Tanja und Uli Weidner gingen schon zusammen zur Schule. Danach verloren sie sich aus den Augen, trafen sich 2009 beim Hobbyklettern wieder und heirateten. Mit mehreren Leuten waren sie da über Ostern in einer Ferienwohnung in Pottenstein zum Klettern. Später dann fast jedes Jahr auf dem Campingplatz beim Gasthof Eichler in Obertrubach.

Als sie dann nach ihrer Rückkehr aus Laos ein Grundstück suchten, um darauf ihr neues Haus zu bauen, war klar: Es konnte nur in der Fränkischen Schweiz sein. "Wir waren drei Wochen auf dem Campingplatz in Obertrubach und am Ende blieb als einzige Option das Grundstück am Lochberg in Nankendorf übrig, in das wir uns schon wegen der herrlichen Lage verliebt hatten", so Tanja Weidner. Sie lernten als einen der ersten den ehemaligen Bürgermeister Edmund Pirkelmann kennen. Besonders imponiert hat den beiden dabei, dass die Stadt Waischenfeld den Gasthof Polster Bräu einem NPD-Funktionär vor der Nase weggekauft hatte.

Aus dem Nichts aufgebaut

Acht Jahre lang hatten sie zuvor in einem Tal in Laos gelebt, zwölf Kilometer von der nächsten Stadt entfernt, und dort ein Klettercamp betrieben, das sie aus dem Nichts aufgebaut hatten. Gestartet waren sie als kraxelnde Backpacker. Zwei Jahre hatten sie gespart und sechs Monate sollte ihre Weltreise dauern. Von Laos, einem der am wenigsten entwickelten Länder Südostasiens, hatten sie zuvor noch nie etwas gehört. Das Tal, das ihr Zuhause werden sollte, zog sie deshalb an, weil sie erfahren hatten, das dort eine Klettergruppe aus Bamberg 50 Kletterrouten in den Fels gebohrt hatte.

"Allein schon der Weg dorthin war atemberaubend. Sobald wir die Stadt Thakek hinter uns gelassen hatten, eröffnete sich ein traumhafter Blick auf eine Karstlandschaft mit sägezahnartigen, in der Morgensonne schimmernden Felsen. Wir verbrachten dort wundervolle Tage, und schleichend kam dabei der Gedanke hoch: Könnten wir hier ein Klettercamp aufbauen?

Ausländer dürfen in Laos jedoch nur mit einem einheimischen Partner, der die Mehrheit der Anteile hält, eine Firma gründen. Mithilfe eines Bamberger Kletterers, der das Gebiet entdeckt hatte, fanden sie einen einheimischen Geschäftsmann, der von ihrer Idee sofort begeistert war. Er stellte sie an, und Tanja Weidner hielt zwei Jahre Vorbereitungszeit für realistisch. "Das ist zu spät, wir können in zwei Wochen starten", so ihr laotischer Geschäftspartner, der eine Art Vertrag ausarbeitete, aber gleich nachschob, dass sie als Ausländer bei Streitigkeiten den Kürzeren ziehen würden, wenn es hart auf hart komme.

Es folgten schlaflose Nächte. "Die Ausgangslage war eigentlich gut: Mein Mann Uli und ich sind beide erfahrene Kletterer, er ist ausgebildeter Schreiner, ich habe BWL studiert, früher eine Bar betrieben und besitze als Gymnastiklehrerin auch pädagogisch-didaktische Fähigkeiten. Und wir hatten nicht viel zu verlieren: zwei Jobs, in denen wir weder Karriere machen wollten noch konnten, eine Mietwohnung in Köln, ein paar alte Möbel, ein uraltes Auto.

Klar, Freunde und Familie wären weiter weg, aber ja nicht aus der Welt. Wir stellten uns vor, was wäre, wenn wir das Angebot ausschlügen, und waren uns schnell einig: Wir würden es ein Leben lang bereuen. Und so fiel nur zwei Wochen nach unserer Ankunft in Laos die Entscheidung: Hierhin wandern wir aus", so Tanja Weidner.

Mit elf laotischen Angestellten fingen sie an, zuletzt beschäftigten sie zwölf westliche Kletterführer und 30 Laoten.

Die erste Katastrophe ereignete sich an Silvester 2012: Ihr gesamtes Camp ging in Flammen auf. Die vermeintlichen Konfetti-Bomben hatten sich als Feuerwerkskörper entpuppt. Innerhalb von einer Dreiviertelstunde vernichtete das Feuer alles, was sie in zwei Jahren aufgebaut hatten.

Über die Wiedererlangung des Visums könnte Tanja Weidner ein Extra-Buch schreiben. "Der Brand war ein herber Rückschlag für uns. Physisch, psychisch und finanziell gerieten wir an unsere Grenzen. ,Ich kann nicht mehr', war einer unserer meist gesagten Sätze. Aber wir haben uns gegenseitig aufgefangen, Tag für Tag", sagt Tanja.

Spenden für den Wiederaufbau

Weltweit spendeten Kletterer für den Wiederaufbau des Camps. Insgesamt kamen so 50 000 Dollar zusammen. Einen fünfstelligen Betrag bekamen sie von einem Freund aus Deutschland zinsfrei geliehen. Sie waren überwältigt. Keine drei Monate nach dem Brand stand das Haupthaus in optimierter Form wieder. Ausgerechnet am Eröffnungstag der Camp-Erweiterung gab es im Haupthaus einen neuen Brand, diesmal wohl ausgelöst durch einen Kurzschluss. Ihr gesamtes Hab und Gut ging zum zweiten Mal in Flammen auf. Aber zumindest die Bungalows konnten diesmal gerettet werden.

Die Weidners rappelten sich wieder auf. "Aber psychisch und physisch waren wir fertig, ausgelaugt, krank. Ich kämpfte mit einem Hörsturz und Schwindel, mein Mann hatte Hüft- und Rückenbeschwerden und litt an einer Depression. Wir sehnten uns nach Dingen, die in Deutschland alltäglich sind: windundurchlässige Wände, Räume ohne Krabbeltiere, ein Bett ohne Moskitonetz, eine Couch. Radiohören beim Frühstück. Schnelles Internet", erzählt Tanja.

Sie beschlossen, den Anteil ihres Camps zu verkaufen und zurück nach Deutschland zu gehen. Kaufinteressenten für ihr Camp gab es genug. Im Juni 2019 war es so weit: Sie übergaben das Camp an ihre Nachfolger. Rund 8000 Kletterer aus aller Welt haben sie ihrer Zeit in Laos beherbergt. "Die Szene kletternder Reisender ist relativ klein, fast an jedem Kletterspot treffen wir jetzt jemanden, der schon mal bei uns war oder jemanden kennt, der uns besucht hat. Das ist ein tolles Gefühl."

In Waischenfeld würden sie gerne ein kleines Klettercamp eröffnen. Ein erstes Gespräch mit Bürgermeister Thomas Thiem (CSU) fand schon statt.