Eine Frau richtet ihren Bogen auf einen Sänger. Die Sehne ist gespannt. Eine falsche Bewegung und das Ganze hätte ins Auge gehen können. Beim Gedanken an die Szene aus dem Video "Circulation" stockt Sänger Daniel Bräutigam aus Eltmann noch immer der Atem. "Das war eine echte Waffe", sagt er. Gott sei Dank ging der Schuss nicht nach hinten los. Ganz im Gegenteil: Mit ihren beiden Videos "Circulation" und "Oceans" landet das fränkische Rock-Pop-Trio "ATLVNTIS" (gesprochen Ätläntis) einen Volltreffer.

"Awesome stuff - tolle Geschichte", schwärmt Charlie Deps aus Kenia über den Song "Oceans". Er ist einer von rund 17 000 Rock- und Popfans aus aller Herren Länder, die die originellen Musikfilme auf der Videoplattform "You Tube" bislang angeklickt haben. Für eine regionale Band ist das eine Menge Holz.

Drittes Video online

Diese dürfte sich jetzt noch erhöhen. Das dritte Video der Band "Under Water" ist seit kurzem online. Gedreht wurde der Streifen in einer leerstehenden Wohnung in Bad Staffelstein. "Hier wohnte mein kürzlich verstorbener Großvater. Dadurch bekam der Videodreh einen bitteren Beigeschmack", entfährt es mit bedrückter Stimme Gitarrist Chris Schober aus Bad Staffelstein. Das Gefühl der Freude ist für einen Moment einem nachdenklichen Ton gewichen. Mit einem in die Zukunft gerichteten "Das Leben muss weitergehen" wird dieser während des Interviews im Lichtenfelser Café Moritz beiseitegewischt.

Krise - und auch eine Chance

Das Licht der Welt erblickt die Gruppe mitten in der Corona-Pandemie. Ist es nicht eine Schnapsidee, in einer Zeit eine Band zu gründen, in der die Bühnen dieser Welt coronabedingt verwaist sind? Für die Musiker steckt in jeder Krise auch eine Chance. "Wer jetzt nicht schläft, sondern kreativ ist, kann danach viel gewinnen", meint Schlagzeuger Lukas Stumpf aus Küps.

Er weiß, dass derzeit mit Musik kein Reibach zu machen ist. "So ist eben momentan das Spiel. Entweder man spielt mit oder nicht." Die drei Musikanten aus dem Frankenland haben sich vorgenommen, mitzuspielen. Dass ihre Kreativität gerade Purzelbäume schlägt, das sollen die Fans auch merken. Dafür haben sich die drei externe Hilfe geholt. Ein Freund von Stumpf, der für gewöhnlich in der Welt der PC-Spiele beruflich die Werbetrommel rührt, platzierte 15-Sekunden-Ausschnitte aus den beiden Videos in den sozialen Netzwerken. Und siehe da - die Klickzahlen schnellen in die Höhe! Dass der treibende Synthie-Rocksound und die dazugehörigen Videos so professionell daherkommen, ist der Tatsache geschuldet, dass zwei der drei Akteure Profis auf ihrem Gebiet sind: Bräutigam betreibt ein eigenes Tonstudio und Stumpf ist von Beruf Foto- und Videograf. Obgleich die Videos den Anschein erwecken, die drei Künstler seien Fans von Selbstinszenierungen, das Gegenteil ist der Fall. Neben den Musikern treten noch andere Figuren in den Filmen auf.

Bogen und Leier

Die eingangs erwähnte Bogenschützin ist einer Kunstperformance entgelehnt. "Sie heißt Bogen und Leier. Die serbische Künstlerin Marina Abramovic hat sie sich ausgedacht", klärt Schober auf. Seine Freundin Anni, die Kunstpädagogik in Bamberg studiert, bringt ihn auf solche Ideen. Das Lied handelt von Anspannung, innerer Unruhe und Zerrissenheit. All das, so Stumpf, spiegele sich im Bild der Bogenschützin, die ihre Waffe auf den Sänger richtet, wider. Der Küpser gibt sich als Liebhaber von Kunst zu erkennen, bei der man um die Ecke denken muss, die mitunter verrückt ist und dem Betrachter viel Interpretationsspielraum lässt. "Als Filmemacher möchte ich Bilder erzeugen, die zum Nachdenken anregen", betont der Künstler. Auf "You Tube" können die Fans erfahren, wie ihm und seinen Bandkollegen das beim neuen Film zum Lied "Under Water" gelungen ist.