Zum Artikel "Wie viel SPD steckt in der Stadtpolitik?" vom 21. November: Diese von Ihnen selbst gestellte Frage beantworten Sie in ihrem Beitrag nicht. Stattdessen listen Sie neun Tätigkeitsfelder auf, an denen sich angeblich sozialdemokratische Arbeit auf kommunaler Ebene festmachen ließe und benoten den Oberbürgermeister jeweils: viermal gut (Daumen hoch), dreimal befriedigend (Daumen seitlich) und zweimal schlecht (Daumen nach unten).

Abgesehen davon, dass ein ganz wichtiges Thema, nämlich ökologische Fragen, ausgespart wird, wirken Ihre Beurteilungen der einzelnen Punkte oberflächlich und unkritisch. Am Schluss versteigen Sie sich im Kommentar sogar zu der Erkenntnis, den OB als modern, mutig und konservativ zu bezeichnen. Worauf gründen Sie das? Etwa darauf, dass Dr. Kirschstein das von seinem Vorgänger übernommene Baulandmodell vorangetrieben hat? Darauf, dass er mutig (man kann auch sagen populistisch, weil aussichtslos) gegen die Schließung des Königsbads geklagt hat? Darauf, dass er Mehrheitsmeinungen, sogar Beschlüsse der Gremien der Stadt, ignoriert, dass er die Verwaltung von sich abhängig gemacht hat, den Referatsleitern Maulkörbe verpasst hat, dass er der Presse kaum Informationen gibt? Wenn das so ist, könnte man die von Ihnen so herausgehobenen Tugenden eher als Machtstreben zur Durchsetzung der eigenen Ziele interpretieren, ein Verhalten, welches autokratische Züge trägt. Ob dies dann sozialdemokratisch ist, möge jeder für sich beurteilen.

Paul Nerb, Forchheim