Was macht eine Stadt unverwechselbar und interessant? Es sind zu einem wesentlichen Teil die Gebäude, die im Laufe der Jahrhunderte ihr Gesicht prägen - das Werden und Vergehen, das Bauen, Sanieren oder auch das Abreißen. Letzteres passiert auch mal gedankenlos, aber auch um Schönerem und Funktionalerem Platz zu machen. Seit vielen Jahren dokumentieren die Altstadtfreunde mit ihrem Abrisskalender diesen Prozess, der das Coburger Stadtbild zu dem machte und macht, was es heute ist. Der Kalender für das Jahr 2021 ist fertig und wird am kommenden Samstag ab 10 Uhr an einem Stand in der Spitalgasse vorgestellt.

Erstaunliches hat Werner Minier, der sich von Anfang an um die Bildauswahl und die Texte kümmert, zusammengetragen. Eine beeindruckende Veränderung hat sich zum Beispiel am ehemaligen Gerberhaus in der Bahnhofstraße, Ecke Hintere Kreuzgasse, vollzogen. Während die Nummer 10, 1559 erstmals erwähnt, im Laufe der Jahre als Wohnhaus für die Familien von Handwerkern, Tagelöhnern, Kammerdienern und Apothekern diente, befand sich die direkt angebaute Nummer 12 von 1613 an im Besitz eines Rotgerbers und wurde lange Zeit für das Gerberhandwerk genutzt. 1904 erwarb August Berger, Architekt aus Hildburghausen, den gesamten Komplex, reißt ihn ab und lässt an gleicher Stelle ein stattliches Bürgerhaus bauen.

Nicht weit davon entfernt stand in der Heiligkreuzstraße auf der Höhe des Steinwegs einst das Hahntor - heute nur noch schwer vorstellbar. Es gehörte zur äußeren Stadtummauerung und wurde 1407 zum ersten Mal erwähnt. Da es im Laufe der Jahrhunderte seine militärische Bedeutung einbüßte und zudem ein Hindernis für die wachsende Bevölkerung darstellte, wurde es 1803 abgerissen, seine Spuren vollkommen beseitigt.

Was passiert, wenn ein äußerlich eindrucksvolles Gebäude von Anfang an mit Baumängeln behaftet ist, beweist das Schicksal eines Geschäftshauses in der Uferstraße: Es war Büro- und Lagerhaus, Arbeitsamt und von 1989 an Übergangswohnheim für Asylsuchende. Immer wieder gab es Beschwerden über Nässeschäden, schlechte Luft, Kälte im Winter. 2018 schließlich wurde es abgerissen.

Diese und weitere Beispiele architektonischer Veränderungen finden sich neben zum Teil sehr detaillierten Beschreibungen im neuen Abrisskalender, der wie in jedem Jahr beim Verein der Altstadtfreunde und im Coburger Buchhandel erhältlich ist.

Die historischen Fotos stammen aus den Sammlungen Eckerlein, Herold, Pachale, Nafziger, Schnetter und aus dem Stadtarchiv. Fachliche Unterstützung erhielt Werner Minier durch Rupert Appeltshauser, Christian Boseckert, Gerhard Eckerlein sowie Beschäftigten des Stadt- und Staatsarchivs.