Zum Leserbrief "Die Kritik gilt den überzogenen Maßnahmen" von Siegfried Konrad:

Sehr geehrter Herr Konrad, ich bin fassungslos und wütend über das, was Sie und die sog. Querdenker (den Begriff ..."denker" in diesem Zusammenhang halte ich hier für völlig fehl am Platze) von sich geben. Sie beziehen sich in Ihrem Leserbrief auf die sog. "Great Barrington Erklärung". Diese Erklärung sei von 40 000 Ärzten und 12 000 medizinischen und öffentlichen Gesundheitswissenschaftlern unterzeichnet - weltweit. Auf den ersten Blick scheint dies eine Riesenmenge zu sein. Wenn man aber berücksichtigt, dass lt. Kassenärztlicher Bundesvereinigung allein in Deutschland mehr als 500 000 Ärzte registriert sind, dann handelt es sich nach meiner Auffassung bei den unterzeichnenden Ärzten um die wenig fundierte Aussagen von Einzelpersonen.

Gleiches gilt für die von Ihnen genannten 700 000 Bürger - weltweit. In der "Great Barrington Erklärung" findet sich interessanterweise folgender Vorschlag (Zitat): "Menschen im Ruhestand, die zu Hause wohnen, sollten sich Lebensmittel und andere wichtige Dinge nach Hause liefern lassen. Wenn möglich, sollten sie Familienmitglieder eher draußen als drinnen treffen." Betroffen davon wären in Deutschland rund 20 Prozent der Bürger (Anteil der über 65-Jährigen). Wenn es also nach Ihnen und Ihren Querdenkern geht, würden Sie circa 18 Millionen Bundesbürger wegsperren und von nahezu jeglichen sozialen Kontakten ausschließen. So weit gehen nicht einmal die aktuell zu erwartenden Einschränkungen. Und da sprechen Sie tatsächlich von überzogenen Restriktionen unserer Regierungen.

Unabhängig davon halte ich die sog. Querdenker für Parasiten. Bestes Beispiel dazu dürfte wohl einer der Hauptorganisatoren Ihrer Querdenker-Demo im November in Leipzig gewesen sein. Dieser Hauptorganisator hat sich bei der Demo ohne Maske und daher vorsätzlich in die Gefahr einer Infektion begeben. Und tatsächlich hat er sich infiziert und musste auf der Intensivstation behandelt werden. Die ohnehin schon vollkommen überlasteten Krankenhäuser mit ihren Ärzten, Krankenschwestern und -pflegern und allen weiteren medizinisch Ausgebildeten hatten sich dann ganz selbstverständlich auch um diesen Verantwortungslosen zu kümmern und sich wiederum selbst der Gefahr einer Infektion auszusetzen. Hinzu kommt noch, dass dieser unverantwortliche "Querdenker" ein Intensivbett belegt hat, das ein unverschuldet Infizierter benötigt haben könnte.

Sehr geehrter Herr Konrad, ich hoffe, dass Sie vom Coronavirus verschont bleiben. Ich erwarte aber, dass Sie für den Fall einer Infektion auf eine stationäre Behandlung und erst recht auf ein Intensivbett verzichten. Eigentlich sollte man allen sog. Querdenkern einen kostenlosen Hinflug - und zwar nur einen Hinflug - in die USA spendieren. Einschränkungen gibt es dort nicht, so dass mit oder ohne Maske demonstriert werden kann. Verhältnisse, wie sie sich die Querdenker wünschen.

Michael Weise

Höchstadt