"Um jeglicher Legendenbildung in Bezug auf die Max-Brose-Straße entgegenzutreten", haben sich am Donnerstag Coburgs früherer Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) und der amtierende 2. Bürgermeister und CSU-Fraktionsvorsitzende Hans-Herbert Hartan zu Wort gemeldet. Anlass ist die Sendung "ZDF Magazin Royale" vom vergangenen Freitag, in der behauptet wurde, der Coburger Stadtrat habe auf Druck von Michael Stoschek die Von-Schultes- in Max-Brose-Straße umbenannt. Der Coburger Brose-Standort liegt an dieser Straße; Michael Stoschek, Enkel des Firmengründers Max Brose, ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Fahrzeugteileherstellers.

"Die CSU-Fraktion hatte im Jahr 2004 den Antrag eingebracht, den verdienten Unternehmer Max Brose und sein Unternehmen mit einer Straßenbenennung zu ehren", schreiben Tessmer und Hartan. "Dies geschah weder auf Initiative des Unternehmens Brose oder der Familie Stoschek noch gar aufgrund irgendeines Drucks. Im Gegenteil, weder die Firma Brose noch die Familie Stoschek waren zu diesem Zeitpunkt von diesem Vorhaben informiert. Ehrungen sind vertraulicher Bestandteil der Stadtratsarbeit. Nach langwierigen Diskussionen zunächst im Bausenat, dann im Stadtrat, wurde der Antrag im Jahr 2004 bei Stimmengleichheit (Patt) im Stadtrat abgelehnt."

OB Norbert Tessmer habe dann im Jahr 2015 "aufgrund einer vorausgehenden Pressekampagne" und der Ankündigung von Anträgen das Thema erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Mehrere Medien hatten aufgegriffen, dass das Unternehmen Brose seit Ende 2004 keine Coburger Vereine und Einrichtungen mehr unterstützen wollte, unter anderem wegen der damaligen Diskussion um die Max-Brose-Straße.

Weiterer Grund für den neuen Anlauf war laut Hartan und Tessmer, dass 2015 "die Vergangenheit von Max Brose in der NS-Zeit voll umfänglich aufgeklärt" gewesen sei. "Auch bei diesem neuerlichen Antrag gab es keinerlei Einflussnahme der Firma Brose oder der Familie Stoschek auf die Entscheidungsträger. Der Stadtrat hat dann mit großer Mehrheit, 30:8, der Umbenennung der Von-Schultes-Straße in Max-Brose-Straße zugestimmt. Alle diese Sachverhalte sind jederzeit nachprüfbar und in der medialen Landschaft mehrfach ausführlich behandelt worden. Jede andere Interpretation hat nichts mehr mit objektiver Berichterstattung zu tun, sondern kann nur als böswillige Verdrehung der Tatsachen bezeichnet werden." sb