Eckehard Kiesewetter

Ebern — Trotz Corona und Finanznot sei im Jahr 2020 einiges angestoßen und umgesetzt worden, erklärt Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann in einer Pressemitteilung. Seine ausführliche Rückschau beginnt mit dem größten Projekt des Jahres, in das 3,8 Millionen Euro flossen: dem Bau und der Inbetriebnahme der inklusiven Kindertagesstätte der Rummelsberger Dienste an der alten Berufsschule. Entstanden sei ein "Haus zum Wohlfühlen". Die Plätze in den je zwei Kindergarten- und Krippengruppen sind bereits fast komplett belegt, unter anderem auch von Kindern mit Behinderung. "Das Konzept geht auf", freut sich der Bürgermeister, "Wir können allen Eberner Kindern einen Betreuungsplatz zur Verfügung stellen". Ein Tag der offenen Tür" ist für das Frühjahr vorgesehen.

Weiterer Bedarf an Plätzen soll durch einen Waldkindergarten bzw. durch Naturgruppen gedeckt werden, die sich meist im Freien aufhalten. Vorbereitungen dafür laufen.

Für die Kinderbetreuung in den städtischen Einrichtungen werden die Eltern stärker zur Kasse gebeten. Das Defizit der städtischen Kindergärten lag zuletzt bei rund einer Million Euro. Der Stadtrat habe daher eine Gebührenanpassung zum 1. Januar und eine weitere zum 1. September beschlossen.

Finanzprobleme

Allgemein bleibt die Finanzsituation der Stadt Ebern das große Problem. Durch den Ausfall von Gewerbesteuerzahlungen großer Unternehmen und die Corona-Krise sei das Polster im Stadthaushalt für Investitionen gering. Investitionen seien aber unerlässlich, um die Pflichtaufgaben zu erledigen und die Einrichtungen und Angebote aufrechtzuerhalten, erklärt Hennemann. Zwar darf die Kommune für 2021 rund 2,5 Millionen Euro an Schlüsselzuweisungen erwarten (nach null Euro in Vorjahr), benötige darüber hinaus aber dringend die versprochenen gut 1,5 Millionen Euro als Ausgleich der Gewerbesteuerausfälle wegen Corona. Hennemann: "Es bleibt auch für 2021 eng. Die Investitionen müssen genau überlegt werden."

Trink- und Abwasser

Für die Wasserversorgung liegt ein Sanierungskonzept vor. Mit dem Ausbau des Brunnens Albersdorf und dessen Einbindung ins Netz sollen die beiden Brunnen an der Pöppelsmühle entlastet werden, um Eberns eigene Trinkwasserversorgung langfristig zu sichern. Der Wasserpreis liege mit 1,26 Euro je Kubikmeter derzeit relativ niedrig. Wie hoch er ab 2022 aussehen wird, hängt vor allem davon ab, wie üppig die Fördermittel für die Sanierung ausfallen. Noch mehr Geld, rund 900 000 Euro - wird in die Sanierung der Abwasser- und Kläranlage fließen. Auch hier wartet man auf Förderbescheide.

Für erste Maßnahmen, die 2020 durchgeführt wurden, verschicke die Verwaltung für das gesamte Stadtgebiet die Bescheide. Auch werden die Entwässerungsgebühren von bislang 1,82 auf 1,97 Euro je Kubikmeter (Einleitungsgebühr) und die Grundgebühren ab 36 Euro jährlich festgelegt, um Kostendeckung für die nächsten drei Jahre zu erreichen. Für 2021 ist die Sanierung des Pumpwerkes in Heubach geplant. Rund 800 000 Euro wird eine neue Klärschlammpresse kosten. Die Entsorgung des Klärschlamms soll durch den Beitritt zu einem kreisweiten Zweckverband zur Klärschlammtrocknung gelöst werden. Die Trocknung erfolgt künftig in Hofheim, die Verbrennung im Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt.

Digitale Zukunft

Ein Schwerpunkt in Hennemanns Rückblick ist die digitale Infrastruktur. Im zu Ende gehenden Jahr sei der Glasfaserausbau mit dem "Höfebonus" mit einer Gesamtinvestitionssumme von 1 Million Euro umgesetzt worden, indem in den noch unterversorgten, ausstehenden Stadtteilen und Einzelgehöfte Glasfaser ins Haus gelegt wurde. Nun gebe es überall im Stadtgebiet schnelles Internet.

In Welkendorf und Albersdorf hat die Telekom zwei neue Funkmasten aufgestellt. Wann sie in Betrieb gehen, steht noch nicht fest. Der Glasfaseranschluss für Schulen und Rathäuser wurde beantragt und genehmigt und die Stadt hofft auf weitere Verbesserung bei der Versorgung mit schnellem Internet durch die Bayerischen Gigabit-richtlinie", ein neues Förderprogramm der Staatsregierung.

Geförderte Bauprojekte

Ein weiteres Förderprogramm mit hohen Zuschussraten ("innen statt außen") könnte den Unterpreppachern das lang ersehnte Dorfgemeinschaftszentrum und Feuerwehrgerätehaus bescheren. Das Projekt ist mit Gesamtkosten von 1,4 Millionen Euro veranschlagt, die Planungen sind weit gediehen, aber "wir können diese Maßnahme nur schultern, wenn wir eine hohe Förderquote von mindestens 80 Prozent gewährt bekommen," so Hennemann.

Weitere Projekte werden durch Förderprogramme ermöglicht: Der Umbau, bzw. die Sanierung der alten Schule Bramberg (Wohnung für anerkannte Asylbewerber und Vereinshaus). Gesamtkosten etwa 400 000 Euro. Umbau und Sanierung der Xaver-Mayer Galerie in Eberns Innenstadt laufen über das gleiche Programm der Städtebauförderung. Auch hier kommen der Einbau einer Wohnung für anerkannte Asylbewerber im Dachgeschoss und die Generalsanierung des Gebäudes zur langfristigen Sicherung als Kulturzentrum und Galerie zusammen. Für das Projekt sind 1,5 Millionen Euro vorgesehen.

Altstadt Ebern

Mit der Altstadtsanierung soll es weitergehen. Bisherige Sanierungsgebiete können abgerechnet und neue begonnen werden, laut Hennemann "ohne weitere Belastungen der Hauseigentümer und Anlieger mit Ausbaubeiträgen". Unter anderem sei das Pflaster in der Altstadt sanierungsbedürftig. Um ein neues Sanierungsgebiet aufzusetzen, muss ein Stadtentwicklungskonzept mit Zielen und Maßnahmen erarbeitet werden, wobei die Bürger mitwirken sollen. Zur Belebung der Altstadt soll das neue Quartiermanagement beitragen, für das der Stadtrat kürzlich den Zuschlag erteilt hat. Es soll auch bei der Vermarktung von leerstehenden Gebäuden und Geschäftsräumen in der Altstadt helfen und Veranstaltungen durchführen.

Energiewende

Im Zug der Energiewende entstanden Fotovoltaikanlagen in Fischbach (20 Hektar) und aktuell in Heubach (18 Hektar). "Nach Fertigstellung werden in der Stadt Ebern circa 120 Prozent des verbrauchten Stromes (inklusive Industrie) aus regenerativer Energie erzeugt", teilt der Bürgermeister mit. Zu möglichen weiteren Flächen werde man, laut Hennemann, Bürgerversammlungen in den betreffenden Bereichen durchführen.

Zusätzlich wird eine Bürgersolaranlage auf dem Bauhof und Feuerwehrhaus installiert. Informationen dazu gibt es unter www.sonneninitiative.de.

Um Ersatz für die bestehenden Windräder am Bretzenstein zu schaffen, hätten sich die Stadt und die Gemeinde Untermerzbach beim Wirtschaftsministerium vereint um einen sogenannten Windkümmerer beworben. Die Stelle wurde inzwischen vergeben, die Gemeinden werden in ihrem Bemühen unterstützt, Windkraft im Gemeindegebiet zu nutzen.

Wohnungsbau

2021 könnte laut Hennemann mit dem Bau neuer Wohnhäuser im Bereich Angerstraße, Gymnasiumstraße und ehemaliges Berufsschulgelände in Ebern begonnen werden. Das Baugebiet Haube in Unterpreppach wurde weitererschlossen und soll auch in Zukunft noch wachsen. Auch in Reutersbrunn sollen sechs Bauplätze erschlossen werden. Ergänzungssatzungen machen es möglich, in den Stadtteilen Neubauten als Einzelmaßnahme zu erstellen. Um weiteren Flächenverbrauch zu vermeiden, hat sich die Stadt der Initiative "Innen statt außen" angeschlossen. Es geht darum, Leerstände zu nutzen und marode Gebäude nach modernen Standards zu revitalisieren. Zudem setzt man viel daran, Baulücken in den Siedlungsgebieten zu schließen.

Gewerbe und Wirtschaft

Für die Gewerbegebiete Ey-richshof, Specke, Aldi, Lidl und Dänisches Bettenlager wurden Bebauungspläne bearbeitet. Für das Gebiet Eyrichshof (Uniwell-Hochregallager) musste sogar ein Bürgerentscheid durchgeführt werden. Eine internationale Fußballakademie hat sich in der Kaserne angesiedelt. Der Baubeginn für das neue Gebäude der Landesbaudirektion ist laut Jürgen Hennemann nicht vor 2022 zu erwarten. Den Bauantrag der Diakonie für den Neubau des Seniorenpflegeheims im Mannlehen erwartet die Stadt für Januar.

Das Feuerwehrhaus in Reutersbrunn wurde mit viel Eigenleistung der dortigen Wehr und dem Bauhof saniert und zukunftstüchtig gemacht.

Über die Baunach-Allianz konnten aus einem Regionalbudget rund 43 000 Euro an Fördermitteln für den Bolzplatz im Mannlehen, in Brünn, für das Heimatmuseum, für den Anlagenring und für Erwachsenenfitnessgeräte mobil gemacht werden. Dies Geräte werden im Frühjahr aufgestellt.

Nachdem die Bemühungen der Stadt um das Naturparkzentrum scheiterten - den Zuschlag erhielt Königsberg - versucht Hennemann, ein Biodiversitätszentrum oder eine ähnliche Einrichtung nach Ebern zu holen, um das hier vorhandene Expertenwissen zu nutzen.

Der Stadtrat will für die Sanierung des Freibades Ebern eine Förderung im Rahmen des Bundesprogramms "Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur" beantragen. Die Sanierung wird in zwei Abschnitte gegliedert: Attraktivierung des Kinderbereiches, verbunden mit Neubau der notwendigen Technik (2021/22) und Sanierung des Sportbereiches mit Erneuerung der erforderlichen Technik (2022/23). "Wir hoffen auf eine Aufnahme in das Förderprogramm des Bundes", sagt Hennemann, "da dies sonst nicht leistbar ist".

Kultur und Tourismus

Um den Tourismus anzukurbeln, wurde in der Altstadt und im Anlagenring ein Rundweg geschaffen, der auf das Wirken Friedrich Rückerts in Ebern aufmerksam macht. Neben der Mitarbeit in der "Straße der deutschen Sprache" und der Burgenstraße will man versuchen, auch die Deutsche Fachwerkstraße nach Ebern zu "lotsen". Zwei Freizeitbuslinien soll es geben, einen Burgenwinkelexpress und eine Thermen-Linie. Ebern ist als Fairtrade-Stadt anerkannt; weitere Einrichtungen - neben Gymnasium und Realschule - sind auf dem Weg zur Fairtrade-Zertifizierung.

Auf den städtischen Friedhöfen machen neue Urnengrabanlagen mehrere Arten der Bestattung möglich. Die Regeln und Gebühren muss der Stadtrat noch festlegen.

Unter all diesem Themen soll eines nicht unerwähnt bleiben: Soziale Dinge liegen dem SPD-Bürgermeister besonders am Herzen, der Zusammenhalt und das Kümmern um die Mitmenschen, betont er, bleibe wichtig. "Wir haben einiges geschafft", fasst der Bürgermeister zusammen, "gemeinsam schaffen wir auch die Pandemie".