In der Debatte um eine mögliche Kürzung von Kulturzuschüssen setzt der Bamberger Theaterverein die Stadt unter Rechtfertigungsdruck. "Die geplanten Sparmaßnahmen stellen für das E.T.A.-Hoffmann-Theater eine existenzielle Bedrohung dar", schreibt der Theaterverein in einem Offenen Brief.

In seinem Schreiben bezieht sich der Verein auf die Pläne der Stadt Bamberg, die Zuschüsse budgetierter Einrichtungen um 2,5 Prozent zu kürzen.

Verdienste des Theaters

OB Andreas Starke (SPD) begründet diese Überlegungen mit der Notwendigkeit, auch in der "größten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg" der Regierung von Oberfranken einen zustimmungsfähigen Haushalt vorzulegen.

Die Mitglieder des Theatervereins leben in keiner wirklichkeitsenthobenen Blase. Die der Stadt vom Coronavirus aufgezwungen Nöte erkennen sie an. Darüber hinaus überhöht der Verein die Bedeutung des Theaters auch nicht ins kunstreligiös Schwärmerische.

Den gesellschaftlichen Mehrwert des E.T.A.-Hoffmann-Theaters benennt der Offene Brief aber in klaren Worten: "Als Ensembletheater wirkt es vielfältig in die Stadt hinein - aber auch weit über die Weltkulturerbestadt Bamberg hinaus."

Zudem sei es dem Theater unter der Intendanz von Sibylle Broll-Pape gelungen, bei "überdurchschnittlich hohen Auslastungszahlen" vor allem junge Menschen für das Theater zu begeistern. Diese Verdienste wähnt der Theaterverein im Fall sinkender Zuschüsse als gefährdet.

Der Gesamtetat des Theaters liegt in diesem Jahr bei 5,5 Millionen Euro. Er setzt sich zusammen aus Zuschüssen von Stadt, Freistaat, Bezirk und den selbst erzielten Einnahmen. Der städtische Zuschuss beläuft sich im laufenden Jahr auf 3,2 Millionen Euro. Die möglichten Kürzung um 2,5 Prozent würde den städtischen Anteil um 80 000 Euro reduzieren. "Dies entspricht zum Beispiel dem gesamten Etat für alle Bühnenbilder in einer Saison oder zwei Schauspielerstellen", sagt Theater-Sprecher Dominik Huß.

Schon jetzt müsse das Theater zudem mit coronabedingten Einnahmeausfällen von rund 350 000 Euro und Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst fertig werden muss.

Spirale nach unten

Friedhelm Marx veranschaulicht die Folge eines gekürzten Zuschusses mit dem Bild einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale: "Weniger Schauspieler bedeuten weniger aufgeführte Stücke. Weniger Stücke bedeuten weniger Relevanz und weniger Einnahmen."

Unter diesen Voraussetzungen, so formuliert es der Theaterverein, lasse sich "ein renommiertes Stadttheater, auf das die Weltkulturerbestadt Bamberg seit Jahren mit Recht stolz ist, nicht sinnvoll weiterführen".

Diese Einschätzung lässt für den Theaterverein nur einen einzigen Schluss zu: "Wir sprechen uns mit großem Nachdruck dafür aus, dass die geplanten Kürzungen zurückgenommen werden."