Die Kommunalwahlen am vergangenen Sonntag haben die Gremien in den einzelnen Gemeinden ordentlich durcheinandergewirbelt. Mancherorts, wie in Kronach, kamen neue Parteien hinzu. In anderen Gemeinden haben sich die Machtverhältnisse entscheidend verändert. Dementsprechend unterschiedlich fällt das Fazit der Kreisvorsitzenden aus.

Gleich doppelten Grund zur Freude hat der Vorsitzende der Frankenwald-CSU. Jürgen Baumgärtner erhielt nicht nur in seiner Heimatgemeinde Wilhelmsthal - nach der alten und neuen Bürgermeisterin Susanne Grebner (SPD) - die meisten Stimmen. Seine CSU hat auch in fast allen Gemeinderäten gute bis sehr gute Ergebnisse eingefahren. "Für die CSU war diese Kommunalwahl ein großer Erfolg. Wir stellen in Kronach die Bürgermeisterin und konnten zum Beispiel in Pressig das Bürgermeisteramt wieder zurückgewinnen." Auch den wiedergewählten Oberhäuptern Gerhard Wunder (Steinwiesen) und Jens Korn (Wallenfels) zollt der Kreisvorsitzende Respekt für die "hervorragenden Ergebnisse, die eingefahren wurden". Auch der in Tschirn wiedergewählte Peter Klinger könne mehr als zufrieden sein. "Die Kreis-CSU sticht mit ihrem Wahlergebnis deutlich hervor", ist sich Baumgärtner sicher.

Die einzige Ausnahme sei Teuschnitz, wo die Gruppe CSU/FWG nicht nur drei Sitze verloren hat. Der Bürgermeister-Kandidat der Christsozialen, Stephanus Neubauer, musste sich auch noch Frank Jakob von den Freien Wählern geschlagen geben - für Baumgärtner keine Überraschung. "Die CSU war in Teuschnitz einfach nicht wählbar. Sie haben in den letzten Jahren eine unmögliche Politik gemacht." Darum gehört sein Glückwunsch dem neuen Bürgermeister. "Wir werden gut mit ihm zusammenarbeiten." Ein Neustart für die Teuschnitzer CSU sei nun unumgänglich. "Ich erwarte, dass die Kollegen ihre Konsequenzen aus dem Wahlergebnis ziehen."

Sein Mandat im Wilhelmsthaler Gemeinderat will Baumgärtner in jedem Fall wahrnehmen. "Ich habe immer gesagt: Wenn ich gewählt werde, dann bin ich auch in der Mehrheit der Sitzungen anwesend."

Gemischte Gefühlte verspürt dagegen der Kreisvorsitzende der Sozialdemokraten Ralf Pohl. "Wir mussten teilweise Schlappen hinnehmen. Zufriedensein können wir nicht." Positiv sei unter anderem das Ergebnis in Weißenbrunn zu bewerten, wo die SPD ihre sechs Sitze behält und stärkste Partei bleibt. Daran habe Jörg Neubauer mit seinem engagierten Wahlkampf großen Anteil.

Insgesamt, so glaubt Pohl, hätte die Präsenz der Bundes-SPD auch die Kommunalwahl beeinflusst. "Die aktuelle Lage macht es für diejenigen, die für die SPD kandidieren, nicht leichter." Aber letztlich sei das Ergebnis das Votum der Bürger, und das müssten er und seine Genossen akzeptieren.

In Kronach hatte sich die SPD mehr erhofft. "Frau Gross hat das als Newcomerin toll gemacht. Aber natürlich war uns allen klar, dass Angela Hofmann die Top-Favoriten ist." In Küps hat die SPD einen Sitz verloren, während die CSU einen hinzugewonnen hat. "Dort hat sich der Bürgermeister auf die Liste setzen lassen, obwohl klar ist, dass er den Sitz natürlich nicht wahrnehmen wird. Der Erfolg der CSU in Küps ist mit auf diesen Trick zurückzuführen. Ein amtierender Bürgermeister zieht Stimmen." Dieses Vorgehen ist zwar legal, in Ordnung ist es aus Sicht des SPD-Kreisvorsitzenden trotzdem nicht.

Der Bürgermeister-Faktor

Den Bürgermeister-Faktor haben besonders die Freien Wähler zu spüren bekommen. So gewannen sie in Teuschnitz mit dem neuen Bürgermeister gleich noch vier Sitze hinzu. "Das ist eine Hausnummer", freut sich der Kreisvorsitzende Tino Vetter. Der Erfolg habe sich angedeutet - der Teuschnitzer Ortsverband habe in den vergangenen Jahren eine hervorragende Entwicklung genommen. Doch sie bekamen auch die Kehrseite zu spüren: In Kronach büßten sie mit dem Ausscheiden des amtierenden Bürgermeisters drei Sitze ein. "Insgesamt können wir mit den Wahlergebnissen leben", findet Vetter.

Edith Memmel freut sich, dass die Grünen ihre beiden Sitze in Mitwitz halten konnten. Und auch in Kronach tritt die Partei künftig als Duo auf: Neben Peter Witton wurde auch Elisabeth Hoffmann in den Stadtrat gewählt. Die Kreisvorsitzende betont, in den kommenden Jahren weiter auf die Jugend zu setzen: "Das sind die Leute, die in den nächsten Jahrzehnten die Zukunft gestalten. Darum haben wir sie auf unsere vorderen Listenplätze gesetzt." Von der AfD, die nun auch im Stadtrat sitzt, erwartet sie nun Konzepte. "Bis jetzt haben sie noch nichts Konkretes vorgelegt, was sie verändern wollen."

Die Frauenliste will eine konstruktive Zusammenarbeit mit der AfD von vorneherein nicht konsequent ausschließen. "Aber ich glaube, dafür sind wir zu weit in der Mitte, als dass es da inhaltliche Berührungspunkte mit der AfD gibt", prognostiziert Kreisvorsitzende Silke Wolf-Mertensmeyer. Im Kronacher Stadtrat musste die Frauenliste einen Sitz einbüßen, Martina Zwosta ist nun Einzelkämpferin. "Ich gebe zu, dass ich mir schon erhofft habe, wieder mit zwei Frauenlistenfrauen in den Stadtrat einzuziehen", sagt die Ratsfrau. Die Verschiebungen, die nun eingetreten sind, hätten auch mit der Anzahl der neuen Gruppierungen, die im Wahlkampf angetreten sind, zu tun. "Ich kann aber allen Wählern versichern, auch weiterhin mit allen demokratischen Parteien und Gruppierungen im Stadtrat zum Wohle unserer Bürger zusammenzuarbeiten, mich aber bei allen meinen Entscheidungen meinem Gewissen gegenüber verpflichtet fühle."

Auf eine konstruktive Zusammenarbeit hofft auch Harald Meußgeier. Der AfD-Kreisvorsitzende zieht erstmalig in den Stadtrat ein. "Ich bin für den Bürger und die Kommune angetreten und erst einmal nicht für die Partei", stellt der Kronacher, der einst in der Oberen Stadt geboren wurde, klar. "Es geht um die Stadt und die Geschehnisse hier. Ich hoffe auf einen loyalen und fairen Umgang miteinander." Die größten Chancen sieht er dabei bei Zukunft Kronach, da es sich um eine Wählergruppe und keine Partei handelt.

Neben Kronach zog die AfD nur in ein weiteres Gremium, den Küpser Gemeinderat, ein. "Natürlich hätten wir uns mehr erhofft. Aber mit diesem Ergebnis müssen wir die nächsten sechs Jahre leben", weiß Meußgeier, der die Innenstadt mit Einkaufsmöglichkeiten und Cafés wiederbeleben möchte.