"Der Modus ist ein Witz." Mit diesem kurzen Chat-Eintrag sorgte der Spielleiter des SV Friesen während einer Online-Informationsveranstaltung des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) für reichlich Gesprächsstoff und ein Stück weit auch für Zündstoff. Detlef Dawel begründete seine unverblümte Meinung vor 38 geladenen Landesliga-Vertretern damit, dass die Punktemitnahme in die Auf- bzw. Abstiegsrunde unsportlich sei und nicht gerecht. Der Funktionär aus dem Frankenwald bekam Zustimmung von mehreren Vereinen.

Zwölf von 19 Punkten sind weg

Zu den Fakten: Die Friesener verlieren nach Ende der Vorrunde zwölf ihrer bisher gesammelten 19 Zähler. Der Grund: Der SV Friesen nimmt in die Abstiegsrunde nur Punkte mit, die er in der Vorrunde gegen Teams gesammelt hat, die nun in der zweiten Saisonhälfte ebenfalls gegen den Abstieg spielen. Mit nur sieben Punkten schweben die Friesener plötzlich in akuter Abstiegsgefahr. In der Aufstiegsrunde, die sie knapp verpasst haben, hätten sie dagegen ganz oben mitmischen können. Auch andere Klubs haben ein Problem mit dem neuen System und stimmten vor Saisonbeginn - so wie der SV Friesen und der SC Sylvia Ebersdorf - gegen die Einführung der Play-offs. So beschwerte sich auch Ernst Geling, Sportlicher Leiter der FT Schweinfurt, während des Online-Meetings, dass seine Mannschaft im Aufstiegsrennen nun quasi chancenlos sei. Die Schweinfurter als Zweiter ihrer Vorrundengruppe verlieren so viele Zähler, die gegen Teams aus der hinteren Tabellenregion eingefahren wurden, dass sie nun acht Punkte Rückstand auf Tabellenführer FC Geesdorf haben.

Ein Vereinsvertreter des Nordost-Landesligisten SV Schwaig äußerte ebenfalls seine Bedenken am neuen System. Er berichtete vom Ausfall eines bedeutungslosen Spieles. Der Klub hätte verzichtet, da das Risiko, weitere Verletzte zu bekommen, unmittelbar vor wichtigeren Spielen zu groß erschien. Das könne im neuen System zu einer Wettbewerbsverzerrung führen.

Janker und Reitstetter verteidigen System

Verbandsspielleiter Josef Janker wollte den eingangs erwähnten Chat-Eintrag von Dawel nicht unkommentiert lassen und forderte den Friesener Funktionär während der Online-Sitzung auf, sein Mikrofon einzuschalten und die Kritik zu präzessieren. "Wir hatten einen sachlichen Meinungsaustausch. Von einem Disput, wie mancherorts erzählt wird, kann nicht die Rede sein. Herr Janker verteidigt das System, das seinen Worten nach von Studenten und Fachleuten ausgetüftelt wurde. Er will es im nächsten Jahr gerne beibehalten", erklärt Dawel.

Auch Bernd Reitstetter, der die Online-Sitzung als Landesliga-Beauftragter organisierte und leitete, bestätigt die kontroverse, aber sachliche Diskussion, betont aber auch: "Das Spielsystem war von Anfang an klar und beschlossene Sache. Natürlich gibt es jetzt ärgerliche Einzelfälle."

Reitstetter ist davon überzeugt, dass die nach dem Play-off-System spielenden Landesligisten mit ihrer mehrheitlichen Entscheidung vor der Saison vieles richtig gemacht haben, denn im Gegensatz zu den anderen Landesligen sei die Corona-Problematik hier kein Thema. Zweifelsohne ist der SV Friesen einer der großen Verlierer der zweigeteilten Landesliga. "Das ist für uns fatal und sicher auch nicht gerecht. Wir waren von Anfang an gegen diese Aufsplitterung", erklärt Josef Geiger, der starke Mann des SV Friesen. Der Hauptsponsor und langjähriges Vorstandsmitglied sagt aber auch: "Jammern hilft nichts, das wäre ein schlechter Stil. Wir müssen jetzt kämpfen. Es ist einfach nur denkbar schlecht für uns gelaufen."

Der Sponsor, der sich seit vielen Jahren für seinen Verein und in den vergangenen Monaten speziell für den Sportheim-Neubau engagiert hat, wundert sich schon ein wenig: "Wir verlieren 2:7 in Euerbach, Ebersdorf gewinnt 8:2 in Euerbach und mittendrin siegen wir 2:0 in Ebersdorf - das ist irgendwie schon eine verrückte Vorrunde gewesen."

Drei Direktabsteiger - zwei Releganten

Dass drei Teams am Saisonende direkt absteigen und zwei in die Relegation müssen, schockiert Geiger, der bis vor kurzem von nur einem Direktabsteiger und drei Releganten ausgegangen war. "Da war ich einfach schlecht informiert." Ein wenig ist er nach eigenen Worten ratlos und weiß auch nicht, an was es eigentlich liegt, dass seine Mannschaft jetzt so schlecht dasteht: "Wir haben eine wirklich starke Truppe zusammen, doch durch die vielen Verletzten hat sich eine Eigendynamik entwickelt und wir sind da in etwas hineingezogen worden. Und da sind wir bis jetzt auch nicht mehr herausgekommen. Jetzt heißt es: kämpfen, kämpfen und nochmals kämpfen."

SC Sylvia Ebersdorf ist der große Gewinner

Ganz anders ist dagegen die Stimmung im Lager des Ligakonkurrenten SC Sylvia Ebersdorf. Quasi über Nacht sind die Verantwortlichen wieder zuversichtlich, dass das Minimalziel - nämlich der Klassenerhalt - im Frühjahr realisiert werden kann. Grund: Elf der 13 geholten Punkte retten die Sylvianer, die im Sommer mit ganz anderen Ambitionen in die Serie gestartet waren, über den Winter und nehmen sie mit in die Tabelle der Abstiegsrunde. Ein Ruhekissen ist diese Ausgangsposition zwar nicht, doch die Lage hat sich nun extrem verbessert. Hauptsponsor Stefan Finzels warnt allerdings: "Wir müssen kämpfen, von Spiel zu Spiel denken und dürfen die Situation nicht unterschätzen. Es wird sehr schwer. Immerhin müssen fünf der zehn Teams in der Abstiegsrunde zittern."

Finzel hat Mitleid sogar mit den Friesenern: "Das ist sicher nicht gerecht. Wir waren ebenfalls von Beginn an gegen diese Spielsystem-Änderung, wurden aber ebenso wie unsere Freunde aus Friesen überstimmt." Apropos Freunde: Gemeinsam mit Armin Eck, dem aktuellen Cheftrainer der "Grün-Weißen", verbrachte Finzel nach eigenen Worten eine "aufregende Bundeswehrzeit bei den Panzergrenadieren" in Bayreuth. "Die Lage für Armin ist extrem ärgerlich. Ich hoffe beide Vereine schaffen noch den Klassenerhalt." Ob er dann im Erfolgsfall gemeinsam mit seinem ehemaligen Unteroffizier, so wie zu besten Wache-Zeiten beim Bund, heimlich eine Flasche Lambrusco leert, bleibt allerdings Finzels und Ecks Geheimnis.