Wegen Wahl und Lockdown etwas später als sonst geht's in Strullendorf erst kurz vor der Sommerpause ans Eingemachte. Der runderneuerte Gemeinderat checkt und diskutiert innerhalb zweier Sitzungen den Haushalt 2020 - der sich diesmal um ein Gesamtvolumen von 25,9 Millionen Euro dreht. Auch wenn der Entwurf ohne Gegenstimmen durchgewinkt wird, endet die Einmütigkeit wie immer bei der Frage nach Pflicht oder Kür.

Seit der Kreditaufnahme von 13 Millionen Euro vor drei Jahren fürs Haushalten bis 2023 muss zu den Einnahmen zur Finanzierung diverser Projekte geliehenes Geld abgerufen werden. Womit mal lauter und mal leiser gehadert, inzwischen aber auch konstruktiv gearbeitet wird. Investieren oder sparen? Letztes Jahr drei Millionen, diesmal 6,7 Millionen vom Kredit bis zum Ausgleich des Haushalts: Der Bürgerblock stimmte dem Entwurf der Verwaltung kommentarlos zu, die anderen Fraktionen positionierten sich per Statement differenzierter.

"Ausdruck einer angespannten finanziellen Situation" konstatiert Philipp Spörlein für die CSU. Weil nach dieser Rechnung nur noch rund 3,5 Millionen Euro für die Zukunft blieben, bescheinigte Christian Beickert (SPD) der Gemeinde Strullendorf dadurch allerdings eine "auf ein Minimum eingeengte wirtschaftliche Bewegungsfreiheit". Und Robert Essel von der Neuen Liste prognostiziert sogar, dass "die Kreditaufnahme nicht reichen wird".

Moniert wird zuallererst die schwierige Einnahmensituation, die coronamäßig noch verschärft und laut Neuer Liste und SPD hinsichtlich Einbußen bei der Gewerbe- und Einkommenssteuer von der Gemeindeverwaltung zu niedrig eingeschätzt würde. Um da aufzustocken, lieferte die CSU noch vor der Abstimmung einen Antrag, um die Finanzierung zukünftig auf solidere Beine zu stellen, der ebenfalls von den anderen Fraktionen unterstützt wurde. Hier geht es primär um Sparoptionen zum hochsensiblen Thema Musikschule und um die Anpassung von Mieten und Pachten, wie zum Beispiel die der gemeindeeigenen und stark subventioniert vermietete Hauptsmoorhalle.

Philipp Spörlein sieht im aktuellen Haushalt vor allem die Erfüllung von Pflichtausgaben rund um Feuerwehr und Millioneninvestitionen in Wasser und Abwasserentsorgung. Zwar nicht als Muss, aber als berechtigte Kür fürs Gemeinwohl interpretiert die CSU außerdem die Investitionen ins Neubau-Projekt Integratives Generationen Zentrum (IGZ) in Strullendorf, die Einstellung von Planungskosten für die Westumgehung Geisfeld und die Südanbindung des Gewerbegebiets Strullendorf. Die CSU geht noch weiter und fordert mehr Invest: Schaffung von Bauland auf dem Areal der ehemaligen Walderholungsstätte, neues Raumkonzept für die Schule, Einrichtung der schon andiskutierten Klärschlammtrocknungsanlage für den Landkreis oder der Verbleib des Atemschutzzentrums in Strullendorf sollten zeitnah weiterdebattiert werden.

Pflicht oder Kür?

SPD und Neue Liste möchten trotz genereller Zustimmung lieber einen Gang herunterschalten. Beide Fraktionen fordern, radikaler zu sparen und kostspielige Projekte zu verschieben, weil laut Robert Essel so gut wie keine Bau-Maßnahme mit den geplanten Kosten umgesetzt werden konnte - Mehrkosten von 20 bis 30 Prozent seien da eher die Regel gewesen. "Pflichtausgaben gehen vor freiwilligen Leistungen, Gemeinwohl geht vor individuellem Denken", ist deswegen das Credo der Neuen Liste, das auch als fraktionsübergreifender Ansatz für die kommenden Jahre gedacht ist.

Auch Christian Beickert (SPD) setzt auf Bescheidenheit: Die SPD will nicht nur kommunale Projekte schieben, sondern auch die Förderkulisse für Vorhaben von Vereinen, Kirchen oder anderen Institutionen überdenken: "Der Bürger muss Verständnis dafür aufbringen, dass der Finanzrahmen ohnehin nur durch Darlehen ermöglicht werden kann. Und Investitionen auf Darlehensbasis in Wirklichkeit eine Belastung für die nachfolgenden Generationen darstellen."

Und: Manchmal gibt's auch Geld für die Gemeinde - zum Beispiel vom Bundesamt für Familie und Zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln. Das bundesweite Projekt zur Unterstützung von Mehrgenerationenhäusern startete 2008, wird immer wieder neu aufgelegt und läuft mit der aktuellen Verlängerung aktuell bis 2028. Das hiesige MGH-Projekt erhält eine Finanzspritze von jährlich 40 000 Euro, die unter anderem Personalkosten, Ehrenamtsentschädigungen und Sachkosten abdeckt und wiederum als Impulsbeitrag angelegt ist. Als lokales Bekenntnis zahlt die Kommune für die Finanzierung der generationsübergreifenden Arbeit 10 000 Euro pro Jahr dazu. Für die Umsetzung des ambitionierten Neubaus erhält die Gemeinde außerdem einen Großbetrag aus einem ganz anderen Topf: Das Bundesprogramm "Integration im Quartier" will sich jetzt definitiv am Integrativen Generationenzentrum IGZ beteiligen. Hier greift die Maximal-Subvention von 3,6 Millionen Euro.