FT: Hat Sie die Ernennung, von der die Öffentlichkeit am Sonntag erfuhr, überrascht? Hatten Sie sich nach Würzburg beworben?

Gessner: Die Stelle des Dom-pfarrers war erstmals im Diözesanblatt der Diözese - wie alle anderen offenen Stellen - ausgeschrieben. Es wurden dabei Kriterien und Erwartungen benannt, so dass mir klar war, welche Herausforderungen die neue Aufgabe mit sich bringen würde. Lange lag die schriftliche Bewerbung in meinem Schreibtisch, immer wieder habe ich abgewogen, ob eine solche neue Aufgabe für mich passt, ob ich mich darauf einstellen kann. Am 20. September habe ich dann schließlich meine Bewerbung an Bischof Franz im Würzburger Bischofshaus eingeworfen.

Vor zweieinhalb Wochen folgte dem ein Bewerbungsgespräch mit unserem Bischof und dem Leiter der Hauptabteilung Personal, Herrn Robert Hambitzer, bei dem es um meine Beweggründe für die Bewerbung und Erwartung seitens der Diözese ging. Die angenehme Gesprächssituation und der Austausch dabei machten mich zuversichtlich.

Am Mittwoch dieser Woche erhielt ich dann von Bischof Franz in einem Anruf die Information, dass ich der neue Dompfarrer werden würde.

Wie wird sich Ihr neuer Aufgabenbereich von Ihrem bisherigen unterscheiden? Und worin sehen Sie die besonderen Herausforderungen und Anreize für Sie persönlich?

Da ich erst in den kommenden Tagen und Wochen die ersten Kontakte zu den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufnehmen kann, kann ich dazu nur eine erste Einschätzung - von außen - geben, die sich im Laufe der nächsten Wochen und Monate durch das Zuhören und Kennenlernen noch konkretisieren oder korrigieren wird.

Ich wechsle von einer ländlich geprägten Seelsorgeeinheit in ein städtisches Umfeld. Manches wird vielleicht ähnlich sein, andere Arbeitsabläufe und auch Traditionen werden sich sicher auch unterscheiden.

Neben der Pfarrseelsorge wird es aber auch wichtig sein, die Menschen in den Blick zu nehmen, die punktuell oder als Touristen nach Würzburg kommen oder die sich kulturell ansprechen lassen. Auch gehört ein gewisser Anteil an Repräsentation zur neuen Aufgabe als Dompfarrer. Aber sicher kann ich Ihnen diese Frage in einigen Monaten wesentlich genauer beantworten.

Eingebunden sein wird diese Arbeit in den Sektor Süd-Ost und den gesamten pastoralen Raum Würzburg, in die Zusammenarbeit mit anderen Konfessionen, aber auch in die Kooperation mit den politischen Verantwortungsträgern und Institutionen. Worin hebt sich die Dompfarrei von anderen Pfarreien ab? Zunächst leben in der Dompfarrei - wie in allen anderen Pfarreien und Gemeinden unserer Diözese - Menschen ihren Glauben. Dadurch, dass der Dom auch Bischofskirche ist, dass hier das Domkapitel wesentlich mit eingebunden ist, dass glücklicherweise viele Menschen im Dom liturgisch und musikalisch das kirchliche Leben mitgestalten und mittragen, unterscheidet sich die Dompfarrei auch in manchen Punkten. Aber zur neuen Aufgabe gehört ja nicht nur die Dompfarrei, sondern auch die Pfarrei Neumünster- St. Johannes Evangelist, die Pfarrei St. Peter und Paul und die Hofpfarrei - und jede Pfarrei wird ihre eigene Prägung haben. Und darauf bin ich gespannt und darauf freue ich mich. Wie darf man sich die Größenverhältnisse vorstellen ? Noch bin ich für rund 10 000 Katholiken im 27 Kirchen der Pfarrer, künftig wird diese Zahl geringer, die Aufgaben dafür aber vielfältiger. Die erste Herausforderung wird nun sein, die neuen Gemeinden und dort vor allem die Menschen, die bisher erfolgten Überlegungen zur Ausgestaltung der neuen pastoralen Räume und die lokalen Traditionen kennenzulernen.

Ebenso freue ich mich auf eine gute Zusammenarbeit mit allen, die in Würzburg in der Seelsorge tätig sind, ob für unsere Diözese oder aber auch in anderen Konfessionen. Die Stadt selbst ist mir aus meiner Studienzeit gut vertraut und wird so auch schnell zu meinem neuen Zuhause werden. Mit welchen Gefühlen werden Sie Baunach/Mürsbach und das Dekanat verlassen? Die Arbeit in den beiden Pfarreiengemeinschaften St. Christophorus im Baunach-, Itz- und Lautergrund, Baunach, und in der Pfarreiengemeinschaft St. Kilian und Weggefährten, Pfarrweisach, war eine sehr schöne Arbeit, die ich mit Leidenschaft ausgeübt habe, die aber manches Mal auch mühsam, diskussionsreich und kräftezehrend war.

In den insgesamt 18 Jahren (2000 bis 2002 als Kaplan, 2004 bis 2021 als Pfarrer und Pfarradministrator) hat sich vieles im kirchlichen Leben verändert: Zusammenlegungen von Gemeinden zu Pfarreiengemeinschaften; sehr schmerzhafter Rückgang von hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern, aber auch der Menschen, die aktiv das Gemeindeleben mitprägen; damit verbunden: Abschied von liebgewonnenen Traditionen und Gewohnheiten und die Zunahme an eigenverantwortlicher Gestaltung des kirchlichen Lebens durch die Gläubigen ...

Viele haben bei diesen Veränderungen ebenso leidenschaftlich mitgestaltet und mitgeholfen, wofür ich sehr dankbar bin. Andere trauern vielleicht noch dem nach, was nicht mehr leistbar und vor Ort auch nicht mehr stemmbar war.

Auch im Dekanat Haßberge hat sich in den vergangenen zehneinhalb Jahren vieles getan: Bischof Friedhelm kam zweimal zu bischöflichen Visitationen: einmal im Bereich des Altdekanates Ebern und später im Altdekanat Haßfurt; zusammen mit dem früheren Dekanatsreferenten Günter Schmitt, dem Haßfurter Diözesanbüro und der Vorsitzenden des Dekanatsrates, Frau Klaudia Schwarz, und der gesamten Vorstandschaft des Dekanatsrates galt es, Verständnis und Unterstützung für den Prozess "Pastoral der Zukunft" zu gewinnen; auch die Umschreibung der neuen pastoralen Räume, die nun am 24.Oktober durch Bischof Franz erfolgt ist, brachte zahlreiche und umfangreiche Diskussionen und Beratungen mit sich. Apropos "Pastoral der Zukunft": Wie beurteilen Sie die Situation im Hinblick auf die anstehenden strukturellen Veränderungen? Egal, ob im Dekanat Haßberge oder in meinen bisherigen Pfarreiengemeinschaften: In beiden Bereichen erfolgt nun eine Zäsur. War es bisher um strukturelle Fragen und räumliche Zuschnitte gegangen, werden die Seelsorgerinnen und Seelsorger zusammen mit den Gremien und allen Gläubigen erarbeiten müssen, wie kirchliches Leben in diesen nun errichteten Räumen gut gesichert - und hoffentlich verlebendigt - werden kann. Dabei ist klar: Die Kirche muss im Dorf bleiben. Die einzelnen Gemeinden müssen gestärkt und gefördert werden. Hier suchen die Menschen zuerst den Anschluss. Es wird darum gehen, wie Gemeinden eigenverantwortlich ihr Glaubensleben gestalten können - und dabei gleichzeitig offen bleiben für andere Gemeinden, wenn etwas vor Ort nicht mehr leistbar ist oder angeboten werden kann.

Die künftigen Überlegungen müssen Antworten finden, wie es gelingen kann, dass die Seelsorgerinnen und Seelsorger die Menschen in den Gemeinden gut begleiten können, so dass diese in ihren Gemeinden die Eigenverantwortung stärken. Dieser beginnende Entwicklungsschritt wird sicher Jahre benötigen.

Nach 18 Jahren aber stellte sich mir die Frage, ob ich in meinen bisherigen Gemeinden noch einmal um so viele Jahre verlängern will, oder ob ich diese Zäsur nicht nutze und an anderer Stelle - eben in Würzburg - neu in die Diskussion einsteige und ein neues Kapitel in meinem Leben und in meinem priesterlichen Dienst aufschlage.

Gibt es bereits personelle Vorstellungen für die künftige Besetzung Ihrer Dekanstelle/Ihres Aufgabenbereichs? Wann und wie wird der Wechsel erfolgen?

Für mich und meine Pfarreiengemeinschaften wird der Wechsel sehr schnell kommen, da ich noch Urlaub abbauen muss und der Amtsantritt in Würzburg zum Beginn der Fastenzeit 2021, also gegen Ende Februar, sein soll. In den nächsten Tagen werde ich in meiner Funktion als Dekan Gespräche mit Priestern führen, um abzuklären, wer als Pfarradministrator bis zum Aufzug eines neuen Pfarrers die Pfarreiengemeinschaften leiten kann. Die Diözese wird dann nach einem erfolgten Vorschlag einen Pfarradministrator benennen. Wie und in welcher Form die frei werdenden Pfarreiengemeinschaften ausgeschrieben werden, ist momentan noch von der Diözese zu klären.

Die Amtsgeschäfte als Dekan gehen mit meinem Wechsel auf den stellvertretenden Dekan, Pfarrer Kurt Wolf aus Rauhenebrach, über. Er wird dann mit der Diözese klären, wie das Dekanat Haßberge bis zur nächsten regulären Wahl der Dekane geleitet wird.

Die Fragen stellte unser

Redakteur Eckehard Kiesewetter