von unserer Mitarbeiterin Petra Malbrich

Wiesenttal — Gerade die Gehörlosen haben in Afrika kaum eine Chance, in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Auch die Eltern scheinen ihre tauben Kinder nur wenig zu unterstützen. Das ist Dietmar Aumann bei seinem Zivildienst in einer Gehörlosenschule in Ghana so richtig klar geworden.
Nur ganz wenige Eltern nahmen die kostenlose Schulungen zum Erlernen der Gebärdensprache an. Wie kann man helfen? Wo ist es sinnvoll, dies zu tun? Drängende Fragen, die sich dem jungen Franken stellten. Schnell wurde ihm klar, dass den Betroffenen mit kurzfristigen Aktionen alleine nicht geholfen sein würde.

Hilfe zur Selbsthilfe

"Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe", sagt Dietmar Aumanns Zwillingsbruder Ralf, der Vorsitzende des Vereins Schif, der im Mai 2012 offiziell aus der Taufe gehoben wurde. Schif steht hier als Akronym für "soziales christliches Hilfswerk in Franken".
Für die Gehörlosen, in deren Schule Dietmar Aumann Hilfe leistete, nutzte der Verein die "Fußballverrücktheit" der ghanaischen Bevölkerung. Die Afrikaner haben keinen Fernseher, um die Spiele ihrer Lieblingsvereine aus Spanien und England sowie die Partien der die Champions League bequem vor dem Bildschirm verfolgen zu können. Für 100 Euro konnte Schif einen gebrauchten Laptop und einen Beamer kaufen.
Vor Ort richteten die Vereinsmitglieder eine Fußballkneipe ein. Je nachdem, welches Team gerade aufläuft, kommen zwischen 40 und 50 Leute in das TV-Stadion. Inzwischen sieht man auch viele Fußballbegeisterte in Trikots des FC Bayern oder von Borussia Dortmund auf der Straße herumlaufen.
Seit drei Jahren läuft das Projekt selbstständig. Das erwirtschaftete Geld kommt den Gehörlosen zugute. Diese konnten teils sogar eine Ausbildung zum Schreiner oder Schneider absolvieren. Und eine Ausbildung in Ghana ist gar nicht so einfach. Es muss ein Lehrgeld bezahlt werden. "Wir konnten schon einigen jungen Leuten eine Lehre ermöglichen. Das läuft über den Projektleiter vor Ort", sagt Aumann. Denn das Prinzip des Vereins lautet, dass die Einheimischen in die Aktionen eingebunden werden.
Die Mitglieder kennen die Einheimischen, sind auch immer wieder bei den eingeleiteten Projekten dabei. Wenn so eine Schulbildung, eine Lehre oder sogar der Besuch an der Uni ermöglicht werden kann, dann profitieren später auch die andern davon. "Jemand, der eine Ausbildung durch Schif genossen hat, ist eher bereit, im eigenen Geschäft anderen einen Beruf zu geben", erklärt Ralf Aumann den Effekt.
Das heißt nicht, dass hier in Deutschland alles in Ordnung und Hilfe nur im Ausland notwendig ist. Aber als die beiden Brüder mit der Unterstützung anfingen, war vieles davon einfach privat. Zudem: "Mit einem Euro kann man in Afrika mehr bewirken als hier bei uns", sagt Aumann.

Projekt im Landkreis

Dennoch läuft auch im Landkreis ein Projekt, um Asylbewerbern zu helfen. Ein Pfarrer im Ruhestand organisiert Deutschlehrer, damit die Flüchtlinge die Sprache lernen können, oder er fährt mit den Eltern in den Caritas-Laden.
Die meisten Vereinsmitglieder wohnen im Landkreis Forchheim. "Der Verein wurde auch hier gegründet", erklärt der Medizinstudent. Im Rahmen seines Studiums leistete Ralf Aumann ein Praktikum in Togo, einem Nachbarstaat von Ghana. "Die Menschen dort müssen alles bezahlen, was bei einer Untersuchung anfällt, vom Desinfektionsmittel bis zu den Handschuhen und Spritzen. Kaum jemand ist versichert. Eine Insulinbehandlung oder Dialyse ist dort kaum möglich, weil unbezahlbar."
In den letzten Jahren konnte Schif sechs Leute vermitteln, die ehrenamtlich arbeiten. Sie helfen als Medizinstudenten oder Lehrer. Die Hilfsaktionen sind vielfältig geworden: Ob Rollstühle, Hilfspakete oder bei uns nicht mehr zugelassene Rollatoren, die Spenden gehen nach Bulgarien, Rumänien oder Polen und selbst nach Griechenland.